Die vier evangelischen Pfarrer von Rastatt wollen mehr Leute in die Gottesdienste bekommen.
Die vier evangelischen Pfarrer von Rastatt wollen mehr Leute in die Gottesdienste bekommen. | Foto: Holbein

Pilotaktion in Rastatt

„Back To Church“

Von Martina Holbein

Die Protestanten wollen wieder mehr Menschen in ihre Gottesdienste bekommen. Dafür wird in Rastatt nun die Aktion „Back To Church“ gestartet, die am ersten Adventsonntag in allen vier evangelischen Gemeinden erstmals in der Region angeboten wird. „Wir zählen damit zu den Pilotregionen in Deutschland“, sagte Pfarrer Wenz Wacker von der Johannesgemeinde. Er sei der Ideengeber für dieses Projekt, so seine drei Amtskollegen Gerd Stauch (Michaelsgemeinde), Albrecht Berbig (Petrusgemeinde) und Ulrich Zimmermann (Thomasgemeinde). Das Projekt war als Zielvereinbarung bei der Visitation festgeschrieben worden.

Aktion kommt aus England

Der „Back-To-Church“-Sonntag kommt aus England. In Manchester hatte ein Pastor 2003 den Gedanken, treue Gottesdienstbesucher aufzufordern, mindestens einen neuen Besucher zum Gottesdienst mitzubringen. In Deutschland wurde dieser „BTC“-Sonntag bereits in Ostfriesland und im Ruhrgebiet getestet. Als Pfarrer Wacker, der bei einem Wochenende des Ältestenkreises damit in Berührung kam, die Idee während eines Pfarrerdienstgespräches im Frühjahr dieses Jahres seinen Amtskollegen vorstellte, fanden sie diese charmant. Denn sie ist relativ leicht zu verwirklichen. Vorbereitungen gab und gibt es natürlich dennoch in jeder einzelnen Gemeinde: So wurden die Ältestenkreise informiert und ihr Placet eingeholt. Danach suchten die Pfarrer das Gespräch mit den Gottesdienstbesuchern, von denen jeder Einzelne ja gefragt ist, denn er soll Nachbarn oder Freunde ansprechen und einladen, den Gottesdienst zu besuchen, Kirchenferne oder solche, die früher der Kirche näherstanden und irgendwann einmal den Kontakt verlorene haben.

Christen sollen wieder zu ihrem Glauben stehen

„Meiner Frau kam spontan die Idee, im Neubaugebiet bei der Petruskirche bei den Anwohnern zu klingeln und sie einzuladen“, erzählt Pfarrer Berbig. Pfarrer Zimmermann will gezielt E-Mail-Kontakte einsetzen. Auch Menschen, die aus der Kirche ausgetreten sind, sollen gezielt angesprochen werden. Für die Gottesdienste überlegt sich jeder Pfarrer einen besonderen Ablauf. Einig sind sie sich darin, dass es ein niederschwelliges Angebot sein soll, deshalb wird auf das traditionelle Abendmahl am ersten Adventssonntag verzichtet: „Wir wollen den Gottesdienst leichter zugänglich machen“.
Pfarrer Wacker wird denen, die einladen, den Predigttext als Basis für die Gespräche in die Hand geben, Pfarrer Stauch hat an diesem Sonntag die Kinder der Schülerhorte zu Gast, die den Gottesdienst mitgestalten und Pfarrer Berbig will das Thema „Warten und Ankunft“ auch visuell aufnehmen. Alle werden nach dem Gottesdienst einen „erweiterten“ Kirchenkaffee anbieten, um Gespräche zu ermöglichen.
„Wir als Christen sollten in der zunehmenden Säkularisierung unseren Glauben mutig in der Öffentlichkeit vertreten. Denn nicht die Muslime, die zu uns kommen, sind das Problem, sondern die Christen, die nicht klar zu ihrem Glauben stehen“, so die Pfarrer. So ein „BTC“-Sonntag habe auch für die Gemeinden eine neue Qualität, denn normalerweise sei in Deutschland der Glaube etwas Privates. Die Pfarrer sind auf die Resonanz gespannt, die Ergebnisse werden ausgewertet.