Stadtmauer
Die Offenburger Stadtmauer ist ein Sanierungsfall | Foto: Thaen

Efeu setzt den Steinen zu

Offenburger Stadtmauer droht der Verfall

Von Robert Ullmann
Offenburgs Stadtmauer ist gefährdet. An Teilen längs des Bahngrabens sind die Schäden deutlich zu sehen. Andreas Clausen vom Denkmalschutz der Stadt spricht von einem „aktuellen Sanierungsbedarf“. Er sei von der Leitung des Klosters auf Schädigungen an der Stadtmauer aufmerksam gemacht worden, erklärte Clausen im Planungsausschuss des Gemeinderats. Deshalb wurde auf einem 115 Meter langen Abschnitt das Efeu abgeräumt, das teils großflächig die Mauer überwucherte. Clausen: „Es ging darum, die Schäden am Mauerwerk genauer zu untersuchen.“ Dabei habe sich ergeben, dass eine umfassende Sanierung notwendig sei. Clausen: „Es bröselt dort ganz schön mächtig“. Nach einer ersten Schätzung liegen die Sanierungskosten allein für diesen Abschnitt bei etwa 100 000 Euro.

Efeu sprengt das Mauerwerk

Clausen zufolge ist es dort zu Einwachsungen von Efeu gekommen, die das Mauerwerk aufsprengen. Auch werde durch die Einwachsungen und die Bewachsung mit Rankpflanzen das Mauerwerk dauerhaft durchfeuchtet, mit Aufplatzungen durch Frost als Folge. „Wir müssen damit rechnen, dass auch bei anderen Abschnitten der Stadtmauer Schädigungen vorliegen“, erklärte Clausen und forderte ein planvolles Vorgehen, um einen dauerhaften Schutz für Offenburgs Stadtumfriedung zu schaffen.

1 400 Meter Stadtmauer sind erhalten

Ursprünglich war die Stadtmauer 1 800 Meter lang. Davon sind noch 1 400 Meter erhalten. Teils ist die Stadtmauer freistehend, teils gibt es deutliche Höhenunterschiede zwischen Außen- und Innenseite, so im Bereich des Zwingerparks. Insbesondere in den nördlichen Bereichen ist ihr Mauerwerk teils in Gebäude integriert. Clausen geht davon aus, dass zu Grimmelshausens Zeiten die Stadtmauer verputzt war. Clausen: „Sie war ein militärischer Zweckbau, und der Putz bot am einfachsten einen langfristigen Schutz.“

Lausige Sanierung in 50er Jahren

Leider wurden in jüngerer Zeit große Teile des Bollwerks nicht fachgerecht saniert. „Vermutlich in den 1950er Jahren“, so Clausen. Man nahm damals Nachverfugungen mit Zementmörtel vor. Das Problem: Der breitflächig aufgetragene Zementmörtel ist härter als das Mauergestein. Feuchteeiantrag und Frost führen deshalb zu Abplatzungen am Gestein, während der Mörtel unversehrt bleibt.

Mit dem Bau der Offenburger Stadtmauer wurde vermutlich um 1250 begonnen. Was von dieser Wehranlage noch heute fast die gesamte Kernstadt umschließt, ist die „Innere Stadtmauer“. Die äußere Stadtmauer wurde bis Anfang des 15. Jahrhunderts an der Außenseite des damaligen Stadtgrabens errichtet. Am Bürgerpark ist sie noch sichtbar.
In der Kittelgasse parallel zum Zwinger und der Bauerngasse parallel zur Grabenallee, die so heißt, weil dort früher der Stadtgraben war, sind auch noch Teile der Mauer für den Wehrgang hinter der Inneren Stadtmauer vorhanden.
Seit 2008 gilt das Bauwerk als Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung.