Opernball Karlsruhe
Im kommenden Jahr findet in Karlsruhe kein Opernball statt. | Foto: jodo

Staatstheater muss sparen

Im Jahr 2017 kein Opernball in Karlsruhe

Für viele ist es eine Selbstverständlichkeit: Am ersten oder zweiten Samstag im Mai findet in Karlsruhe der Opernball statt – eines der gesellschaftlichen Ereignisse in der Stadt. Doch wer nun auf der Internetseite des Badischen Staatstheaters den Spielplan für den Wonnemonat 2017 anklickt, der findet keinen entsprechenden Eintrag.

Opernball fällt 2017 Rotstift zum Opfer

Mit „Adriana Lecouvreur“ steht am Samstag, 6. Mai, eine Operngala auf dem Programm. Eine Woche später folgt „Le Nozze di Figaro“. Der Opernball – der vor Beginn der Spielzeit noch auf den 6. Mai 2017 terminiert war – ist verschwunden. „Er wird im kommenden Jahr nicht stattfinden“, bestätigt der kaufmännische Direktor des Theaters, Johannes Graf-Hauber. Grund sei der städtische Sparkurs, der offiziell erst am 15. und 16. November besiegelt wird: Dann entscheidet der Gemeinderat, wo 2017 und 2018 wie viel gekürzt wird.

Gaststars gar nicht erst verpflichtet

Doch längst ist klar, dass auch das Badische Staatstheater seinen Beitrag leisten muss. Deshalb warteten die dortigen Verantwortlichen nicht erst die Verabschiedung des Doppelhaushalts ab, sondern strichen den Ball schon vorab wieder aus dem aktuellen Spielplan. Verträge mit Gaststars wurden gar nicht erst abgeschlossen. Tickets gingen nicht in den Vorverkauf.

Schmerzlich

„Schmerzlich“ nennt Graf-Hauber die Entscheidung, 2017 auf den Ball zu verzichten. Man habe diesen Schritt mit der Stadtspitze und dem Verwaltungsrat abgesprochen. Grundsätzlich habe man von Seiten des Theaters geprüft, wo man einsparen kann. „Ein Opernball ist ja nicht nur Theater, sondern eine gesellschaftliche Veranstaltung und nicht unser ureigenstes Kerngeschäft. Die Zuschüsse sollten aber in den künstlerischen Betrieb fließen“, sagt Graf-Hauber.

Defizit hätte 100.000 Euro betragen

Und am Ende des Opernball-Abends wäre ein Defizit in Höhe von 100 000 Euro zu verbuchen gewesen – wobei der Betrag, den das Theater den Vorgaben der Stadt zufolge einsparen müsse, deutlich höher sei.Der Opernball sei in jedem Fall „die prominenteste Veranstaltung“, auf die man erst mal verzichte.

Setzen erst mal nur aus

Ziel des Hauses sei es, trotz der Sparmaßnahmen das Angebot so breit und offen wie möglich zu halten sowie das künstlerische Programm und die Arbeitsplätze zu sichern. Noch ist indessen nicht von einem endgültigen Aus für den Opernball die Rede, der über 33 Jahre hinweg jedes Frühjahr über die Bühne ging. „Wir setzen erst mal nur aus“, so Graf-Hauber.

Sponsoren werden gesucht

Man werde das Jahr nutzen, um das Konzept zu überdenken, neue Ideen zu sammeln und zu prüfen, ob eine solche Veranstaltung gewollt ist sowie ob Sponsoren und die Bürgerschaft bereit wären, sie zu unterstützen. „Wir bräuchten für eine Fortführung in jedem Fall Partner“, betont Graf-Hauber. Man müsse das breiter aufstellen.
In anderen Städten beobachtet Graf-Hauber einen rückläufigen Trend bei Opernbällen, in Frankfurt beispielsweise sei er eingestellt worden, ebenso in Nürnberg, wo man versuche, für eine Neuauflage 2017 Sponsoren zu finden.

Tickets bis zu 230 Euro teuer

In Karlsruhe tanzten und feierten beim Opernball stets rund 2 000 Besucher bis in die Nacht. Günstigste Karte war ein „Latenight-Ticket“ ab 23 Uhr für 29 Euro. „Laufkarten“ für Besucher ohne Sitzplatz kosteten 79 Euro, Tischplätze zwischen 95 und 230 Euro. Sponsoring fand bisher vor allem für die Tombola statt, so Graf-Hauber.