Sanierte Schiffstraße
Straßencaféflair herrscht in der sanierten Schiffstraße. | Foto: Collet

Citymanager Flau ist zufrieden

„Rastatt ist interessanter geworden“

Ein gutes Jahr ist es nun her, dass die Schlossgalerie ihre Pforten geöffnet hat. Dort wurde inzwischen bereits der Eine-Millionste-Kunde begrüßt, doch wie hat sich der Einkaufstempel auf die Rastatter Innenstadt ausgewirkt? Kritiker haben immer befürchtet, die Schlossgalerie könnte den Geschäften in der Poststraße und der Kaiserstraße den Garaus machen. Citymanager Johannes Flau zieht nach 14 Monaten Schlossgalerie eine durchweg positive Bilanz.

Jugend bleibt in der Stadt

„Die Schlossgalerie hat den Standort Rastatt gestärkt, das sieht auch der Einzelhandel so“, erklärt Citymanager Flau im Gespräch mit den Badischen Neuesten Nachrichten. Vor allem für das Umland und das Elsass habe sie das Profil der Stadt gestärkt, ist Flau überzeugt. Die Sorge, die Kunden könnten mit einem Besuch in der Schlossgalerie alle Einkäufe erledigt haben, räumt er aus. „Die Frequenzen von der Schlossgalerie in die Innenstadt sind gestiegen. Das ist messbar.“ Zudem sehe er bei seinen Gängen durch die City viele junge Leute, die früher in Rastatt keine Läden gefunden hätten. „Ich freue mich, dass das junge Publikum in der Stadt bleibt und nicht mehr gezwungen ist, wegzufahren.“ Dazu trage auch das Forum-Kino bei, so Flau.

Trend: Wohnen in der Innenstadt

Das Gesamtpaket Rastatt sei interessanter geworden – aber in Teilen auch ausgereizt, wie Flau mit Blick auf die ursprünglichen Hatz-Areal-Pläne zugibt. „Das erste Konzept mit 5 000 Quadratmetern Verkaufsfläche war deutlich zu viel. Das hätte zu Verwerfungen in der Stadt geführt.“ Die jetzigen Pläne, die deutlich mehr Wohnfläche vorsehen, begrüßt Flau dagegen. „Wohnen in der Innenstadt“ sei ein Trend aus den Großstädten, der auch Rastatt gut stehe.

Bei allem Jubel bleibt der Citymanager aber auf dem Teppich: „Die Kundenfrequenzen nehmen überall ab, auch bei uns.“ Das Internet macht dem Einzelhandel die Geschäfte schwer. Doch die Rastatter Geschäftsleute stemmen sich mit Aktionen gegen diesen Trend, wollen Kundenpflege betreiben und einen Mehrwert zum Online-Shopping bieten. Mit Erfolg, wie Flau betont. „Die Ladies Night wird beispielsweise gut angenommen“, freut sich der Citymanager. Trotz schlechten Wetters kamen die Rastatter gezielt zu den Veranstaltungen.

Leerstand nicht beunruhigend

Dennoch stehen weiterhin Ladenräume in der Innenstadt leer. Findet ein Geschäft einen Nachmieter, ist es oft ein Händler, der bereits woanders einen Standort hatte und nun einfach umzieht. Unterm Strich bleiben also am Ende genauso viele Läden ungenutzt wie vorher auch. „Natürlich wäre ich froh, wenn alle Geschäfte genutzt würden“, räumt Citymanager Flau ein. Beunruhigt ist er wegen der vier leer stehenden Geschäfte noch lange nicht. „Die Anforderungen an den Einzelhandel sind enorm gestiegen, da ist eine ständige Anpassung nötig. Die müssen sich regelrecht neu erfinden.“ In drei der vier leeren Ladenlokale werkeln außerdem schon die Handwerker, verrät Flau.

Mit Rastatt wächst auch das Kundenpotenzial

Hoffnungen macht dem Citymanager vor allem die positive Bevölkerungsentwicklung. „Rastatt wächst und damit auch das Kundenpotenzial“, ist er optimistisch, auch weitere Filialketten in die Stadt holen zu können. Die Friseurdichte in der Bahnhofsstraße oder die Apotheken- und Optikermeile an der Oberen Kaiserstraße sieht der Experte dabei völlig gelassen – kann ihnen sogar noch etwas Gutes abgewinnen: „Das macht es für den Kunden doch richtig interessant. Er kann sich bei kurzen Wegen umfassend beraten lassen.“

Flau als Baustellenmanager

Das Positive hervorheben um das Negative zu kaschieren – eine Herausforderung, die mit der Umgestaltung der Oberen Kaiserstraße bald besonders wichtig für den Citymanager wird. Bereits bei seinem Amtsantritt gab es mit der Sperrung der Badener Brücke eine große Baustelle, die Auswirkungen auf die Innenstadt hatte. Flau wollte damals mit einer Baustellenaktion die Befürchtungen des Einzelhandels zerstreuen – ohne Erfolg, aus der Aktion wurde nichts.

Wir machen Rastatt schön

Das soll dieses Mal, drei Jahre später, anders werden. „Damals hatte ich noch nicht den Rückhalt in der Geschäftswelt“, blickt Johannes Flau zurück. Das habe sich inzwischen geändert. „Wir ziehen alle an einem Strang, auch die Schlossgalerie.“ Die aktuelle Werbekampagne „Rastatt, meine Einkaufsstadt“ sei gemeinsam von Stadtmarketing, Citymanagement, Gewerbeverein und Schlossgalerie entwickelt worden.
Die Vorbereitungen für die Kaiserstraßensanierung, die im Frühjahr 2017 beginnen soll, laufen bereits jetzt. „Wir werden die Baustelle begleiten und versuchen, die Beeinträchtigungen zu minimieren, so dass sie die Besucher möglichst nicht tangieren“, erklärt Flau. Für ihn ist die Kommunikation besonders wichtig. „Wir machen Rastatt schön, schaut euch das an“, lautet das Motto.

Doch auch die Einzelhändler sollen ins Boot geholt werden. So sind die Baustellenabschnitte so geplant, dass nie alle Parkplätze wegfallen. Hinzu kommt das Parkhaus in der Schlossgalerie und die Tiefgarage der Badner Halle, die laut Flau im Sommer modernisiert wird, damit die Einfahrt auch für breite Fahrzeuge erleichtert wird. Einen intensiven Austausch mit der derzeitigen Baustellen-Königin Karlsruhe gibt es nicht: „Wir wissen aus eigener Erfahrung, was da auf uns zukommt“, so Flau.

Marktplatz hat noch Entwicklungspotenzial

Der Citymanager denkt dabei an die Sanierung der Schiffstraße, die im Vorfeld heiß diskutiert wurde. „Jetzt haben wir hier eine tolle Entwicklung, regelrechtes Straßencaféflair“, schwärmt Flau, der sich mehr davon auch gut auf dem Marktplatz vorstellen könnte. „Allerdings ohne den Wochenmarkt einzuschränken.“ Eine Art „Gastro-Insel“, jemand, der wie ein Marktbeschicker immer da ist, schwebt ihm vor. Das große Konzertwochenende Anfang Juni im Ehrenhof habe zuletzt gezeigt, wie schön der Marktplatz sei, wenn er belebt ist. „Wir müssen solche Situationen nutzen, aber auch im Alltäglichen zeigen, wie schön Rastatt ist.“