Infomarkt
Grübeln über die richtige Stromtrasse: Bertram Bläschke (Mitte) erklärt die Ziele von TransnetBW. | Foto: Kraft

Durmersheim will neue Trasse

Höchstspannungsleitung interessiert nur wenige

Von Ralf Joachim Kraft

Die Höchstspannungsleitung, die von Rheinstetten kommend zwischen Würmersheim und Durmersheim und weiter östlich von Bietigheim und Ötigheim nach Süden verläuft, soll erneuert werden. Der Übertragungsnetzbetreiber „TransnetBW GmbH“ muss aufgrund gesetzlicher Vorgaben die 220-Kilovolt-Freileitung zwischen Daxlanden und Eichstetten verstärken.

Geringe Besucherresonanz

Ein Infomarkt zur geplanten 380-Kilovolt-Netzverstärkung stieß am Dienstag in Durmersheim auf eine geringe Besucherresonanz. Nur „etwa 30 bis 50 Interessierte“ fanden den Weg ins Pfarrzentrum St. Dionysius, um sich dort über die im Zuge der Energiewende notwendige Anpassungsmaßnahme, Planungsstand, denkbare Trassenvarianten, Grundstücksrecht, technische Ausführung, Verfahrensschritte und Beteiligungsmöglichkeiten zu informieren. Wer gekommen war, hatte drei Stunden lang Gelegenheit, sich anhand des Infomaterials oder im direkten Gespräch mit den Fachleuten ein Bild zu machen. Dafür standen Experten der TransnetBW und des Bürgerdialogs Stromnetz bereit.

Auch die Gemeinde Durmersheim, die „andere Interessen“ und in der noch offenen „Trassenfrage“ eine andere Auffassung als die TransnetBW vertritt, war mit einem Themenstand vor Ort – vertreten durch Bürgermeister Andreas Augustin und mehrere Gemeinderäte.

Transnet BW will alte Trasse ausbauen

Wie Projektsprecher Lukas Rosengrün verdeutlichte, soll die rund 120 Kilometer lange Freileitung nach den Vorstellungen der TransnetBW durch einen „Neubau in der bestehenden Trasse“ auf den Betrieb von 380 Kilovolt umgestellt werden, „um den künftigen Aufgaben zur Sicherung der lokalen Stromversorgung und den Anforderungen des überregionalen Stromtransports gerecht zu werden“. Laut Rosengrün sollen auf der Bestandstrasse die 40 Meter hohen „Donaumasten“ durch rund 55 Meter hohe „Tonnenmasten“ ersetzt werden. Der alte Schutzstreifen könne genutzt werden. Ein Netzausbau im Sinne eines Neubaus zusätzlicher Freileitungen in neuen Trassenräumen werde vermieden. „Es würden somit keine neuen Konflikte und Betroffenheiten geschaffen. Genau das aber könnte bei zwei anderen Varianten der Fall sein, gegen die es auch genehmigungsrechtliche Vorbehalte geben könnte, weil im Naturschutzgebiet Rheinniederung drei neue Mast-Standorte entstehen würden“, erklärte Rosengrün mit Blick auf die von Durmersheim gewünschte Siedlungsentwicklung im Norden.

Augustin sieht Stadtentwicklung behindert

„Durmersheim und Würmersheim sollen eins werden. Die Trasse ist da ein Hindernis“, betonte Bürgermeister Andreas Augustin und erklärte, dass sich der Gemeindeverwaltungsverband Durmersheim eine Bündelung der neuen 380-Kilovolt-Leitung mit der im Osten des Verbandsgebiets verlaufenden 110-Kilovolt-Freileitung „als große Lösungsvariante“ wünsche. Ebenso die Herausnahme der neuen 380-Kilovolt-Leitung aus dem Gewerbegebiet Langgewann in Bietigheim durch veränderte Trassenführung in diesem Bereich. Geprüft werden solle auch die Möglichkeit, die im Westen des Verbandsgebiets bestehende 380-Kilovolt-Leitung zu verlegen und mit der neuen 380-Kilovolt-Leitung zu bündeln. „Wir möchten, dass die geplanten und bestehenden Freileitungen auf einem Korridor verlaufen und durch Erdkabel ersetzt werden. Außerdem verlangen wir deutlich mehr als den zugesicherten Abstand zur Wohnbebauung von 80 Metern“, so Augustin.

2019 könnte mit Bau begonnen werden

Für die Genehmigung von Baumaßnahmen an Höchstspannungsfreileitungen ist in Baden-Württemberg ein Planfeststellungsverfahren unter der Federführung des jeweiligen Regierungspräsidiums notwendig. Das Verfahren ist noch in der Vorplanungs- und Dialogphase; die Antragsunterlagen für Abschnitt A (Daxlanden bis Bühl) sollen Ende 2017 eingereicht werden. „Die Grundstückseigentümer werden in jedem Fall durch eine einmalige Zahlung entschädigt“, so Rosengrün. Mit dem Planfeststellungsbeschluss werde 2019 gerechnet, Inbetriebnahme ist 2021.