Kein weiteres Windrad auf der Hornisgrinde. Die bestehende Anlage (Bild) wird wohl die einzige bleiben. Stattdessen gibt es Pläne für eine Gaststätte auf dem Acherner Hausberg.
Kein weiteres Windrad auf der Hornisgrinde. Die bestehende Anlage (Bild) wird wohl die einzige bleiben. Stattdessen gibt es Pläne für eine Gaststätte auf dem Acherner Hausberg. | Foto: Dominic Körner

Weichen in Seebach gestellt

Pläne für neues „Grinde-Hotel“ weiter aktuell

Von Berthold Gallinat
Eine weitreichende Entscheidung trafen die Waldgenossen der Waldgenossenschaft Seebach in  ihrer Mitgliederversammlung. Sie wollen die Pläne zum Wiederaufbau des Gasthauses auf der Hornisgrinde weiter verfolgen. Die Waldgenossen gehen von Anfangsinvestitionen in Höhe von rund 1,5 Millionen Euro aus. Aus diesem Grund sprechen sie sich dagegen aus, durch die Übernahme einer Baulast die Voraussetzungen für den Bau eines zweiten Windrads auf der Hornisgrinde zu schaffen. In diesem Falle nämlich hätte das Gasthaus jeweils um 22 Uhr schließen müssen.

Planungen laufen seit Jahren

Seit mehreren Jahren, so wurde in der Mitgliederversammlung deutlich, befasst sich die Waldgenossenschaft mit dem Wiederaufbau des Gasthauses auf der Hornisgrinde unterhalb des Aussichtsturmes. Das ursprüngliche Gasthaus war von Josef und Franz Maier auf dem Grund und Boden der Waldgenossenschaft Seebach 1912 gebaut worden und hieß im Volksmund schlicht „Grinde-Hotel“. Es war sehr beliebt und hatte neben den Gasträumen Schlafsäle in verschiedenen Größenordnungen sowie Doppel- und Vierbettzimmer.

Militär beschlagnahmte  „Grinde-Hotel“

1936 wurde es erweitert, aber zum Ende des Zweiten Weltkriegs beschlagnahmte das französische Militär die Hornisgrinde mit Turm und Gasthaus. Wenige Tage nach der Besatzung brannte das Gasthaus teilweise bis auf die Kellerdecke nieder. Das Gebäude wurde um ein Stockwerk gekappt, zu einem rechteckigen Bau mit einem flach geneigten Dach umgebaut und diente als Kommandozentrale des französischen Militärs.

Brand im Mummelseehotel bremste Pläne

Nach dem Abzug des Militärs 1999 kauften die Waldgenossen ihr Gelände sowie Turm und Gebäude mit Unterstützung der Gemeinde wieder zurück und sicherten sich durch mehrere Bauvoranfragen die Möglichkeit zum Wiederaufbau des Gasthauses. Angesichts der Investitionen in das Berghotel Mummelsee, das im Mai 2008 niedergebrannt war und bekanntlich wieder aufgebaut wurde, hielten die Waldgenossen jedoch das Bauvorhaben zurück. In den kommenden zwei Jahren wollen sie den Wiederaufbau nun aber angehen, für die Realisierung des ersten Bauabschnitts gehen die Waldgenossen von 1,5 Millionen Euro Investition aus, rund 200 000 Euro wurden bis jetzt in die Planung investiert.

Windrad statt Kinderseilbahn?

In der Mitgliederversammlung  konfrontierte Verwaltungsratsvorsitzender Markus Huber die Waldgenossen nun mit dem Vorhaben der Griebl KG und des E-Werks Mittelbaden, auf der Hornisgrinde ein zweites Windrad mit 74 Metern Nabenhöhe zu bauen und zwar dort, wo derzeit die Kinderseilbahn ist. Dafür, so Markus Huber, müssten die Waldgenossen eine Baulast übernehmen, weil an dieser Stelle der Mindestabstand zur Bebauung deutlich unterschritten wäre mit 300 statt auf 700 Meter. Für ein Gasthaus hieße das, dass es aus emissions- und immissionsrechtlichen Gründen um 22 Uhr schließen müsste.

Neben dem Turm stand einst das "Grinde-Hotel", bis es nach dem zweiten Weltkrieg abbrannte.
Neben dem Turm stand einst das „Grinde-Hotel“, bis es nach dem zweiten Weltkrieg abbrannte. | Foto: Berthold Gallinat

Die Griebl KG stellt der Waldgenossenschaft im Gegenzug eine Pacht von 12 000 Euro Jahr sowie eine einmalige Zahlung von je 100 000 Euro als Kostenentschädigung und für einen Umweltausgleich in Aussicht. Die Pacht würde nach sechs Betriebsjahren auf 14 000 bis 15 000 Euro angehoben werden.
Markus Huber forderte die Waldgenossen auf, zu entscheiden, ob man auf das Angebot eingehen wolle, vermittelte aber auch als deutliche Position des Verwaltungsrats: „Es kann nicht sein, dass wir eine gewaltige Summe in ein Projekt für Freizeit und Tourismus investieren und dann ist um 22 Uhr Schluss der Veranstaltung“. Es wurde intensiv diskutiert und es gab auch Verständnis für Windkraft, aber zuletzt wurde die Offerte der Griebl KG und des E-Werks Mittelbaden einstimmig abgelehnt.

Auch Gemeinde auf Distanz

Aus dem Gemeinderat berichtete Bürgermeister Reinhard Schmälzle, dass keine Zustimmung zum Bau des Windrades zu erwarten ist. „Wir haben gekämpft, um auf der Hornisgrinde ein Sondergebiet ausgewiesen zu bekommen, eine Zustimmung zum Bau des gewünschten Windrads würde das alles zunichtemachen.“ Nicht zuletzt befürchtete Reinhard Schmälzle auch, dass am Ende das Windrad 200 Meter hoch sein müsste, weil ein Windrad von nur 74 Metern Nabenhöhe den Funkverkehr stören könnte.