Große Gewichte: Björn Bischoff will seine Kapazitäten weiter erhöhen. Der Sport, so sagt er, ist für ihn ein Kick.
Große Gewichte: Björn Bischoff will seine Kapazitäten weiter erhöhen. Der Sport, so sagt er, ist für ihn ein Kick. | Foto: Roth

Gewichtheben in Pforzheim

Abschalten an der Hantel

Sie sieht zwar nicht gerade aus, als ob der nächste Windstoß sie umpusten könnte, aber man kann schon erkennen, dass es sich um eine hübsche junge Frau handelt. Die 29-jährige Claudia Gösche steht vor der Trainingshalle des Sportclubs Pforzheim im Würmtal und grinst, als Trainer Matthias Haase sämtliche Vorurteile, Gewichtheberinnen betreffend, aufzählt: „Dicker Hals, dicke Beine, breites Kreuz … Wir kennen das schon“, winkt er ab.

Nach der Babypause wuchs die Motivation

Aber natürlich sind Frauen wie die junge Mühlackerin selten in dieser Sparte des Sports, die sowieso laut Haase eine „Randsportart“ ist und sich mit der Rekrutierung von Nachwuchs noch schwerer tut als andere. Umso stolzer ist Matthias Haase auf Frauen wie Claudia Gösche, die nach der „Babypause“ – Klein Anna-Lena wuselt beim Gespräch um ihre Beine – noch stärker und motivierter reißen und stoßen für die „Goldstadt Löwen“ als je zuvor. „62 im Reißen, 78 im Stoßen.“

Auf die Technik kommt es an: Claudia Gösche im Training beim SC Pforzheim. Sie ist eine von wenigen Frauen bei den Gewichthebern.
Auf die Technik kommt es an: Claudia Gösche im Training beim SC Pforzheim. Sie ist eine von wenigen Frauen bei den Gewichthebern. | Foto: Roth

Reißen? Stoßen? Die Zahlen sind die Kilogramm, die insgesamt an der Gewichtheber-Stange hängen, beim Reißen wird breiter gefasst und in einer Phase das „Päckchen“ nach oben gebracht; beim Stoßen wird umgesetzt an der Schulter und dann im Ausfallschritt nach oben gestemmt. Dass ihr Ziele ehrgeizig sind, das weiß die junge Sportlerin. Aber dann schaut die ehemalige CrossFit-Sportlerin doch verdutzt, als Trainer Haase ihr noch mehr beim Reißen zutraut. „Hätte ich jetzt anders gesehen“, sagt sie und lacht.
Sie ist schon froh, dass sie überhaupt dreimal pro Woche ins Studio und zweimal noch zum Gewichtheben kann mit ihrer kleinen Tochter. Zum Aufwärmen nimmt sie jedesmal den Besenstiel. Damit man in die Bewegung „reinläuft“. „Die Männer wärmen sich mit 45 Kilo auf“, sagt sie und es klingt ein bisschen neidisch, weil die Jungs gleich draufpacken können.

Frauen und Männer trainieren gemeinsam

Es stört sie aber nicht, dass die Pforzheimer Kollegin Kathrin Bochert derzeit verletzt ist und Claudia Gösche manchmal ganz allein unter Männern trainiert. Mit solchen wie dem 19-jährigen Pforzheimer Björn Bischoff, der ebenfalls dafür übt, seine Kapazitäten zu erhöhen – von derzeit 97 auf 120 Kilogramm beim Reißen und von 120 auf 150 Kilogramm beim Stoßen. Gösche und Bischoff werden überwiegend in der Landesliga eingesetzt, stehen aber als „Backup“ zur obersten Klasse bereit, in der der SCP seit dieser Saison hebt. Der erste Wettkampf in Durlach ging wie berichtet klar verloren. In einer Woche ist dann Heimpremiere in der Beletage, wenn es am Samstag (18 Uhr) gegen TB Roding geht.

Das Gewichtheben sei einfach ein „Kick“ für ihn, sagt Nachwuchshoffnung Bischoff. Dass man eine Mannschaft bildet, die gemeinsam Ziele erreichen will und trotzdem allein trainiert, das gefällt sowohl Claudia Gösche als auch Björn Bischoff, wie beide bestätigen. „Ich kann da abschalten, bei der Arbeit hab ich genug mit Menschen zu tun“, sagt Bischoff.