Musikschule
Immer weniger nachgefragt wird das Angebot der Musikschule Achern/Oberkirch. Die Gemeinderäte der beiden Städte haben in einer gemeinsamen Sitzung nun darauf reagiert. Unter anderem sollen künftig auch Senioren angesprochen werden. | Foto: Jens Büttner

Bald Unterricht für Senioren

Musikschule Achern/Oberkirch schrumpft rasant

Das Angebot der Musikschule Achern/Oberkirch wird immer weniger nachgefragt. Die Zahl der Unterrichtseinheiten ist seit der Jahrtausendwende von 1 022 jährlich auf inzwischen nur noch knapp über 700 zurückgegangen. Nach einer Antwort auf dieses rasante Minus-Wachstum suchten die Gemeinderäte der beiden Städte in einer gemeinsamen Sitzung  im Acherner Rathaus. Dabei wurde deutlich: Die Musikschule steht vor einem langwierigen Reformprozess, der interne Umstrukturierungen ebenso umfasst wie den Versuch, weitere Kunden zu erschließen.

Ältere Menschen als Kunden

Dabei setzt man auf bewährte Instrumente wie das Instrumentenkarussell oder das Engagement über das Programm SBS in den Kindergärten ebenso wie wie auf eine innovative Idee: Die Musikschule in der nördlichen Ortenau will künftig auch Senioren als ihre Kunden gewinnen. Erste Kontakte mit Einrichtungen für betreutes Wohnen seien bereits geknüpft, machte der Acherner Musikschulleiter Rudolf Heidler am Mittwoch deutlich.

Konkurrenz zu privaten Anbietern

Das Angebot auszuweiten wird aber nicht ausreichen um das Problem dauerhaft zu lösen. „Wir sind in Konkurrenz zu privaten Anbietern, die bisweilen sogar etwas billiger sind als wir“, sagt Acherns Oberbürgermeister Klaus Muttach. Deshalb sei es wichtig, auf die Qualitätssicherung zu setzen. Das heißt: Die Musiklehrer werden künftig mindestens einmal jährlich zur Fortbildung geschickt. Das wäre dreimal so oft wie beispielsweise im Jahr 2015. Weitere Vorgaben: Die Zahl der Unterrichtseinheiten soll wieder ansteigen, auf mindestens 750 jährlich, die Auslastung der Lehrer, bezogen auf ihr Deputat, muss bis zum Jahr 2025 wieder auf 100 Prozent ansteigen.

Änderungen an Personalstruktur

Grundlegende Eingriffe planen die Kommunen aber auch an der personellen Struktur. Derzeit sind noch 25 Lehrkräfte nach dem vergleichsweise teuren Tarifvertrag für die öffentlichen Dienst (TVöD) angestellt. Das Ziel ist hier, ebenfalls im Jahr 2025 eine Drittelung zu erreichen: 14 Lehrer mit einem Vertrag nach TVöD, weitere 14 nach dem für die Musikschule etwas günstigeren Haustarifvertrag der vor einigen Jahren eingeführt wurde sowie 14 Lahrer als flexibel einsetzbare Honorarkräfte.

Hohe Zuzahlung der Kommunen

Gleichzeitig will die Musikschule die Einnahmesituation verbessern, damit der finanzielle Anteil der Kommunen nicht noch weiter steigt. Derzeit zahlen die Mitglieder des Zweckverbands mehr als 60 Euro pro Unterrichtseinheit, die in der Regel aus vier Wochenstunden zu jeweils 45 Minuten besteht, zu. Deshalb setzte man auf andere Einnahmequellen: Auf wachsende Zuschüsse von Land und Kreis ebenso wie auf steigende Gebühren. Diese sollen bis zum Jahr 2020 zumindest die Hälfte der Unterrichtskosten abdecken. Wie dieses Ziel erreicht werden soll, ob über höhere Elternbeiträge oder mehr Schüler, blieb offen.

Schülerzahlen weiter rückläufig

„Die Schülerzahlen sind noch immer sehr stark rückläufig“, beschrieb Rudolf Heidler das Problem. Deshalb werde man nun versuchen, auch ältere Menschen mit dem Angebot zu erreichen und dabei auch Einrichtungen des betreuten Wohnens aufsuchen. Der Oberkircher Musikschulleiter Hansjörg Stürzel nannte als Gründe für den Rückgang der Schülerzahlen unter anderem die Ganztagsschulen, aber auch die wachsende Arbeitsbelastung der Jugendlichen insgesamt. Da sei am Nachmittag oft nicht mehr die Zeit oder auch das Interesse da, nun auch noch ein Instrument zu lernen. Bereits vor Jahren hatte die Musikschule begonnen, der Entwicklung entgegenzuwirken – auch in Verbindung beispielsweise mit den regulären Schulen mit mehr als 100 Jugendlichen in den Bläserklassen, über die musikalische Führerziehung oder auch durch das vom Land geförderte und bezahlte Programm „Singen, bewegen, sprechen“ in den Kindergärten, an dem sich inzwischen 26 Einrichtungen beteiligen.