Franz Spindler
Einträchtig nebeneinander: Trampeltiere und Araber mit Juniochef Franz Spindler. | Foto: Holbein

Circus Carelli in Rastatt

Rassige Spanier stürmen in die Manege

Von Martina Holbein

Das Zusammenspiel von Mensch und Tier macht einen Gutteil der Faszination aus, die das Programm des Circus Carelli auf seine Besucher ausübt. Am ersten Tag in Rastatt gleich zweimal ausverkauftes Haus – darüber freute sich Zirkusdirektor John Spindler bei der Abendvorstellung, seien doch die Zeiten für Wanderzirkusse alles andere als rosig, wie er in einer flammenden Rede kurz vor der Pause dem Publikum darlegte. Er wetterte gegen die Aktionen der Tierschützer und beruhigte die Gäste, dass seine Tiere auch vom Veterinäramt Rastatt die Bewertung, dass sie sehr gut gepflegt werden, erhalten hatten.

Imposante Auftritte durch die Bank

Mit einem imposanten Auftritt von je zwei doppelhöckrigen Trampeltieren und weißen Araberhengsten begann das zweistündige Programm, das dem nostalgischen Flair des Zirkus verpflichtet ist. Prächtige Schabracken schmückten die geduldigen Wüstentiere, deren Schrittfolgen sich zu einer harmonischen Choreografie zusammenfügten. Ein Höhepunkt, wenn die Araber über die Trampeltiere springen. Für diese Dressur zeichnete Junior-Zirkusdirektor Franz Spindler verantwortlich.

Vorstellungen
Der Circus Carelli gastiert noch bis zum 18. September in Rastatt. Weitere Vorstellungen sind am Mittwoch um 15 und 20 Uhr, am Donnerstag und Freitag um 18 Uhr, am Samstag um 15 und 20 Uhr und am Sonntag um 11 und 15 Uhr.

Mit „Zorro“ stürmte ein rassiger Andalusier Hengst in die Manege, der sich von Zirkusdirektor John Hugo Spindler willig führen ließ und bei jeder Schrittfolge nichts von seinem Temperament vermissen ließ, auch als er die Höchstleistung zeigte, den Kopf tief zwischen seinen Vorderbeinen durchzustecken. Dass die Pferde Steiger beherrschen und im Rhythmus zur Live-Musik Tänzern gleich ihren Dresseuren folgen, versteht sich beinahe von selbst. „Armarando“ heißt der nächste Spanier im Bunde der Pferde, der mit seiner Reiterin Salima Spindler Choreografien im Stil der Spanischen Hofreitschule demonstrierte. Eine besondere Augenweide, wie innig sich Pferd und Reiterin bewegen, wenn sie mit einem langen Stab Figuren in den Sand zeichnet, denen das Pferd in harmonischen und konzentrierten Bewegungen folgt.

Edi Laforde
Auf den Hund gekommen: Edi Laforde und seine quirligen Vierbeiner. | Foto: Holbein

Tierisch aufregend die Hunde-Akrobatik mit Edi Laforde: Ein Handwagen voller Hunde in allen Größen, von denen einige über Hürden springen oder als Trio eine Tonne rollen, ein Zwergpudel gar einen Kopfstand auf des Dompteurs Hand wagt und die Katze als einziges Raubtier durch den Reifen springt. Edi Laforde erwies sich zusätzlich als begnadeter Jongleur, ob mit Bällen, die sich geheimnisvoll in seinen Händen vermehrten, ob mit Kegeln oder Reifen, die er mit dem Kopf auffing. In seinem Kostüm, das an die 1920er Jahre erinnerte, immer ein charmantes Lächeln auf den Lippen avancierte er schnell zu einem Liebling der Zuschauer.

Clown Timmy
Ein eingeschworenes Duo: Clown Timmy und sein „Manolito“. | Foto: Holbein

Genau wie Clown Timmy Spindler, dessen Scharmützel mit den Zirkusdirektoren sich als roter Faden durch das Programm zogen, wenn er zeigte, wie er mit kleinen Instrumenten – von der Trompete bis zum Flaschenkorken mit Loch – „O sole mio“ schmettern kann, zum Leidwesen seiner Chefs. Und auch er hatte einen tierischen Freund, den Esel Manolito, ein kluges und aufmerksames Tier, das sich mit seinem Herrchen bestens zu unterhalten schien.

Den Traum vom Fliegen erfüllte sich Salima Spindler mit zwei Tuchstrapaten, die sie hoch unter die Zirkuskuppel trugen, wo sie elegante Saltos und Pirouetten zu einer harmonischen Tanzchoreografie zusammenfügte. Temperamentvoll und nicht weniger spektakulär Ramona Spindlers Nummer am Vertikalseil, die ob ihrer flinken Abwärtsbewegungen einige Male den Atem anhalten ließ.

Ramona Spindler
Temperament am Vertikalseil mit Ramona Spindler. | Foto: Holbein

Und ein „Küken“ gab es noch zu bestaunen: Das Zirkuskind Ashley nahm sich einen und später noch neun weitere Hula-Hoop-Reifen, die sie allein mit den rhythmischen Bewegungen ihres Körpers am Kreisen hielt.
Sein Steckbrief lautet: 48 Zentimeter groß, vier Jahre alt und hört auf den Namen Akari. Auch der kleine Falabella aus Argentinien, der als kleinstes Pferd der Welt gilt, gehört zur Zirkusfamilie Spindler und konnte ausgiebig beim Besuch der Tierschau bewundert werden.