Für Aufsehen und Begeisterung in der Bevölkerung sorgte Hubert Wirth, wenn er in Ortschaften in Frankreich und der Schweiz mit seinem Traktor und dem Holzhäusle auftauchte. Viele Passanten  durften im Fahrersitz Platz nehmen oder  eine Stadtrundfahrt mitmachen. 	Foto: Wirth
Für Aufsehen und Begeisterung in der Bevölkerung sorgte Hubert Wirth, wenn er in Ortschaften in Frankreich und der Schweiz mit seinem Traktor und dem Holzhäusle auftauchte. Viele Passanten durften im Fahrersitz Platz nehmen oder eine Stadtrundfahrt mitmachen. Foto: Wirth

Ungewöhnliche Frankreichreise

2500 Kilometer mit dem Traktor zurückgelegt

Neuhausen-Schellbronn. Mit seinem Traktor ist Hubert Wirth aus Schellbronn Anfang Juni nach Spanien aufgebrochen. Ziel seiner dreimonatigen Reise war wie berichtet Gibraltar.
Nun ist der 67-Jährige nach fast sieben Wochen vorzeitig nach Schellbronn zurückgekehrt.
Grund für die verkürzte Tour war unter anderem das schlechte Wetter.
„Es hat oft tagelang geregnet und es war brutal kalt“, erzählt Wirth, der mit seinem 20 PS starken Lanz Bulldog rund 2 500 Kilometer durch Frankreich und die Schweiz zurückgelegt hat. Auf einem Anhänger hat der 80 Jahre alte Bulldog ein zwei auf 2,50 Meter großes Holzhäuschen gezogen, in dem Wirth geschlafen, gekocht, geduscht und ferngesehen hat. Das erste große Ziel seiner Tour war Paris, das Wirth und Dackeldame „Hexe“ nach vier Tagen ihrer Fahrt durch das Albtal, über Straßburg, Nancy und Chaumont erreicht haben. Der Verkehr in der Metropole zur EM-Zeit sei mörderisch gewesen, so Wirth, der fünf Stunden gebraucht hat, um mit seinem Gefährt bis zum Eiffelturm durchzukommen. Im dicken Verkehr sei ihm ein Autofahrer auf sein Holzhäusle aufgefahren, das Malheur sei aber glimpflich ausgegangen, erzählt der gebürtige Rottenburger, der nach zehn Stunden die Stadt der Liebe wieder verlassen hat und über Evreux und Lisieux nach Le Havre weitergefahren ist.

Leute reagieren euphorisch auf Traktor und Häuschen

Die Leute, denen er auf der Reise begegnet ist, seien freundlich gewesen und hätten noch euphorischer auf ihn und sein Gefährt reagiert als bei seinen vergangenen Reisen nach Italien oder Korsika. An manchen Orten musste der Schellbronner seinen Traktor vorführen und in Neuchâtel mit einem Jungen gar eine Stadtrundfahrt machen. „Auf dem Campingplatz in Le Havre ist die Verwalterin ausgeflippt. Ich habe für den Stellplatz nichts bezahlen müssen“, schildert Wirth.
Ein Ritual war der morgendliche Start des Traktors. Zehn Minuten dauert es, bis der Glühkopf mit einer Glühlampe angeheizt ist und Wirth den Diesel-Zweitakt-Motor mit dem Lenkrad in Gang bringt. „Der Bulldog hat seine Tücken und bei bergigen Strecken ist fahrerisches Können gefragt“, weiß der ehemalige Testfahrer bei Daimler-Benz. Einzige Panne auf der Fahrt war ein Kabelbruch zwischen Häusle und Traktor. Wirth hat in einem Baumarkt nahe Le Havre eine neues Kabel gekauft und weiter ging die Reise.

Abstecher nach Lille zum EM-Spiel

Als er gehört hat, dass die deutsche Fußballnationalmannschaft in Lille ihr Achtelfinalspiel gegen die Slowakei bestreitet, hat er beschlossen, hinzufahren und tatsächlich Karten für das Spiel bekommen. „Die Stimmung im Stadion war einfach geil. So was habe ich noch nicht erlebt“, erzählt der Schellbronner. Die deutschen Fans seien mit Bussen angereist und haben nach dem 3:0-Sieg der Deutschen entsprechend gefeiert. Wirths Holzhäuschen, das auf einer Grünfläche vor dem Stadion abgestellt war, haben manche Fußballfans für eine Würstchenbude gehalten.

 

In Lille hat Hubert Wirth auf seiner Frankreich-Tour mit dem Traktor das Achtelfinalspiel Deutschland–Slowakei gesehen.
In Lille hat Hubert Wirth auf seiner Frankreich-Tour mit dem Traktor das Achtelfinalspiel Deutschland–Slowakei gesehen.

Der Abstecher nach Lille sei der Höhepunkt der Tour gewesen, lautet Würths Fazit seiner Reise. Beeindruckend seien aber auch die geschichtlich bedeutenden Orte in der Normandie gewesen. Dass es nicht reichen würde, nach Spanien und Portugal zu fahren, sei schon kurz hinter Paris klar gewesen. Nicht nur wegen des schlechten Wetters, sondern auch weil er gemerkt hat, dass er seinen Reiseplan zu voll gepackt hat und er es nicht schaffen würde, bis Ende August wieder zuhause zu sein, um als Kraftfahrer zu arbeiten. Also hat er die Tour abgekürzt und ist über Reims, Neuchâtel, Bern, Waldshut und den Schluchsee wieder in Richtung Schellbronn getuckert. „Man muss frei fahren können – ohne Druck und Zeitplan und eventuell so flexibel sein, vom Reiseplan abzuweichen“, weiß Wirth.

Nach Gibraltar soll es 2017 gehen

Seinen Traum, im Schritttempo beziehungsweise 20 Stundenkilometern nach Gibraltar zu fahren, hat Wirth nicht aufgegeben. Die Tour will er nächstes Jahr nachholen, aber vorher ein paar bauliche Veränderungen vornehmen: Sein 1 150 Tonnen schweres Holzhäusle, das Wirth in den vergangenen zehn Jahren begleitet hat, will der Schellbronner ersetzen und eine geschlossene Fahrerkabine auf seinen Traktor bauen. Dann machen Wirth und seiner „Hexe“ auch Regen und der kühle Fahrtwind nichts mehr aus.