Gefährliche Fensterfront: Die denkmalgeschützte Glasfassade der Pforzheimer Goldschmiedeschule muss dringend mit Sicherheitsglas ausgerüstet werden, weiß Rektor Michael Kiefer.
Gefährliche Fensterfront: Die denkmalgeschützte Glasfassade der Pforzheimer Goldschmiedeschule muss dringend mit Sicherheitsglas ausgerüstet werden, weiß Rektor Michael Kiefer. | Foto: Ehmann

Der Brandschutz schlägt zu

Pforzheimer Goldschmiedeschule hat Sicherheitslücke

Pforzheim und die Sanierung seiner Schulen wird zur unendlichen Geschichte. Die Nordstadtschule gerade umfangreich um- und ausgebaut, die große Renovierung des Reuchlin-Gymnasiums vor der Brust, grätscht jetzt die Goldschmiedeschule derb in die Finanzplanungen des voll in den Haushaltsvorbereitungen steckenden Gemeinderates. Knapp 1,9 Millionen Euro tief ist das Finanzloch, das mangelhafter Brandschutz und ungesichertes Fensterglas der Schule an der Sankt-Georgen-Steige in den Etatentwurf reißt.

Wesentliche Mängel beim Brandschutz

Eigentlich wollte man nur das zur Ausbildung der Fachkräfte für die Traditionsindustrie unbedingt notwendige Galvanik-Labor in das aus den sechziger Jahren stammende Schulgebäude einbauen. Doch die Experten des städtischen Gebäudemanagements hatten angesichts des Alters des Schulhauses schon so eine Ahnung und schauten sich auch in den anderen Gebäudeteilen um.

Eine inzwischen in Auftrag gegebene detaillierte Untersuchung attestiert der Goldschmiedeschule „wesentliche Mängel im Bereich des vorbeugenden baulichen Brandschutzes“. Nötig ist dringend der Einbau von Brandschutztüren und die Installation einer Brandmeldeanlage „mit ständiger Aufschaltung zur Feuerwehrleitstelle“.

Elektroinstallation „potenziell gefährlich“

Als potenziell gefährlich, weil nicht mehr den aktuellen Sicherheitsvorschriften entsprechend, wird auch die Fensterfront der Schule eingestuft. Dort reicht das normale Fensterglas teilweise bis zum Boden. Doch inzwischen ist für solche Konstruktionen zwingend die Verwendung von Verbundsicherheitsglas vorgeschrieben.

So soll verhindert werden, dass Personen durch die Scheibe stürzen oder sich bei Glasbruch an scharfen Kanten verletzen. Für eine komplette Überarbeitung der denkmalgeschützten Fensterfront rechnet das Gebäudemanagement mit Kosten von rund 300 000 Euro.

Geländer: günstig aber hässlich

Deutlich günstiger, aber auch hässlicher wäre ein Geländer zur Absturzsicherung in Verbindung mit einer Splitterschutzfolie direkt auf den Scheiben. Ein Metallverschlag 20 Zentimeter vor der prägenden Fensterfront und Folie auf dem Glas hält Schulleiter Michael Kiefer für nicht erstrebenswert. „Wir feiern in knapp zwei Jahren unser großes Jubiläum mit vielen Veranstaltungen im Haus. Da wäre so ein Geländer sicherlich nicht das Passende.“

Generalsanierung ohnehin unausweichlich

Geländer und Folie kosten nach amtlichen Schätzungen rund 62 000 Euro, ein Austausch der Verglasung knapp das Dreifache. Die vorgeschlagene „Komplettüberarbeitung“ kostet den Kämmerer die genannten 300 000 Euro.

Allerdings, so das Gebäudemanagement, könnte eine solchermaßen aufwendig renovierte Glasfassade auch nach einer in der Zukunft sicherlich notwendigen Generalsanierung des Gebäudes erhalten bleiben.

„Strafrechtliche Verantwortung nicht ausgeschlossen“

Dringend ersetzt werden muss wohl auch die Durchsageanlage, mit der der Schulleiter die einzelnen Klassenzimmer erreicht. Die installierte sogenannte elektroakustische Anlage ist so alt, dass kaum noch Ersatzteile zu bekommen sind. Auch deshalb rät das Amt zur Kompletterneuerung. Kosten: 170 000 Euro. Richtig ernst klingt die Beurteilung der Leitungen, Steckdosen, Lichtschalter und Schaltschränke.

Das Prüfergebnis durch einen Sachverständigen habe ergeben, dass „in einem Schadensfall, unter Umständen mit Personenschäden, eine strafrechtliche Verantwortlichkeit der Stadt nicht ausgeschlossen“ werden könne. Für rund 250 000 Euro könnte man zumindest einen Teil der Elektroanlage erneuern.

Wenn der Gemeinderat das Geld am 20. Dezember freigibt, könnten die Arbeiten im Mai nächsten Jahres aufgenommen und im Spätjahr abgeschlossen werden – immer noch rechtzeitig zum großen Fest 2018 , wenn die Goldschmiedeschule als älteste Gewerbeschule der Welt ihren 250 Geburtstag feiert