Platz für 92 Menschen bietet die neu errichtete Flüchtlingsunterkunft in Achern, die der Ortenaukreis langfristig angemietet hat
Platz für 92 Menschen bietet die neu errichtete Flüchtlingsunterkunft in Achern, die der Ortenaukreis langfristig angemietet hat | Foto: Michaela Gabriel

Sieben Quadratmeter pro Person

Neues Flüchtlingsheim geht in Achern in Betrieb

Von Michaela Gabriel
„Es ist schön hier“, sagt Samiula Afshary aus Afghanistan. In der kommenden Woche wird er mit seiner Frau und zwei Kindern aus einem kleinen Zimmer in der  Kirchstraße in die gerade fertiggestellte Unterkunft in der Straße Alter Bahnhof in Achern umziehen. Mehr als 50 Interessierte nutzten jetzt die Gelegenheit zur Besichtigung der Räume.

39 Schlafräume auf zwei Stockwerken

Hier gibt es großzügige Familienzimmer und insgesamt 39 Schlafräume auf zwei Stockwerken – für jeden Flüchtling sieben Quadratmeter Platz. Vor dem Haus ist ein kleiner Kinderspielplatz, außerdem Raum zum Abstellen von Fahrrädern und Kinderwagen. Im Eingangsbereich liegt ein Büro, das Heimleiterin Alexandra Storz und Sozialarbeiter Wolfgang Weber nutzen können, wenn sie vor Ort sind. Für Angebote von ehrenamtlichen Helfern steht ein großer Gemeinschaftsraum mit Tischen und Stühlen bereit. Elektroherde, Waschmaschinen, Duschen und Toiletten werden gemeinsam genutzt. Jeder Schlafraum ist mit Stockbetten, Tisch, Stühlen und schmalen Blechschränken sowie einer automatischen Lüftung ausgestattet. Der Boden ist aus Kunststoff mit der Anmutung von Holzdielen. Alle Wände sind weiß gestrichen.

Viele Interessierte aus Achern und Umgebung gingen durch die Wohnräume, die Flüchtlingen in dem neuen Gebäude angeboten werden.
Viele Interessierte aus Achern und Umgebung gingen durch die Wohnräume, die Flüchtlingen in dem neuen Gebäude angeboten werden. | Foto: Michaela Gabriel

Langfristig angemietet

92 Menschen sollen nach und nach in das Haus aufgenommen werden, das der Ortenaukreis langfristig von einer Investorengesellschaft angemietet hat. Das erklärte Dezernent Michael Loritz vom Landratsamt Ortenaukreis. Bis Ende November wird der Kreis auf diese Art die vorläufige Unterbringung von Flüchtlingen in dem alten Haus in der Kirchstraße 21 aufgeben. Außerdem räumt er die Unterkunft St. Pirmin in Sasbach. Die Belegung der Container in der Güterhallenstraße in Achern soll gesenkt werden und auch aus der Unterkunft in der Hornisgrindestraße werden fünf Personen umziehen.
„Private Möbel und Teppiche sind nicht erlaubt“ steht auf mehreren Schildern. Rot durchkreuzte Fotos von einem Holzschrank und Holzbett sollen dies verdeutlichen. „Das ist natürlich hart für Menschen, die gern auf ihren Teppichen sitzen und da auch essen“, bemerkt eine ehrenamtliche Helferin. Tatsächlich gebe es einige Flüchtlinge, die nicht in den bereitgestellten Stahlbetten mit Gitterrosten, sondern lieber auf dem Boden schlafen, weiß Monika Huber vom Arbeitskreis Migration Achern. „Es ist ohne Zweifel ein schönes Gebäude“, sagte ein Besucherin. Dass Menschen so leben müssen, mache sie dennoch betroffen.
„Achern hat uns in dankenswerter Weise geholfen“, so Michael Loritz über die Zeit, in der so viele Menschen nach Deutschland kamen und schnell untergebracht werden mussten. Sein Dank gelte auch den vielen ehrenamtlich engagierten Menschen: „Es ging nur, weil alle gut zusammengearbeitet haben.“ Die Auslastung der vorhandenen Plätze in Achern liege derzeit bei 68 Prozent, im gesamten Ortenaukreis bei 70 Prozent.

„Herausforderung angepackt“

„Ich war positiv berührt, wie diese Herausforderung in unserer Stadt angepackt worden ist“, sagte Oberbürgermeister Klaus Muttach. Strukturen aufzubauen sei eine gewaltige Herausforderung gewesen. Sie sei nur mit der Hilfe von vielen Menschen guten Willens gelungen. Dies zeuge von Menschlichkeit und mache ihn froh und stolz. Die neue Flüchtlingsunterkunft Alter Bahnhof biete zwar keine 1a-Wohnlage, sei aber „gut zu vertreten.“