Im Porzellankabinett von Schloss Rastatt bewundert Katharina Rohne Objekte im Imari-Stil und im traditionellen Blau-Weiß.
Im Porzellankabinett von Schloss Rastatt bewundert Katharina Rohne Objekte im Imari-Stil und im traditionellen Blau-Weiß. | Foto: Collet

Kabinett versammelt 400 Jahre Tradition

Japaner berichtet über Porzellan in Rastatt

1616 wurde in der Nähe der japanischen Stadt Arita ein großes Vorkommen an Kaolin gefunden – die weiße Tonerde wird bei der Porzellanherstellung verwendet. Mit zahlreichen Veranstaltungen wird in Japan derzeit an 400 Jahre Porzellan erinnert. Im September erschien in diesem Zusammenhang ein Artikel in einer japanischen Kunstzeitschrift, der auf die Schlösser in Rastatt und Förch mit ihrer einzigartigen Porzellansammlung aufmerksam macht. Darunter ist auch eine kleine, aber feine Sammlung von Porzellan im Imari- und Kakiemon-Stil, wie die Kunsthistorikerin Katharina Rohne von den Staatlichen Schlössern und Gärten (SSG) hervorhebt.

Adel steht auf japanischen Stil

Im Gegensatz zum typischen blau-weißen Porzellan aus China zeichnet sich der japanische Stil durch seine Farbigkeit in Blau, Eisenrot und Gold sowie einer flächigen Bemalung aus, die vorzüglich mit der barocken Einrichtung der adeligen Sammler harmonierte. Im Rastatter Schloss endet die Abfolge der markgräflichen Prunkräume deshalb auch im Schlafgemach und dem Porzellankabinett, das besonders wichtigen Gästen und sensiblen Gesprächen vorbehalten war. Von Illusionisten aus Bologna vor 1707 im Stil eines italienischen Gartenpavillons gestaltet, barg das Kabinett einst 125 Porzellane und Fayencen, wie einer Inventarliste von 1772 zu entnehmen war. Heute stehen nach Angaben der Kunsthistorikerin noch 57 Objekte auf den mit Blattgold verzierten Konsolen, die aus der Sammlung Sibylla Augustas, aber auch aus den Beständen der SSG oder aus Versteigerungen stammen.

Prunkvasen vor markgräflichem Kamin

Während die Markgräfin hauptsächlich böhmisches Glas und blau-weißes Porzellan aus China sammelte, entstand auch eine kleine Sammlung im Imari-Stil oder mit Kakiemon-Dekor, die vor allem Chrysanthemen, Pfingstrosen, Blattranken oder Kirschzweige zeigen. Zwei prachtvolle Brokat-Prunkvasen stehen in den Gemächern der Markgräfin vor dem Kamin und beeindrucken vor allem durch ihren Deckelknauf mit einem Fo-Hund, der einem Pekinesen ähnelt.

Schlösser hoffen auf japanische Touristen

Die exquisite Sammlung von Porzellan in Favorite und Rastatt ist in Japan schon länger bekannt. Vom Artikel des japanischen Kunsthistorikers Masaaki Shibata erhoffen sich die SSG mehr Besuch aus Fernost, der nach dem Heidelberger Schloss auch einen Abstecher nach Rastatt einlegen könnte. Beim Besuch des japanischen Experten war jedenfalls das Erstaunen groß, über 9 000 Kilometer von der Heimat entfernt solch schöne Stücke japanischer, koreanischer und chinesischer Handwerkskunst zu entdecken.

Teller aus chinesischer Titanic

Einige der Objekte haben auch eine kuriose Geschichte, die auf die alten Handelsbeziehungen Europas mit Asien und damit auf die frühe Globalisierung verweisen: So stammt einer der blau-weißen Teller aus dem Wrack einer gesunkenen Dschunke, die 1822 vor Batavia (heute Jakarta) völlig überladen Schiffbruch erlitt und 1999 wieder gehoben wurde. Die SSG ersteigerten einen der Teller, dessen blaue Bemalung im Salzwasser von der Glasur geschützt wurde.