Konstantin Wecker
Eine Revolution in den Hirnen fordert der bekennende Anarchist Konstantin Wecker. | Foto: pr

Konstantin Wecker in Rastatt

„Im Moment muss man als Künstler Stellung beziehen“

Konstantin Wecker ist mit seiner Band gerade auf Herbsttournee und kommt dabei am Dienstag, 11. Oktober, auch nach Rastatt in die Badner Halle. BNN-Mitarbeiterin Verena Schneider sprach mit dem bekennenden Anarchisten sowohl über Finanzkapitalismus und Flüchtlinge als auch Poesie und Freundschaft. Der 69-Jährige fordert die Menschen in seinen Liedern auf, stärker mit dem Herzen zu denken und wünscht sich eine Welt ohne Waffen und Grenzen. Für sein Engagement hat der Münchner Liedermacher in diesem Jahr den Erich-Mühsam-Preis für Frieden, Menschenrechte und gegen Fremdenhass erhalten.

Tournee führt nach Rastatt

 

Sie sind gerade mit Ihrem Programm „Revolution“ auf Tournee. Wer begleitet Sie?

Wecker: Begleitet werde ich von meinem Schulfreund Günter. Er fährt mich von Stadt zu Stadt. Das ist ein sehr angenehmes Fahren, weil wir uns immer viel zu erzählen haben und er ein extrem kluger Mensch ist.
Am 11. Oktober machen Sie Station in Rastatt. Sind Sie dort schon einmal aufgetreten?
Wecker: Jetzt erwischen Sie mich aber (lacht). Es kann durchaus sein, dass ich in den letzten vierzig Jahren auf Tournee auch mal in Rastatt war, aber ich weiß es ehrlich gesagt nicht mehr.

Vielseitige Band

Haben Sie musikalische Unterstützung auf der Bühne?

Wecker: Ja, ich habe die Cellistin Fany Kammerlander dabei, meinen musikalischen Lebensgefährten Johannes Barnikel am Keyboard und dann haben wir noch einen E-Gitarristen und einen Schlagzeuger mit an Bord. Eine Band, die sehr vielseitig ist. Viele Instrumente zu spielen ist auch notwendig, weil meine Stücke keinen einheitlichen Stil haben, sondern ich meine Musik immer so ausrichte, dass sie den Texten gerecht werden.

Lieder mit Anspruch

Welche Lieder werden Sie spielen?

Wecker: Es ist immer eine Mischung aus neuen und alten Liedern, aber in erster Linie wird das Programm von meiner letzten CD „Ohne Warum“ bestimmt.

 

In Ihrem Lied „Revolution“ klagen Sie die Machtgier der Unternehmen und die fehlende Mitsprache der Bürger an. Wie stellen Sie sich unsere Gesellschaft vor?

Wecker: „Zuerst müssen wir unbedingt diese gnadenlose Ungerechtigkeit beseitigen. Wenn ein Prozent der Menschheit so viel besitzt wie 99 Prozent, dann kann das nicht gut gehen. Das Aufkeimen des Rechtspopulismus hat seinen Nährboden in dieser Ungerechtigkeit. Momentan besteht die Gefahr, dass es dadurch zu einem Putsch der Rechten kommt. Ich nenne das nicht Revolution, dafür ist mir der Begriff zu heilig. Revolution kann nur von links kommen, finde ich. Die Revolution muss in den Hirnen stattfinden. Es muss eine Revolution der Vernunft sein. Noch ist es möglich. Im Übrigen wird sich die AfD in Berlin während der Regierungsarbeit selbst zerlegen, weil es einfach lauter Pflaumen sind. Trotzdem ist es gefährlich.

 

Haben Sie als Künstler in so einer Zeit eine spezielle Aufgabe?
Wecker: Ich würde sagen ja. Früher habe ich mich zwar oft dagegen gewehrt, ein politischer Sänger zu sein. Im Moment sehe ich es aber als notwendig an, dass Künstler Stellung beziehen. Das muss nicht heißen, dass sie alle politische Lieder schreiben, aber sie sollten eine Haltung einnehmen – vor allem zu den Flüchtlingen.

Lage in Deutschland

Auf Ihrer Homepage und Facebook-Seite geben Sie regelmäßig politische Statements ab, treten unter anderem öffentlich für die Rechte von Flüchtlingen ein. Willkommenskultur oder Anti-Merkel-Revolution – wie bewerten Sie aktuelle Lage in Deutschland?

Wecker: Ich hätte nicht gedacht, dass ich als alter Linker mal unsere Bundeskanzlerin in Schutz nehmen würde. Aber dieses Merkel-muss-weg-Gebrüll löst in mir einen Schutzinstinkt aus. Ich habe eine Willkommenskultur gesehen, ich sehe aber auch, wie uns manche Politiker diese Empathie wieder ausreden wollen. Das liegt am Finanzkapitalismus. Der kann Empathie nicht brauchen, weil das zu einer Solidarität führen könnte. Unser ewiger Wettbewerb und Leistungsdruck macht die Leute doch nur krank. Es ist bitter was ich sage, aber ich glaube man muss es so hart formulieren.

Kreativ und inspiriert

Sie stehen seit mehr als 40 Jahren auf der Bühne, komponieren Lieder, schreiben Gedichte, drehen Film – woher nehmen Sie die Inspiration für so viel Kreativität?

Wecker: Ja, wenn ich das wüsste. Also zum einen erlebt und erfährt man als wacher Mensch viel. Zum anderen kann man sich die Inspiration für Poesie nur von den Dichtern selbst holen. Das sage ich auch meinen Studenten.

 

Studenten? Lehren Sie an der Universität?

Wecker: Ja, ich gebe an der Uni Würzburg und an der Münchener Musikhochschule Seminare für Songwriting. Da kommen junge Studenten und stellen ihre Lieder vor und ich versuche dann Tipps zu geben und mit meiner Erfahrung auf dem Weg weiterzuhelfen.

Karten

Telefon (0 72 22) 78 98 00 oder unter www.reservix.de