Genossen im Fokus: Die "genössliche Schlammschlacht", die sich zwei Funktionäre der SPD in Pforzheim und dem Enzkreis lieferten, ist ausgestanden.
Genossen im Fokus: Die "genössliche Schlammschlacht", die sich zwei Funktionäre der SPD in Pforzheim und dem Enzkreis lieferten, ist ausgestanden. | Foto: dpa

Prozess um wüste Beleidigung

Pforzheimer Streit-Genossen schließen Vergleich

Die Kuh ist vom Eis – könnte man sagen, wenn nicht schon die Erwähnung des im Zwischenmenschlichen oftmals despektierlich verwandten Großviehs im Zusammenhang mit der Pforzheimer SPD mitten in den Konflikt hineinführen würde.
Also sachlicher: Der Streit um Beleidigungen, die man in dieser frauenfeindlichen Ausprägung allenfalls im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf vermuten würde, zwischen Patricia Pfisterer, Vorstandsmitglied der Pforzheimer SPD und ehemalige Vorsitzende des Jugendgemeinderates, und dem Vorsitzenden der Enzkreis-SPD, Nils Nonnenmacher, ist ausgestanden.

Die Kuh ist vom Eis

Wie bereits berichtet, wirft Pfisterer dem SPD-Vorsitzenden des Enzkreises vor, sie mehrfach und äußerst rüde beleidigt zu haben. Nonnenmacher seinerseits streitet alle Beleidigungen ab, wirft seiner Parteigenossin üble Nachrede vor und zieht überdies in Zweifel, dass die Bezeichnung „Kesselfrieda“ überhaupt beleidigenden Charakter habe. Jetzt zahlt Nonnenmacher, des lieben Friedens willen, 250 Euro an Pfisterer und die begleicht damit ihren Teil der inzwischen angefallenen Gerichtskosten.

Nonnenmacher zahlt Schmerzensgeld

Als sich die beiden Sozialdemokraten gestern vor dem Amtsrichter einigten, ging es ganz sicher nicht um eine Versöhnung. Vielmehr stand der einhellige aber beileibe nicht gemeinsame Wunsch im Mittelpunkt, die leidige und für alle Beteiligten peinliche Angelegenheit zu beenden. Schon im vergangenen Juni vor dem Karlsruher Landgericht hatte die Sozialdemokratie das Bild eines wenn nicht intriganten, so doch wenigstens liebeskranken Zirkels pubertierender Genossen geboten.
Damals wurde Nonnenmachers Gegenklage verhandelt, mit der er auf den juristischen Vorstoß Pfisterers reagiert hatte. Nonnenmacher zog diese Klage vor dem Landgericht wieder zurück – ob aus Furcht vor einer Niederlage oder „um Schaden von der Partei zu wenden“, bleibt dahingestellt.

Richter: „SPD hatte den größten Schaden“

Gestern nun, als Pfisterers Ursprungsklage verhandelt wurde, ging es erneut um den Schaden, den Pforzheims Kabale und Liebe einer 153 Jahre alten Partei zufügen kann.
Einmal schien es fast, als könne die SPD zumindest finanziell gestärkt aus der Affäre hervorgehen. Als Pfisterers Rechtsanwalt, Pforzheims stellvertretender Parteivorsitzender Christoph Mährlein, andeutete, er könne sich ein Ende des Verfahrens vorstellen, spende Nonnenmacher nur 250 Euro an die SPD. „Die hatte ja auch den größten Schaden“, fügte ein um Versöhnung bemühter Amtsrichter hinzu.
Doch nach Rücksprache mit seiner Mandantin machte Mährlein einen Rückzieher. Das Schmerzensgeld soll nicht an die Partei, sondern direkt an seine Mandantin bezahlt werden. Die, so Mährlein, solle nach dem ganzen Ärger, nicht auch noch draufzahlen.

Pfisterer kehrt Politik den Rücken

Ob die Formulierung „zur Erledigung des Rechtsstreits“ im Vergleich ein Schuldeingeständnis Nonnenmachers beinhaltet, bleibt auch nach dem Friedensschluss umstritten. Patricia Pfisterer hat endgültig genug. Sie kehrt der Politik den Rücken.

 

Unsere Berichterstattung zum ersten Prozess: