Apfelbaum
Hält ein Schild die Diebe ab? Wie jüngst in Bischweier werden Jahr für Jahr von etlichen Obstbäumen die Früchte gestohlen. Die Eigentümer können nur wenig dagegen tun. | Foto: Collet

Baum über Nacht geplündert

Apfeldiebe in Bischweier

Lotte Drewitz ärgert sich: Unbekannte haben einen der Apfelbäume der 84-Jährigen über Nacht komplett geplündert. Eigentlich heißt Lotte Drewitz anders, aber ihren richtigen Namen will sie lieber nicht in der Zeitung lesen. Sie fürchtet, dass die, die ihren Baum leergeräumt haben, vielleicht auch anderes im Schilde führen könnten. Denn barsches Verhalten von Unbekannten, die sich manchmal entlang der Obstwiesen blicken ließen, habe sie schon mehrfach erlebt.
Bestimmt vier bis fünf Kisten zu je zehn Kilogramm müssen nach Einschätzung von Lotte Drewitz am Baum gehangen haben. Eigentlich sollten die Äpfel zu Saft verarbeitet werden, bald 30 Flaschen voll wären aus dieser Menge zu machen gewesen. Auf dem Grundstück, das von Kuppenheim her kommend direkt am Zubringer gelegen ist, war dieser Apfelbaum in diesem Jahr ohnehin der einzige, der Früchte trug. „Die anderen Bäume haben gar nicht getragen, da ist es umso ärgerlicher, dass die Diebe dann dieses bisschen auch noch weggeklaut haben“, sagt sie. Sie vermutet, dass „die Diebe kommen, wenn’s dunkel ist, oder eben morgens in aller Herrgottsfrühe.“
Schon letztes Jahr wurde genau derselbe Baum von Unbekannten total abgeerntet. Dass die Apfelsorte, um die es geht, ausgerechnet „Polizeiapfel“ heißt, ist da fast schon Ironie des Schicksals, denn die Polizei muss sich jetzt mit dem Fall befassen. Lotte Drewitz hat Anzeige erstattet. Wenngleich ihr die Beamten kaum Hoffnung machen konnten, dass die Obstdiebe gefasst werden.
„Aus polizeilicher Sicht ist der Deliktsbereich Obstdiebstähle nur von sehr geringer Relevanz“, erklärt Wolfgang Drescher vom Polizeipräsidium Offenburg. „Im laufenden Jahr wurde bei uns bisher lediglich der eine Fall aus Willstätt mit den fünf Kisten entwendeter Äpfeln angezeigt. Im Vorjahr war es der Fall eines abgeernteten Erdbeerfeldes im Raum Oberkirch.“ Aber: Mit Sicherheit sei die Dunkelziffer enorm hoch. Nahezu jeder Landwirt beklage Verluste – zeige diese aber nicht an. „Die Landwirte leben mit dem Phänomen des Schwundes durch Diebstähle.“
Natürlich sei anzunehmen, dass bei Diebstählen im großen Stil die Täter mit einem entsprechenden Fahrzeug vorfahren. Aber Drescher hebt hervor: „Meistens sind ganz normale Spaziergänger, Wanderer, Fahrradfahrer, Ausflügler – quasi ,Otto Normalverbraucher‘ – diejenigen, die durch ihre hohe Anzahl in der Regel die höchsten Diebstahlsschäden verursachen.“ Begründet sieht Drescher das im fehlenden Unrechtsbewusstsein. „Ein schöner Pflaumenbaum mit reifen Früchten am Wegesrand ist deshalb oft in wenigen Tagen zumindest im Bereich der unteren drei Meter abgeerntet, sofern er an einer beliebten Strecke steht, denn jeder greift da mal zu ,um zu probieren‘ oder ,zu naschen‘. Kaum jemand hat dabei auch nur den Anflug eines schlechten Gewissens.“
Schützen könne man seine Äpfel auf der Streuobstwiese kaum. „Wachdienst? Zu teuer und außer Verhältnis zum möglichen Erlös aus einer Apfelplantage.“ Und Mangels Zeugenhinweisen werden die Täter nur selten geschnappt. „Kaum jemand meldet der Polizei einmal eine entsprechende Beobachtung. Des Öfteren berichten aber Landwirte, die selbst Spaziergänger beim Obstdiebstahl ertappen und ansprechen, dass sie dann sogar noch dumm angemacht werden. Wie gesagt: fehlendes Unrechtsbewusstsein!“
So empfindet es auch Lotte Drewitz. Manche Leute hätten wohl auch kein Gefühl dafür, dass man sich ja um die Apfelbäume auch kümmern müsse, vermutet die 84-Jährige. „Da hört man dann manchmal so Sätze wie: Der Herrgott lässt’s für alle wachsen! Oder: Die wachsen doch von alleine, da hat doch niemand Arbeit damit.“ Das ärgert die Seniorin. Jetzt hat sie einen Zettel geschrieben, für den zweiten Apfelbaum, der auf einer anderen Wiese steht – an dem hängen nämlich auch noch ein paar Früchte, aber einige seien auch da inzwischen schon weggekommen. „Ich hab geschrieben, dass die Äpfel vom Besitzer geerntet werden. Ob’s was hilft, werden wir sehen.“