Der Verein Pallium Bühl hat in Obersasbach ein Familien-Trauerzentrum eingerichtet. Von links Guido Kohler, Gabriele Striebel, Maria Kopf und Wolfgang Reinholz.
Der Verein Pallium Bühl hat in Obersasbach ein Familien-Trauerzentrum eingerichtet. Von links Guido Kohler, Gabriele Striebel, Maria Kopf und Wolfgang Reinholz. | Foto: Roland Spether

Kreative Trauerarbeit

Pallium eröffnet Familien-Trauerzentrum in Obersasbach

Von Roland Spether

Der Verein Pallium Bühl hat seinen Fachbereich Kind & Trauer nach Obersasbach verlegt und mit Hilfe von Gabriele Striebel ein Familien-Trauerzentrum eingerichtet. „Wir sind da, um Kindern und Erwachsenen in existenziell sehr schwierigen Lebenssituationen zur Seite zu stehen“, so Guido Kohler als Vorsitzender des Vereins bei der offiziellen Eröffnung der neuen Räume des Fachbereichs „Kind & Trauer“ in Obersasbach.
Hier hat Gabriele Striebel auf ihrem Anwesen im Innen- wie im Außenbereich einen sehr gelungenen Rahmen geschaffen, damit die Anonymität der Besucher und damit die persönliche Trauer von Kindern und Familien in vertrauten, geschützten Räumen gewahrt bleibt. Dies war am bisherigen Standort in Bühl aufgrund des laufenden Betriebs und vielfältiger Angebote des Pallium-Vereins in dem gewünschten Maß nicht mehr möglich, so dass die Verantwortlichen das Angebot von Gabriele Striebel dankbar annahmen, so Guido Kohler.

Schirmherrin ist Gerlinde Kretschmann

„Das Sterben gehört zum Leben wie das Geborenwerden“, schreibt Gerlinde Kretschmann, Schirmherrin des neuen Familien-Trauerzentrums und Ehefrau des Ministerpräsidenten. „Auch im Sterben dürfen wir unsere Mitmenschen nicht allein lassen, sondern müssen Verantwortung füreinander übernehmen und in dieser existenziellen Situation für andere da sein“, so ein Auszug aus dem Brief, den jeder Teilnehmer der von Ariel Friedmann mit feinen Harfen- und Flötenklängen gestalteten Eröffnungsfeier erhielt. Die Ehefrau von Winfried Kretschmann lobt die „sehr gute Arbeit“ von Pallium und verweist auf die wichtigen Hilfen, um die Trauer zu bewältigen und „den weiteren Lebensweg mit Zuversicht und Hoffnung zu gehen“.

„Wertvolle Einrichtung“

„Was kann ich tun, damit mein Elternhaus langfristig für die Öffentlichkeit einen guten Dienst leistet“, so die Ausgangsfrage von Gabriele Striebel. Deren Eltern, Elektromeister Franz Striebel und Margarete Striebel, gründeten an gleicher Stelle 1954 eine kleine Firma, die der Grundstein für das Unternehmen Striebel & John war. Nach umfangreichen Arbeiten ist nun der Verein Pallium in dem Haus eingezogen, in dem es vom Werkraum über Büro-, Gesprächs- und Aufenthaltsräume bis zu einem originellen Hexenhäuschen mit einem richtig kuscheligem Zimmer ein vielfältiges Raumangebot gibt. Der besondere Dank von Gabriele Striebel galt Architekt Manfred Waßmer, allen Firmen und der Gemeinde für die gute Arbeit und das flexible Miteinander. „Ich bin sehr froh, dass so eine wertvolle Einrichtung im Ort ist“, so Bürgermeister Wolfgang Reinholz. Er versicherte dem Verein, „da zu sein, wenn die Gemeinde gebraucht wird“. Ein Teil der Spenden aus „Laufend helfen“ von Mamoutier nach Obersasbach am 8. Oktober zum Parterschaftsjubiläums werde dem Verein zufließen.

„Bei uns wird viel geweint“

Wie es ist, wenn das Leben durch den Verlust eines Kindes oder Ehepartners regelrecht auf den Kopf gestellt wird und wie in so unsagbar schmerzlichen Situationen geholfen werden kann, verdeutlichte die Fachbereichsleiterin „Kind & Trauer“, Maria Kopf. Wichtig war ihr aufzuzeigen, dass ihre „kreative Trauerarbeit für Kinder und Erwachsene“ aus dem Erstarren über den Tod eines geliebten Menschen herausführe soll und die Betroffenen individuell, feinfühlig und in Würde begleiten will. „Bei uns wird viel geweint, das darf sein“, so Maria Kopf, die an Beispielen wie der „Trostsalbe“, den „Seelenvögeln“ und den „Glückswächtern“ aufzeigte, wie sie mit ihrer „kreative Trauerarbeit“ Kindern und Erwachsenen beisteht.

Für den Fachbereich Kind & Trauer und die „kreative Trauerarbeit für Kinder und Erwachsene“ benötigt der Verein jährlich zwischen 60.000 und 70.000 Euro an Spenden, da die Arbeit nicht über die Krankenkassen oder sonstige Zuschüsse finanziert werden. Hinzu kommt, dass die Angebote in der Regel kostenfrei sind, um Kinder und Familienmitglieder in Einzelbegleitung oder in Trauergruppen zu begleiten. Über Spenden zu Gunsten der Aktion „Pallimu“ freut sich der Pallium-Verein und dessen Fachbereich Kind & Trauer (Konto: IBAN: De 46 6629 1300 0076 0267 00 – BIC: GENODE61ACH).