Tunnelbaustelle Niederbühl
Reicht der Lärmschutz aus? Thorsten Franckowiak, einer der betroffenen Bürger aus Niederbühl, hält die Wand für zu niedrig. | Foto: Christiane Krause-Dimmock

Tunnelbaustelle der Bahn

Niederbühler bilden eine Bürgerinitiative

Von Christiane Krause-Dimmock

Die Anwohner haben die Nase gestrichen voll von der Bahnbaustelle vor ihren Häusern. In Sichtweite wird vor ihren Fenstern gebaggert, wird ein Tunnel in die Tiefe getrieben und vor allem die Erde zum Beben gebracht. Immer wieder kracht, poltert, quietscht und scheppert es. Mit der Nachtruhe ist es vorbei, auch mit der frischen Luft. Die Nerven liegen blank in der Ring- und in der Hildastraße.

Radau reißt Kinder aus dem Schlaf

Eine ganze Menge Kinder wohnt hier im Umfeld. Unmittelbar im Einzugsgebiet der Großbaustelle ist die Schule, gleich gegenüber befindet sich der Kindergarten. Auch der Sohn von Maik Ledwina ist betroffen von der Situation. Der Neunjährige hat massive Probleme nachts zur Ruhe zu kommen. „Er kann abends einfach nicht einschlafen und wenn der Radau auf der Baustelle losgeht, ist er wieder wach, weil sein Bett wackelt.“ Dass die schulischen Leistungen absacken, ist eine der Folgen.

Das Geschirr klappert und die Fassade bekommt Risse

Klappern und Vibrieren, das kennen auch die Anwohner, die gut 250 Meter von der vorderen Häuserfront entlang der Bahnlinie entfernt leben. Bei Kilian Rembold-Grund klappert es im Geschirrschrank, wenn gerammt wird. Und das, so erklärt der Diplom-Ingenieur, habe auch einen gut Grund. Über Wochen hätten zwei Maschinen parallel Rammarbeiten vorgenommen. Dabei hätten sich die Frequenzen teilweise überlagert. Niederbühl, das auf sandigem Untergrund errichtet sei, leide darunter besonders. Der Sand komme nämlich ins Schwingen – mit entsprechenden Folgen. Die ziehen im Übrigen auch Risse in den Fassaden nach sich, verweist Rembold-Grund auf Schäden an dem von ihm bewohnten Haus.

Bahn installiert Messgerät – und kommt nie wieder

Immer wieder hat er moniert, geschrieben und telefoniert. Doch der Effekt, so bekennt er enttäuscht, sei gering. Ein Sachverständiger sei geschickt worden. Das war im Februar. Erkenntnisse daraus, die gebe es bis heute nicht. Dass damals zumindest eine Messeinheit an sein Haus installiert wurde, welche die Erschütterungen misst, hat er ausdrücklich begrüßt. „Ich habe sogar unseren Internetzugang und den erforderlichen Strom zur Verfügung gestellt.“ Nur genützt habe es ihm nicht wirklich, genauso wenig wie die Markierungen, die angebracht wurden, um die Fassadenrisse zu beobachten. „Das liest ja niemand ab“, beklagt er.

Klagen richten sich auch an die Behörden

Doch nicht nur von der Bahn fühlen sich die Anwohner auf den Arm genommen. Auch die Behörden ließen sie im Stich, herrscht völliges Unverständnis in der Gruppe, die sich jetzt zur Bürgerinitiative formiert. Auch der Ortsvorsteher setze sich nicht hinreichend ein.
„Das alles ist schon sehr belastend“, ist auch Christa Herrmann völlig genervt von den Lastern, die tagtäglich durch die kleine Straße rollen. „Die ganze Nacht über staubt es und lärmt. Wir haben nur Dreck und Ärger.“ 15 Fuhren hätten es pro Tag sein sollen, gut 80 werden inzwischen gezählt. Immer wehe eine unübersehbare Wolke von Mineralstaub hinter ihnen her. Der Staub habe sich etwas verringert, seit Planen über den Ladeflächen liegen.

Niederbühler fordern mehr Rücksicht

„Allerdings nur, wenn die Wagen voll sind“, lenkt Thorsten Franckowiak den Blick auf die leeren Fahrzeuge, die offen zur Baustelle zurückrollen. „Wir sind ja in keiner Weise gegen die Maßnahme, nur muss man doch auch auf uns Rücksicht nehmen“, ist er sehr verzweifelt. Denn er hat vor rund 20 Jahren sein Haus von der Bahn erworben und sich dabei nichtsahnend auf eine Klausel eingelassen, die besagt, dass er nicht gegen die Bahn klagen dürfe. Nun aber sind immer neue Schäden an seinem Haus zu verzeichnen. Doch die Verantwortlichen duckten sich weg hinter einem Lärmwall, der viel zu niedrig sei, weil er mal gerade das Erdgeschoss ein klein wenig befriedet, wie Edgar Schnepf festgestellt hat.