Gabi Streile (links) bei der Finissage in der Pagodenburg mit einem ihrer zerstörten Werke.
Gabi Streile (links) bei der Finissage in der Pagodenburg mit einem ihrer zerstörten Werke. | Foto: Wollenschneider

Einbruch in die Pagodenburg

Kunstwerke in Rastatt zerstört

Von Rainer Wollenschneider

So hatte sich der Kunstverein Rastatt die Finissage der Ausstellung der Künstlerin Gabi Streile, „Malerei“, in der Pagodenburg am Sonntag nicht vorgestellt: Mit dreistem Vandalismus war in der Nacht von Samstag auf Sonntag in das barocke Kleinod eingebrochen worden. Vier Arbeiten wurden in den Außenbereich der Pagodenburg befördert, zwei davon extrem beschädigt.
Der Vorsitzende des Kunstvereins, Jörg Kausch, erhielt am Sonntag von der Polizei die Nachricht, in das Galeriegebäude neben dem Wasserturm sei eingebrochen worden. Mit brachialer Gewalt sei zunächst versucht worden, die dicken Doppelscheiben der Pagodenburg zu „knacken“. Als das nicht gelang, wurde ein Fensterrahmen neben dem Eingang aus der Verankerung herausgetreten. Vier Bilder fanden sich später auf einer Weinterrasse und auf dem Spielplatz neben der Murg. Die Bilder wurden entweder mit den Rahmen zertrümmert oder gar mit einem scharfen Gegenstand aufgeschlitzt.
Da bewegte sich die Stimmung bei der Finissage zwischen Staunen und Abscheu. Nach Aussage der Künstlerin handelt es sich bei den betroffenen Bildern um die Arbeiten „Dschungel“, „Kleine Flusspappeln“, „Landschaft helles Grün“ und „Landschaft (Himmel zinnober)“ mit einem gesamten Ausstellungswert von fast 12 000 Euro. Schlimm für Gabi Streile, dass sich unter den erheblich beschädigten Bildern eines befindet, das die Basis für die Präsentation in der Pagodenburg darstellt. Die Künstlerin fügt an: „Es tut weh und ich empfinde persönlichen Schmerz. Ich bin im Schreck und Schock über das Unglück.“

Empörung bei Finissage

Jörn Kausch betonte: „Hier liegt purer Vandalismus mit einigem Aufwand vor. 40 Jahre ging hier alles gut und nun ist eine bessere Alarmsicherung gefragt.“ Fraglich ist noch, ob die im Erd- und Obergeschoss installierte Alarmanlage mit Bewegungsmeldern beim Einbruch ansprang. Jörn Kausch und die aufsichtsführenden Mitglieder des Kunstvereins gehen davon aus, dass nach doppeltem Schließen die Alarmanlage aktiviert ist. Nach Aussage des Kunstvereins sind die Bilder einer Ausstellung versichert. Wie es bei Vandalismus aussieht, müsse noch geklärt werden. Kausch räumte ein, dass es schwer sein wird, auch nach der Spurensicherung durch die Kriminalpolizei die Täter zu finden.
„Das ist eine Sauerei, dass man hier eingebrochen hat. Es passt nicht in die Kunstlandschaft“, sagte Peter Hank, der Leiter der Städtischen Galerie Fruchthalle. Und Künstler Paul Sachse: „Mit Polizeimaßnahmen ist es hier nicht getan. Da muss auch viel für das Umfeld getan werden!“ Er geht davon aus, dass Jugendliche nach dem Treffpunkt an der Einsiedelner Kapelle sich immer mehr, gerade nach der Umgestaltung, zur Pagodenburg verlagert hätten. Hinterlassener Abfall zeuge davon.
Sichtlich betroffen nahm Gabi Streile vor den zu der Finissage Erschienenen Stellung zu ihren Arbeiten und der entstandenen Situation: „Was hier passiert ist, hat mir eine Ohrfeige gegeben. Ich fühle mich verletzt, die Bilder sind auch meine Kinder und ich wollte durch meine Arbeiten doch die Achtung vor den Naturgewalten ausdrücken.“ Das künstlerische Gesamtgefüge sei zerstört worden. Dazu noch die Feststellung der stellvertretenden Vorsitzenden des Kunstvereins, Barbara Dürr: „Es ist eine extreme Minderheit, die so etwas wie Vandalismus an Kunst braucht.“