Eine Unterschriftenliste für einen Geldautomaten übergaben Ortsvorsteher Wolfgang Bohnert und Ortschaftsrat Helmut Krampfert an die Sparkassenvorstände Frank König und Matthias Frietsch (von rechts). | Foto: Ulrich Coenen

Kritik an Sparkasse Bühl

Neusatzer fordern einen Geldautomaten

Nach Tante Emma gehen die Banken. Jetzt trifft es die Neusatzer. Die Sparkassenfiliale im Bühler Stadtteil schließt zum Jahresende. Das wollen die Neusatzer nicht hinnehmen. Vereinssprecher und Ortschaftsrat Helmut Krampfert hat eine Unterschriftenaktion gestartet. Der Kommunalpolitiker nutzte den Besuch des Ortschaftsrates in der neuen Sparkassenfiliale in Ottersweier, um die ersten 200 Unterschriften an den Vorstand der Sparkasse Bühl zu übergeben. Gleichzeitig mit Neusatz wird übrigens die Sparkasse in Unzhurst dicht gemacht. Dort wird das bestehende Selbstbedienungsangebot mit Automaten aber auch in Zukunft angeboten.

Nicht zum Plaudern gekommen

Vorstandschef Frank König und sein Stellvertreter Matthias Frietsch hatten das Neusatzer Kommunalparlament eingeladen, um ihnen die Filiale zu präsentieren, das ab 2017 die Kunden aus dem am höchsten gelegenen Bühler Stadtteil betreuen soll. Es blieb aber nicht bei einer Führung durch den Neubau. Gleich zu Beginn der Veranstaltung machte Ortsvorsteher Wolfgang Bohnert deutlich, dass man nicht nur zum Plaudern gekommen war. „Wir wollen über die beabsichtigte Schließung unserer Filiale sprechen“, sagte er. „Wichtig ist für uns, dass wir als Ersatz zumindest einen Geldautomaten erhalten.“

Volksbank noch in Neusatz präsent

Einen solchen Automaten gibt es in der noch bestehenden Sparkassenfiliale bislang nicht. Sparkassenchef Frank König bedankte sich beim Ortschaftsrat zwar höflich für dessen „Einsatz für die Bevölkerung“, machte den Kommunalpolitikern aber keine Hoffnung, dass die Entscheidung zur Schließung der Filiale zurückgenommen wird. Auch einen Geldautomaten wird es in Neusatz nicht geben. Nach dem Abschied der Sparkasse bleibt den Menschen im Schwarzwalddorf nur noch die Geschäftsstelle der Volksbank.

Ottersweier als Alternative

„Wir haben unsere Entscheidung nicht leichtfertig getroffen“, meinte König. Die Erfahrung der Vergangenheit habe gezeigt, dass die Kundenfrequenz in Neusatz permanent zurückgegangen sei. In der dortigen Filiale, die nur 13 Stunden in der Woche geöffnet habe, könne die Sparkasse nicht die Leistung bringen, die „unseren Qualitätsansprüchen entspricht“. Überdies sei die Filiale in Ottersweier, in die die Neusatzer Kunden wechseln sollen, nur fünf Autominuten entfernt. Dort werde mit 35 Stunden Öffnungszeit ein deutlich umfassenderer Service angeboten. Die Mitarbeiterin aus der Filiale Neusatz wechselt übrigens mit ihren Kunden nach Ottersweier.

Vom Himmel in die Hölle

Helmut Krampfert reichte das nicht. Im Namen des Ortschaftsrates und der örtlichen Vereine forderte er ausdrücklich die Installation eines Geldautomaten in Neusatz. „Senioren ohne Führerschein kommen vom Himmel in die Hölle“, warnte er. „Mit der Citylinie kann man zwar von Neusatz aus problemlos Bühl erreichen, nicht aber Ottersweier.“

Wandern die Kunden ab?

Im Hinblick auf die Präsenz der Volksbank im Schwarzwalddorf fragte der Ortschaftsrat außerdem: „Haben Sie den Wechsel von Kunden einkalkuliert?“

König wies darauf hin, dass man die Neusatzer Kunden selbstverständlich auch in der Hauptstelle in Bühl und nicht nur in Ottersweier bedienen werde. Matthias Frietsch machte auf den kostenlosen Bargeld-Bringservice der Sparkasse wahrend der normalen Geschäftszeiten als Alternative zum Automaten aufmerksam. Die Anschaffungskosten für einen Geldautomaten bezifferte er auf rund 20 000 Euro. Zur Höhe der beträchtlichen Betriebskosten des Geräts, das mit Hilfe eines Sicherheitsunternehmens regelmäßig mit Bargeld bestückt werden muss, wollte er sich nicht äußern. „Wir sehen die Probleme mit der Infrastruktur auf dem Land“, räumte Frietsch ein. „Aber die Banken sind immer die letzten in dieser Entwicklung, die gehen.“

Kosten und Standortvorteil

Kostendiskussion versus Standortvorteil – so hatte Helmut Krampfert seine Stellungnahme überschrieben, die er dem Vorstand des Kreditinstituts überreichte. Krampfert trug seine Argumente auch in einer kurzen Rede vor.

Selbstverständlicher Service

Das Argument, ein Geldautomat sei zu teuer, ließ er nicht gelten. “Es ist unbestritten, dass die Bargeldversorgung am Automaten außerhalb der Öffnungszeiten in der heutigen Zeit einen geradezu selbstverständlichen Kundenservice darstellt“, argumentierte er. Für eine Gemeinde ohne ein solches Angebot bedeute dies einen „echten Standortnachteil“.

Angesichts der demografischen Entwicklung sei jede Kommune bemüht, ihre Einwohnerzahl zumindest zu halten, meinte Krampfert. Wesentlich für Erfolg oder Misserfolg seien die Standortfaktoren, zu denen auch die Bargeldversorgung gehöre.

Wichtige Kundenbindung

Nach Recherchen von Krampfert gibt es in Deutschland rund 56 000 Geldautomaten, davon 25 000 im Eigentum der Sparkassen und 19 000 in dem der Volksbanken. Diese Automaten seien für die Kreditinstitute nicht nur ein Kostenfaktor. Als ein wichtiges Argument nannte der Ortschaftsrat die Kundenbindung.

Filalen mit zwei Geldautomaten

„Im Übrigen sind die Hardwarekosten bereits deutlich gesunken und es muss in einer Filiale ja auch nicht zwingend ein neues Gerät aufgestellt werden“, meinte er. „Volksbanken und Sparkassen in der Region bieten ein dichtes Netz an Geldausgabeautomaten, in Einzelfällen sogar in Form einer Kooperation.“
Helmut Krampfert wunderte sich, warum eine Reihe von Sparkassen-Geschäftsstellen gleich mit zwei Geldautomaten ausgestattet ist. Als Beispiele nannte er Bühl, Ottersweier, Weitenung, Schwarzach, Unzhurst, Vimbuch und Bühlertal.

„Laut Statistik kommen in Deutschland auf eine Million Einwohner rund 675 Automaten“, erklärte er. „Schon allein statistisch ist ein Geldautomat in Neusatz überfällig.“