Im Busch unterwegs: Drei Tage lang war Lea Oestreicher mit sieben anderen Touristen und zwei ausgebildeten Rangern unterwegs, um den Tieren ganz nahe zu kommen.
Im Busch unterwegs: Drei Tage lang war Lea Oestreicher mit sieben anderen Touristen und zwei ausgebildeten Rangern unterwegs, um den Tieren ganz nahe zu kommen. | Foto: Oestreicher

Unterwegs im Nationalpark

Den wilden Tieren so richtig nahe

Die Ötigheimerin Lea Oestreicher war im vergangenen November Praktikantin bei den BNN. Nach ihrem Abitur ist die junge Frau für ein Jahr als Freiwillige nach Südafrika gegangen, wo sie im Tlholego Ökodorf arbeitet. Von ihren Erlebnissen berichtet die Abiturientin in loser Folge in den Badischen Neuesten Nachrichten. Heute geht es um den Krüger Nationalpark.

Erster Urlaub seit Monaten

Die letzten beiden Wochen hatte ich das erste Mal Urlaub, seit ich in Südafrika bin. Die Zeit habe ich natürlich genutzt, um mehr vom Land zu sehen als nur mein kleines Dörflein.
Unter anderem war ich im Krüger Nationalpark. Der befindet sich im Nordosten Südafrikas, direkt an der Grenze zu Simbabwe und Mosambik und ist das größte Wildschutzgebiet von vielen im Land. Mit 20 000 Quadratkilometern ist es etwa halb so groß wie die Niederlande. Im Park leben alle Tiere, die man sich vorstellt, wenn man an Afrika denkt. Dazu gehören die „Big Five“: Leopard, Löwe, Büffel, Elefant und Nashorn. Nicht weil es fünf große Tierarten sind, haben sie ihren Namen bekommen, sondern weil es die Tiere sind, die am schwierigsten zu jagen sind. Außerdem gibt es natürlich noch Zebras, Giraffen, dutzende Antilopenarten, Geparde, Nilpferde, Krokodile, Warzenschweine, Affen, etliche Vogelarten und noch viele mehr.

Mit Tempo 50 über die Piste

Als normaler Tourist fährt man mit dem Auto durch den Park (Höchstgeschwindigkeit ist 50 Stundenkilometer) und kann so geschützt die Tiere beobachten, die sich oft auch einfach neben oder auf der Straße tummeln. Allein schon das ist ein super Erlebnis, da man den wilden Tieren so richtig nahe kommen kann. Außer bei Elefanten muss man hier keine Angst haben. Nilpferde können auch gefährlich werden, aber die bleiben die meiste Zeit im Wasser, da ihre Haut sehr sonnenempfindlich ist. Und wer Nashörner oder Büffel nicht provoziert, ist auch sicher vor ihnen.

Für Elefanten gibt es extra Regeln

grauer Elefant
Elefanten können auch gefährlich werden. | Foto: Oestreicher

Da Elefanten aber keine natürlichen Feinde haben, haben sie auch keine Angst. Und als stärkstes Tier in Afrika traut sich sonst auch niemand an sie heran. Wenn Elefanten zum Trinken an ein Wasserloch herantrotten, hauen alle anderen Tiere so schnell wie möglich ab, da sie den Elefanten lieber aus dem Weg gehen. Wer doch da bleibt, wird so gut wie immer vertrieben, bevor die Elefanten dann selbst anfangen zu trinken (150 Liter pro Tag). Deshalb gibt es extra Elefantenregeln, wie: nicht von der Straße abkommen, nicht verfolgen, den Elefanten „Vorfahrt gewähren“ und nicht hupen. Wenn man alles befolgt und die Elefanten immer respektiert, kann einem nichts passieren.

Drei Tage im Busch unterwegs

Vom Auto aus habe ich sogar einen Löwen, einen Geparden und einen Leopard gesichtet, aber so richtig nah zur Natur habe ich mich noch nicht gefühlt. Deswegen habe ich einen sogenannten „Wilderness Trail“ gebucht. Dabei war ich mit sieben anderen Touristen und zwei ausgebildeten Rangern drei Tage lang „im Busch“ unterwegs. Wir haben in einem eingezäunten Lager außerhalb der normalen Unterkünfte des Parks gewohnt und sind zwei Mal am Tag mit den Rangern zu Fuß durch das Wildschutzgebiet gewandert.

Ranger mit Gewehr

Dabei mussten wir in einer Reihe hintereinanderlaufen und durften nicht reden, damit sich die Wildhüter auf die Geräusche des Buschs konzentrieren konnten. Meistens hören sie Tiere zuerst, bevor man sie sieht. Beide hatten ein großes Gewehr in der Hand, falls eine Situation außer Kontrolle gerät. Denn beim Laufen ist kein elektrischer Zaun oder die Hülle eines Autos zwischen einem und den wilden und teilweise auch gefährlichen Tieren.
Die beiden haben das Gewehr bisher nur zum Tiere verscheuchen benutzen müssen, erschießen mussten sie noch keines. Auf dem Weg haben wir an interessanten Plätzen Halt gemacht und einer der beiden Führer hat uns etwas zu einer bestimmten Pflanze, Fährte oder Fäkalien erklärt.

Ein Löwe – keine 50 Meter entfernt

Einmal haben wir Löwenspuren entdeckt, die scheinbar erst ein paar Minuten alt waren, da sie noch sehr genau zu erkennen waren und noch nicht vom Wind verwaschen wurden. Danach haben wir Rast gemacht und kurz nach unserem Aufbruch haben wir den Löwen dann gesichtet, als er vor uns weggerannt ist: Das heißt er war die ganze Zeit, während wir Pause gemacht haben, keine 50 Meter entfernt von uns!
Eine andere aufregende Situation war, als wir ein Nashorn mit einem Jungen auf dem Weg zu einem Wasserloch entdeckt haben. Wir sind langsam immer näher zu ihnen, da alles sicher schien. Auf einmal rennt das Kleine aber auf uns los und die Mutter dann natürlich hinterher – direkt auf uns zu.

Angst um die Wildhüter

Während die Ranger ein Ablenkungsmanöver gestartet haben, indem sie mit Steinen auf die beiden geworfen haben, haben wir anderen uns hinter ein paar Bäumen versteckt. Durch diese laufen Breitmaulnashörner nämlich nicht. Wir waren dann sicher, aber hatten ehrlich gesagt ein bisschen Angst um die Wildhüter, da die Nashörner immer noch auf sie zugerannt kamen. Im letzten Moment sind die beiden aber zur Seite und die Nashörner an uns vorbei. Da ist unser Adrenalinspiegel ganz schön in die Höhe geschossen.

Gemeinsam mit Tieren am Wasserloch

Abgesehen von den Tiersichtungen war es schon allein ein tolles Gefühl, einfach nur durch die unberührte Natur zu laufen. Keine Wege und Straßen, nur die Trampelpfade der Nashörner, die von den meisten Tieren mitbenutzt werden und in diesem Fall auch von uns. Und abends, wenn wir im Camp angekommen sind, konnten wir uns geschützt von Elektrozäunen an ein Wasserloch setzen und den Tieren aus zehn Metern Entfernung beim Trinken zuschauen.
Wer also ein großer Tierfan ist und den Rangern sein Leben anvertraut (okay, so gefährlich war es nun auch wieder nicht), dem empfehle ich auf jeden Fall eine Dreitageswanderung im Krüger-Nationalpark. Wer das nicht möchte, erlebt vom Auto aus auch tolle, außergewöhnliche Begegnungen.