Grenzüberschreitend Arbeitet die Praxis für Suchtmedizin in Kehl. Nach Auslaufen der Förderung durch den Eurodistrikt muss der Ortenaukreis kräftig zuschießen. Es gibt zu wenig Klienten.
Grenzüberschreitend Arbeitet die Praxis für Suchtmedizin in Kehl. Nach Auslaufen der Förderung durch den Eurodistrikt muss der Ortenaukreis kräftig zuschießen. Es gibt zu wenig Klienten. | Foto: Frank Leonhardt

Höherer Zuschuss nach Kehl

Praxis für Suchtmedizin hinter Erwartungen

Von Christine Storck
Ein Modellprojekt kommt nicht richtig in die Gänge: Von Experten hoch gelobt, aber dennoch defizitär ist die 2013 gemeinsam mit zahlreichen Kooperationspartnern gegründete grenzüberschreitende Praxis für Suchtmedizin in Kehl. Deshalb hat sich der Sozialausschuss des Offenburger Kreistags jetzt dafür ausgesprochen, 2016 bis 2018 rund 70000 Euro zusätzlich zur Verfügung zu stellen. Die 2013 beschlossene Anschubfinanzierung von rund 6 000 Euro jährlich soll bis einschließlich 2017 weiterlaufen. Es ist ein reiner Defizitausgleich, erklärte Landrat Frank Scherer. „Die einzige Alternative wäre, es nicht zu tun“, meinte er.

Patientenzahl geringer als erwartet

Trotz vielfältiger Bemühungen sei es 2015 nicht gelungen, die angestrebte Zahl von 90 Patienten zu erreichen, was in der Folge ein Minus von rund 41 000 Euro nach sich zog. Die Prognose bis 2019 sieht nicht viel besser aus: Für 2016 werde mit 53 000 Euro weiterer Verbindlichkeiten gerechnet, für 2017 sogar mit 58 000 Euro. Eigentlich war geplant, bis 2017 rund 120 Patienten zu versorgen, um eine wirtschaftliche Eigenständigkeit zu erlangen, doch das bleibe vermutlich utopisch.

Schwarzmarkt in Straßburg unterschätzt

Die Gründe sind vielfältig: So haben laut Kreisverwaltung mehrere in der Ortenau substituierende Ärzte die Behandlung (noch) nicht eingestellt. Zudem sei die Bedeutung des Schwarzmarktes in Straßburg unterschätzt worden.

Grenzüberschreitende Akquise geplant

Ein neuer Psychiater schaffe allerdings Abrechnungsmöglichkeiten für zusätzliche psychiatrische Leistungen, meldete Ullrich Böttinger, Leiter des Amtes für Soziale und Psychologische Dienste. Eine grenzüberschreitende Akquise von Patienten soll helfen. Spätestens 2020 könnte die Wirtschaftlichkeit der Praxis voraussichtlich erreicht werden. 2012 hatte der Kreis eine Anschubfinanzierung für vier Jahre beschlossen. Weitere Partner waren die Stadt Kehl und der Eurodistrikt, der die Aufbauarbeit für die ersten drei Jahre bis September 2016 mit knapp 150 000 Euro unterstützt hat, dies aber nun aufgrund seiner Förderrichtlinien nicht mehr fortführen kann. Ansprechpartner für Süchtige ist unter anderem die Drogenberatung in Kehl und Offenburg.