Erdbeeren sind im Landkreis Rastatt derzeit frei von PFC.
Erdbeeren sind im Landkreis Rastatt derzeit frei von PFC. | Foto: dpa

PFC-Skandal in Mittelbaden

Prüfer finden kein Gift in Lebensmitteln

Das Kreislandwirtschaftsamt hat in diesem Jahr kein PFC in Lebensmitteln gefunden. Amtsleiterin Andrea Stief erklärte beim Besuch des Landwirtschaftsministers im Iffezheimer Huberhof, dass die Landwirte auf unbelastete Flächen ausgewichen seien. Untersucht wurden die Produkte im sogenannten Vorerntemonitoring. Das heißt: Obst und Gemüse von verschiedenen Anbauflächen werden auf das Gift untersucht, bevor es geerntet wird und in den Verkauf kommt.
Landwirtschaftsminister Peter Hauk war auf Einladung der CDU-Landtagsabgeordneten Sylvia Felder nach Iffezheim gekommen, um die aktuellen Schritte seines Ministeriums beim PFC-Umweltskandal darzulegen. Er selbst ließ sich von den Experten des Rastatter Landratsamts über konkrete Aktionen vor Ort informieren.
Stief erinnerte daran, dass beim Vorerntemonitoring im vergangenen Jahr Obst und Gemüse belastet waren. „Es wurden rund vier Hektar Fläche mit Erdbeeren und sechs Hektar mit Spargel umgepflügt“, so Stief. Seinerzeit wurden 323 Parzellen untersucht, das waren 448 Proben. Für das Beregnungswasser sei ein Pilotprojekt gemeinsam mit dem Landwirtschaftsministerium gestartet worden, bei dem Aktivkohlefilter getestet würden. Die ersten Ergebnisse seien vielversprechend: Die Filter eliminieren sowohl kurz- als auch langkettige PFC. Hauk hatte den Landwirten in Aussicht gestellt, dass die Filter vom Land gefördert werden.

Filter für Beregnungswasser

Zur Beregnung der Felder werden große Mengen Wasser benötigt, die freilich nicht aus dem öffentlichen Netz bezogen werden. Daher haben Landwirte eigene Brunnen, die zum Teil mit PFC belastetes Wasser fördern. Damit dies nicht in die Pflanzen gelangt, muss dieses Wasser gereinigt werden. Die Wasserversorger, insbesondere die Rastatter Stadtwerke, haben derzeit noch unbelastetes Trinkwasser – die beiden belasteten Brunnen in Niederbühl und Rauental wurden vor drei Jahren vom Netz genommen. Auf das Ottersdorfer Wasserwerk droht allerdings eine PFC-Fahne zuzutreiben, die dort möglicherweise in zwei Jahren ankommen kann. Daher erproben auch die Stadtwerke Filter, um rechtzeitig gerüstet zu sein. Für diese Filteranlagen will das Land kein Geld bezahlen, wie Hauk klarstellte. Die Kosten werden sich folglich in höheren Wasserpreisen niederschlagen.
Die Sanierung der verseuchten Flächen sowie des Grundwassers gestaltet sich nach Angaben von Umweltamtsleiter Manfred Flittner schwierig. Von 700 Hektar untersuchter Fläche seien 400 Hektar in unterschiedlicher Ausprägung belastet. „Sofortmaßnahmen wären unverhältnismäßig“, erklärte Flittner unter Hinweis auf ein Gutachterergebnis. Selbst der Austausch des Bodens würde inzwischen nichts mehr bringen, weil ein Großteil des Gifts bereits ausgewaschen und im Grundwasser gelöst sei. Eine Brunnengalerie im Boden, um das belastete Wasser sozusagen abzuschotten, müsse „mindestens zwei Kilometer lang sein“, und damit wäre es dennoch „technisch nicht möglich“ das Wasser in voller Tiefe abzuriegeln.
Dem widersprach der Rastatter Bürgermeister Wolfgang Hartweg insofern, als eine Brunnengalerie vor drei Jahren seiner Meinung nach noch möglich gewesen wäre. Damals habe man bereits einen belasteten Acker bei Sandweier ermittelt, von dem aus das Ottersdorfer Wasserwerk bedroht ist. Hartweg: „Mit einer Brunnengalerie entlang der alten B 3 hätte man das PFC stoppen können, inzwischen hat es sich aber in der Tat viel zu weit ausgebreitet.“
Manfred Flittner beschrieb die weitere Vorgehensweise: Die Flächen werden in Belastungsbereiche aufgeteilt und saniert. „An der Stelle stehen wir jetzt“, so Flittner. Landrat Jürgen Bäuerle betonte derweil die gute Zusammenarbeit aller Behörden und Kommunen.