Auf dem Platz bei St. Stephan können Patrick Neigert (auf der Leiter) und Wolfgang Gebert (stehend) ihre verkleinerte Pizzabäckerei aufbauen. Die Standfläche stellte ihnen der Gastronom der „Alten Bank“ zur Verfügung.
Auf dem Platz bei St. Stephan können Patrick Neigert (auf der Leiter) und Wolfgang Gebert (stehend) ihre verkleinerte Pizzabäckerei aufbauen. Die Standfläche stellte ihnen der Gastronom der „Alten Bank“ zur Verfügung. | Foto: jodo

Gericht gibt der Stadt Recht

Pizzabäckerei Gebert bekommt „Asyl“

Von Weihnachtsfrieden kann keine Rede sein. Trotzdem spricht aus Patrick Neigert eine gewisse Erleichterung. Der Mitbetreiber der Pizzabäckerei Gebert steht gestern Vormittag auf dem Kirchplatz St. Stephan und dekoriert seinen Stand. Nach der Absage für den Christkindlesmarkt auf dem Friedrichsplatz (die BNN berichteten) hat die Pizzabäckerei nun doch noch einen Standplatz bekommen – vor dem Lokal „Alte Bank“ in der Herrenstraße. Bereits am Vortag hatte ein BNN-Leser einen Pizzastand auf dem Platz entdeckt und sich gewundert. Doch es ist nicht ein neuer Betreiber wie zunächst vermutet wurde, sondern der Karlsruher Traditionsstand Gebert.

„Asyl“ bei der „Alten Bank“

„Ich dachte mir, fragen kostet nichts – und habe bei den Betreibern der Alten Bank angefragt“, sagt der engagierte Pizzabäcker Neigert. Über die Zusage ist er froh: „Es ist zwar nicht der Hauptweihnachtsmarkt, aber es ist besser als gar nichts.“ Bei Rolf Gebert ist die Skepsis dennoch groß. „Der Platz ist nicht vergleichbar mit dem Platz auf dem Christkindlesmarkt. Und man darf eines nie unterschätzen: Die Leute wollen ihre gewohnte Atmosphäre“, so Gebert. Das habe ihn die über 40-jährige Geschäftserfahrung gelehrt.

Wir hatten noch Platz, also haben wir ihn der Pizzabäckerei angeboten“

Wo sich während der Saison der Biergarten der Alten Bank befindet, hat der Mitinhaber des Cafés, Harald Dietrich, eine kleine weihnachtliche Budenstadt platziert. Ab Donnerstag, wenn sich Karlsruhe offiziell als Weihnachtsstadt präsentiert, werden dort Glühwein, Bratwurst, Pulled Pork – und jetzt auch Pizza serviert. „Wir hatten noch Platz, also haben wir ihn der Pizzabäckerei angeboten“, bestätigt Harald Dietrich auf BNN-Anfrage. Vor vier Jahren fing es mit einer Hütte an, in diesem Jahr sind es sechs weihnachtliche Buden, die sich den Platz bei der Kirche St. Stephan mit dem „Kinderland“ teilen.
Das Märchendorf wird von dem Schausteller Willy Krusig und seiner Firma Orga Log GmbH betrieben. Auf dem benachbarten Christkindlesmarkt gehört Krusig zudem die Glühweinpyramide.

Absage für Kinderkarussell

Unterdessen macht Anton Schubert seinem Ärger Luft. Auch dieser alteingesessene Karlsruher Schausteller darf sein Kinderkarussell nicht mehr am Friedrichsplatz aufstellen. Laut dem Marktamt gebe dieses „kein weihnachtliches Bild ab“. Die Absage habe ihn aus heiterem Himmel getroffen.
„Man hätte uns ansprechen können – wir hätten das Karussell auch anders dekorieren können“, sagt Schubert. Als der Christkindlesmarkt auf den Friedrichsplatz umzog, habe das Marktamt ihm auch gesagt, sein Karussell sei zu groß. „Also habe ich ein neues, ein kleineres gekauft“, berichtet Schubert, der das jetzige Vorgehen des Marktamtes überhaupt nicht verstehen kann. „In meiner Heimatstadt so hintergangen zu werden…“ Es seien die Karlsruher Schausteller gewesen, die den Christkindlesmarkt ins Leben gerufen haben und auch durch schlechte Jahre gegangen sind – „und es waren nicht die Metzger und nicht die Winzer, die jetzt von der Stadt bevorzugt werden“, ärgert sich Schubert.

Sorge bei Beschickern

Mit großem Unverständnis und zugleich großer Sorge reagieren auch Schausteller, die nicht von den Absagen betroffen sind. „Das Vorgehen der Stadt hat für Verunsicherung unter den Beschickern gesorgt. Die Sorge, wen es im nächsten Jahr treffen könnte, ist groß“, heißt es gegenüber den BNN.

Stadt ist erleichtert über die Entscheidung des Gerichts

Wie die Stadt gestern Nachmittag mitteilte, hat der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg die Beschwerde eines Marktbeschickers zurückgewiesen und damit den Beschluss des Verwaltungsgerichts Karlsruhe endgültig bestätigt. „Wir sind erleichtert über die Entscheidung“, betont Bürgermeisterin Gabriele Luczak-Schwarz in einer ersten Reaktion. Zwar liege die genaue Begründung des Gerichts noch nicht vor, der Beschluss bestätige aber den von der Stadt in diesem Jahr eingeschlagenen Weg bei der Vergabe der Standplätze auf dem Christkindlesmarkt, so Luczak-Schwarz. Kurz vor Eröffnung des Christkindlesmarkts sei dies ein wichtiges Signal. Sie verstehe die Enttäuschung derer, die bei der Standplatzvergabe nicht berücksichtigt wurden.
Intention der neuen Richtlinie sei, einen Christkindlesmarkt mit größtmöglicher Attraktivität mit besonderer Ausrichtung auf das Weihnachtsfest zu gestalten. Hierzu solle ein vielseitiges, umfassendes und ausgewogenes Warensortiment, das üblicherweise zum traditionellen Charakter des Christkindlesmarktes gehört, angeboten werden – heißt es in der Mitteilung an die Presse.

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