BNN-Sommertour zum Rastatter Tunnel
Bis an den sogenannten Tunnelmund durften die BNN-Leser bei der Besichtigung der Baustelle des Rastatter Tunnels bei Ötigheim. | Foto: Collet

Tour zum Rastatter Tunnel

Riesen-Röhre zieht Leser in den Bann

So dicht dran war noch niemand: Riesig klafft der Tunnelmund und lässt die eigentlich gar nicht so kleine Gruppe der BNN-Leser plötzlich winzig erscheinen. „Das ist ja riesig, unvorstellbar“, sagt eine Teilnehmerin der BNN-Sommertour, die diesmal über die Baustelle des Rastatter Tunnels führte. „Da hat man ja vorher nichts mit anfangen können.“

Taucher haben Boden gegossen

Es ist ein bisschen, wie wenn kleine Jungs einen Bagger sehen – nur deutlich größer: Mit staunenden Blicken wandern die BNN-Leser zusammen mit Bahn-Pressesprecher Michael Breßmer, Sicherheitskoordinator Wolfgang Stallmann und Vortriebs-Teamleiter Thomas Klein durch die Grundwasserwanne Nord bei Ötigheim. Nach und nach wird aus dem kleinen Betonmäuerchen rechts und links eine stolze Wand, die sich am Ende elf Meter in die Höhe reckt. „Anfangs war die ganze Wanne voll mit Wasser“, erklärt Klein. Taucher haben den Boden gegossen, der drei Meter dick und entsprechend schwer ist. „Wasser hat eine unglaubliche Kraft, das drückt einem sonst die ganze Wanne hoch.“ Das zeigt sich etwa am Baustellenrand: Entlang des Trogs stecken noch immer die Spundwände in der Erde – mit einem Gesamtgewicht von 110 000 Tonnen. Und zwischen Spundwand und Trog steht das Grundwasser. „Die sind halt nicht so dicht wie unsere Wanne“, scherzt Klein.

Sieben Teile formen einen Ring

Nach und nach füllt sich die Wanne – nicht mit Wasser, sondern mit Baumaschinen, Material und anderem Gerät. „Zusammenbleiben“ heißt die Devise, damit niemand unter die Räder kommt. In ihren grünen Westen und Helmen und mit den quietschgelben Gummistiefeln fällt es Sicherheitskoordinator Stallmann aber nicht schwer, die Gruppe im Blick zu behalten. Und die ist sowieso so gebannt von den Dimensionen um sie herum, dass sie an den Lippen der Bauexperten hängen.

Ein kurzer Stopp neben einem hohen Turm aus gebogenen Betonteilen – ein Tübbinglager. Sieben dieser Einzelteile braucht die Tunnelvortriebsmaschine, um einen ganzen Ring zu bauen, der dann die Tunnelwand bildet. „Und wie halten die dann zusammen?“, kommt die Frage aus der Gruppe. „Erst mit Schrauben, dann allein durch den Druck“, weiß Thomas Klein und verrät schmunzelnd: „Beim letzten Teil kommt die gute alte Schmierseife zum Einsatz, damit es richtig passt.“

Am Tunnelmund ist Schluss

Plötzlich tutet es: Ein kleiner Zug setzt sich mit einer Ladung Tübbingeinzelteilen in Bewegung, um Tunnelvortriebsmaschine „Wilhelmine“ zu versorgen. Die ist inzwischen rund 600 Meter in der Oströhre verschwunden. In der Ferne entdecken die Leser noch kleine Lichter vom Ende des 90 Meter langen Kolosses. Doch am sogenannten Tunnelmund ist dann auch für die BNN-Leser der Spaß vorbei. „Hier geht es nicht weiter“, sagt Stallmann und deutet auf ein kleines Display hinter sich, auf der die Ziffer „9“ zu sehen ist: So viele Arbeiter sind derzeit im Tunnel. „Maximal dürfen 20 Personen rein, so sieht es das Sicherheitskonzept vor.“

„Die Namenlose“ ist im Aufbau

Kein Problem für die Truppe. Voller Begeisterung werden Fotos vor dem gut elf Meter hohen Tunnelportal gemacht, hier und da entsteht ein kleines Video. Außerdem steht am Eingang zur Röhre West ja noch „die Namenlose“. Das Schneidschild, der Schildschwanz, wie der vordere Teil des Bohrers genannt wird, und der erste Nachläufer, sind bereits montiert, der zweite Nachläufer ist im Aufbau, der dritte fehlt noch. Rund einen Monat wird es noch dauern, bis der zweite Tunnelbohrer fertig ist, seinen Namen bekommt und dann in der „fliegenden Anfahrt“ mit der Oströhre beginnt. Dafür steht bereits ein metallener „Pseudo-Tübbing“, an dem sich die Maschine abdrücken kann, um mit der Arbeit zu beginnen. „,Tübbing‘, woher kommt das eigentlich?“, wird plötzlich gerätselt. Bahn-Pressesprecher Michael Breßmer weiß Bescheid: „Aus dem Englischen, von ,tube‘, also Röhre oder eben Tunnel.“
Am Ende kraxeln die BNN-Leser mit vielen Informationen gefüttert über einen Treppenturm aus der Wanne heraus. „So etwas hätten die Mal bei Stuttgart 21 machen sollen“, sagt ein Teilnehmer zufrieden. „Dann wäre die Akzeptanz für das Projekt dort vielleicht größer.“