Die Kirche erstrahlt in neuem Glanz – und sogar die Altarbilder haben wieder Tiefenschärfe, wo vorher nur noch eine dunkle Firniss zu sehen war.
Die Kirche erstrahlt in neuem Glanz – und sogar die Altarbilder haben wieder Tiefenschärfe, wo vorher nur noch eine dunkle Firniss zu sehen war. | Foto: Holbein

Stadtkirche in Rastatt saniert

Die Apostelgruppen strahlen um die Wette

Von Martina Holbein

Der schon etwas abgegriffene Satz „Sie erstrahlt in neuem Glanz“ ist beim Eintreten in die renovierte Sankt-Alexander-Kirche ganz wörtlich zu nehmen: Die Wände leuchten in einem hellen Weiß, die Farbe rosa der Pilaster an den Säulen ist seit Jahrzehnten erstmals wieder deutlich wahrzunehmen, die Apostelgruppen strahlen um die Wette und die Altarbilder haben Tiefenschärfe, wo vorher nur noch eine dunkle Firniss zu sehen war. Dazu tritt der überwältigende Eindruck beim Eintreten, wenn sich der Blick vom Hauptportal aus nach links wendet: Dort steht in einer Nische auf einem Sockel hinter dickem Glas und ausgeleuchtet die spätgotische Pieta, neben der Stieffell-Orgel das wertvollste Kunstwerk in der katholischen Stadtkirche Rastatt.
Bis dato hatte sie einen wenig beachteten Platz in der Nähe des ersten Seitenaltars auf der linken Seite. Jetzt zieht sie den Blick der Kirchenbesucher auf sich, bildet mit dem Sandstein-Taufstein aus dem 18. Jahrhundert, der künftig in der Mitte des Eingangsbereichs seinen Platz findet, ein helles, freundliches Entree, quasi eine „kleine Taufkapelle“. Dass der Eingangsbereich eine „helle und freundliche Ausstrahlung“ (Pfarrer Ralf Dickerhof) hat, liegt auch daran, dass auf jeder Seite im hinteren Bereich drei Sitzbankreihen herausgenommen wurden, so dass ein kleiner Raum entstanden ist. Derzeit wird noch geputzt, geschrubbt und abgestaubt, die Renovierungsarbeiten sind bis auf wenige Details wie Vergoldungen oder die „Visitenkarten“ der Apostel abgeschlossen.

Lichtthemen setzen Messe in Szene

Die Hebebühne wurde am Dienstagnachmittag aus der Kirche gebracht. Bis zum Sonntag, wo mit dem Kirchweihfest die Wiedereröffnung gefeiert wird, werden noch die Polster angebracht. Bis dahin wird auch der „Einsatzplan“ der neuen Beleuchtung stehen. Eigens gefertigte Trompetenleuchten säumen die Gitter der Galerien. „Ihre Einstellung wird so programmiert, dass unsere Mesmerin mit einem Knopfdruck das Innere der Kirche in das Licht rücken kann, das für den Anlass gewünscht wird“, erläutert Pfarrer Dickerhof das Konzept. Er wie auch Gabi Skornia und Gaby Huesmann, die den Freundeskreis St. Alexander initiiert haben und diesem „Spendensammelverein“ vorstehen, sind gespannt, wie die Gottesdienstbesucher auf die neue Beleuchtung, die aus energetischen Gründen vollständig mit LED-Lampen besetzt ist, reagieren.
„Wir haben ganz bewusst die modernen Lampen nicht versteckt“, so Dickerhof, „alt und modern bewusst zueinander gestellt“. Doch nicht nur der Kirchenraum kann je nachdem ob Festgottesdienst, Alltagsbeleuchtung oder „normale“ Messe lichttechnisch „in Szene gesetzt“ werden, auch beim Kirchenbesucher kommt mehr Licht an.
Trotz der unerwarteten zusätzlichen Ausgabe für die Erneuerung der Heizungsanlage seien die Kostensteigerungen „im Rahmen“, so Dickerhof. 1,8 Millionen Euro wurden für die Sanierung veranschlagt, die über die Säulen Erzdiözese, Kirchengemeinde, Kirchbauverein, Spenden, die der Freundeskreis Sankt Alexander gesammelt hat, und Mitteln des Landesdenkmalamtes finanzieren. Letzteres bezuschusste mit 20 000 Euro die Sanierung des Dachs. Der Freundeskreis brachte bis jetzt über 100 000 Euro zusammen. „Die Menschen freuen sich, wenn die Kirche im Herzen der Stadt wieder geöffnet ist“, sagt Pfarrer Dickerhof, „denn viele kommen den Tag über spontan herein, sprechen still ein Gebet oder zünden eine Kerze an“.
Und damit die Besucher sich auch ein Bild vom Ausmaß der Verschmutzung machen können, ist ein Pilaster noch so verschmutzt belassen wie der gesamte Innenraum sich vor der Latexreinigung präsentierte.