Auf großes Interesse stießen die Büsten des Künstlers Harald Birck | Foto: Sandbiller

Protestanten feiern Lutherfest

Optimistischer Start ins Reformationsjubiläum

Auftakt und sicher auch Höhepunkt  zum  Reformationsjubiläum in Karlsruhe: Mit einem inhaltsstarken, in Teilen fast schon heiter-optimistischen Gottesdienst und einem Lutherfest hat die Evangelische Kirche in Karlsruhe am Sonntag das Jubiläum 500 Jahre Reformation gefeiert. Zentraler Bestandteil des Gottesdienstes, des anschließenden Empfangs wie Fests  in und um die Lutherkirche war die Aktion „Luther – einer von uns“. In der Kirche waren die Büsten von 22 hauptsächlich Karlsruher Personen aufgestellt, die Schwerpunkte des Reformators Luther repräsentieren, darunter auch die des 1973 verstorbenen Gründers der BNN, Wilhelm Baur. Oder wie es Pfarrerin Ulrike Krumm bei der Begrüßung der Besucher sagte: „Auf mich wirkt ihre unglaubliche Vielfalt – für das, was Luther wichtig war!“ In den kommenden Wochen werden die Büsten in der Regel an den Wirkungsorten der abgebildeten Personen ausgestellt.

Kunstprojekt zum Reformationsjubiläum

In einer von SWR-Redakteur Holger Gohla moderierten Runde war Gelegenheit, sich den Büsten des Berliner Künstlers Harald Birck zunächst einmal geistig zu nähern. So beschrieb der Theologieprofessor Wilfried Härle die Menschennähe Luthers: „In Luther ist vieles an Positivem und Negativem präsent, in dem wir uns wiederfinden.“ Härle hatte die Aktion theologisch begleitet. Und Stadtpfarrer Dirk Keller, Initiator des Projekts zum Reformationsjubiläum, bekannte: „Ich habe erst im vergangenen Jahr gemerkt, wie viel Kraft noch in Luther steckt.“ Keller bezog sich auf die Dynamik, die das Projekt in den vergangenen Monaten entwickelte. Ursprünglich war er von etwa zehn Büsten ausgegangen.
Der Künstler selbst betonte, dass in seinen Büsten „Luther als Mensch erkennbar bleiben soll“. Auch der Prediger des Gottesdienstes, Prälat Traugott Schächtele, ging auf die Aktion ein. Karlsruhe sei schon aufgrund des Gründungsdatums der Stadt keine „Stadt der Reformation“, doch Birck habe sie mit den Büsten dazu gemacht. Luther stehe damit nicht mehr auf „einem Podest, gar als Heiliger, also keiner von uns?“ Doch Luther sei eben auch ein Zweifler gewesen, habe dunkle Seiten gehabt, er sei damit eben „einer von uns“. Dies sei auch der Sinn der 22 Büsten: „Luther ergibt sich selbst zu erkennen als einer von uns.“

Die Kirche gehört in die Stadt

Dass die Reformation eine „dauerhafte Aufgabe der Kirche bleibt,“ betonte der evangelische Stadtdekan Thomas Schalla, der die unterschiedliche Art der Präsenz der evangelischen Kirche in der Fächerstadt betonte. „Die Kirche gehört in die Stadt, dafür braucht sie Zeitgenossen, die sich zu ihr bekennen“, blickte Schalla auf jene, die die Vorlage für die Büsten bildeten. Und er betonte die Ökumene: „Wir feiern in ökumenischer Weise ein Christusfest.“  Was wiederum die ideale Überleitung für das Grußwort des katholischen Stadtdekans Hubert Streckert war.

Luther in der katholischen Kirche

„Das Reformationsjubiläum darf kein rein evangelisches Gedenken sein,“ betonte jener. Deshalb wird auch jene Büste, die Martin Luther selbst zeigt, demnächst in der Kirche St. Stephan ausgestellt. „Er soll uns Katholiken über die Schulter schauen und sehen, was aus uns geworden ist“, sagte Streckert schmunzelnd. Dieser werde erkenne, dass „die katholische Kirche ökumenisch geworden ist“, fügte er noch hinzu. Gehe es bei den 22 Büsten um ein (völlig gegen die protestantische Lehre) stattfindendes „evangelisches Projekt der Heiligenverehrung“, fragte er rhetorisch. „Nein, wir brauchen Menschen, die für die Kirche stehen“, so Streckert, dies bilde das Projekt ab. Der Erste Bürgermeister Wolfram Jäger ermunterte die Kirche, verstärkt an die Öffentlichkeit zu gehen, wie sie es nun mit dem Kunstprojekt tut. Das sei „Marketing“ im besten Sinne.