Ob auf den Gelände des RSC/DJK noch lange gespielt wird?
Ob auf den Gelände des RSC/DJK noch lange gespielt wird? | Foto: Collet

Chaos bei Rastatter SC/DJK

Scherbenhaufen und Schuldenberg

Drei Jahre nach der Fusion präsentiert sich der Rastatter SC/DJK als totaler Scherbenhaufen – zumindest auf seiner Führungsebene. Die viereinhalbstündige Mitgliederversammlung im überfüllten Clubhaus geriet am Freitagabend völlig außer Rand und Band, ehe am Ende mit größter Mühe zumindest eine Übergangslösung gefunden wurde. Die sieht so aus, dass Matthias Dorsner interimsmäßig die Geschäfte führt und von einem insgesamt elfköpfigen Gremium unterstützt wird.
Dessen Aufgabe besteht darin, bis zu einer neuen ordentlichen Mitgliederversammlung, die Anfang nächsten Jahres einberufen werden soll, einen neuen Vorsitzenden zu suchen. Dieser allerdings wird mit einer Schuldenlast von rund 200.000 Euro konfrontiert, die Ende vergangenen Jahres zu Buche stand. Wie hoch der aktuelle Schuldenstand ist, vermochte an dem Abend nicht geklärt zu werden. Die als Buchhalterin fungierende Sabine Franke trat in der Versammlung ebenso zurück wie der noch amtierende Vorsitzende Uwe Bukschat. Bereits in den Wochen zuvor hatten Harald Schäfer, der bislang als zweiter Vorsitzender fungierte und der für die Finanzen zuständige dritte Vorsitzende Dietmar Rieble ihre Ämter niedergelegt. Vor allem der nicht anwesende Rieble stand bei der Versammlung gehörig am Pranger.
Insbesondere der ehemalige DJK-Vorsitzende und aktuelle Kassenprüfer Hans-Georg Willaredt erhob schwere Vorwürfe und legte eine lange Liste von Verfehlungen vor, gespickt mit einer Fülle von finanziellen Unregelmäßigkeiten, die von nicht ordnungsgemäß verbuchten Darlehen, über zweckentfremdete Gelder und nirgendwo verzeichneten Aufwandsentschädigungen bis zu angeblich zugesagten Sponsorengeldern reichten, die aber nie in der Vereinskasse landeten. Eingegangene Mahnungen seien kurzerhand in den Papierkorb befördert worden. Willaredt monierte fehlende Kontrolle ebenso wie nicht vorhandene Budgetierungen und sprach offen von einer drohenden Insolvenz („Wir haben nicht fünf vor zwölf, sondern schon zehn nach zwölf“) aufgrund der zunehmenden Zahlungsprobleme. Überdies verwies Willaredt auf anhängige Klagen wegen Unterlassung und Verleumdung. Der zweite Kassenprüfer Bernhard Beneke mochte Willaredts Einschätzungen indessen nicht teilen, fand es „sehr schade, was hier abgeht“ und hielt das Wort „Insolvenz“ für „völlig fehl am Platz“.

Entlastung für Vorstände verweigert

Bukschat, Schäfer und Rieble wurde von der Versammlung die Entlastung verweigert. Daraufhin verließ Bukschat („Ich werde alle meine Dienste für den Verein sofort einstellen“) postwendend das Clubhaus, nachdem er zu Beginn des Abends noch an die Einigkeit beim RSC/DJK appelliert hatte: „Wir sind der erfolgreichste Verein in Rastatt, deshalb brauchen wir ein Team und dürfen uns nicht zerraufen.“
Die einzige Entlastung wurde Buchhalterin Sabine Franke gewährt, die allerdings nach eigenem Bekunden gar nicht dem Vorstand angehört. Auch sie kündigte ihren sofortigen Rückzug an und eilte entnervt aus dem Clubhaus. Derweil erkannte Peter Retzler, im Spielausschuss ein wichtiger Funktionsträger, dass „hier jeder seine Eitelkeiten in den Vordergrund stellt.“
Der als Wahlleiter auserkorene Reiner Weber sah sich ob der Rücktritte vor einer schwierigen Aufgabe, zumal obendrein Zweifel an der Rechtmäßigkeit der kompletten Versammlung aufkeimten, denn offenbar war sie gar nicht ordnungsgemäß einberufen worden.
Dennoch rangen sich die Anwesenden dazu durch, Dorsner und seinem Gremium zunächst einmal das Vertrauen zu schenken. Fragen, wie es mit dem Jugendförderverein und der Fußballschule des Rastatter SC/DJK weitergeht, blieben ebenso offen wie die eigentlich auf der Tagesordnung stehende Beitragserhöhung, die eigentlich dringend benötigtes Geld in die leeren Kassen hätte spülen sollen.
„Wir sind Geprügelte unserer eigenen, visionären Zukunft“, wie Matthias Dorsner in seinem Schlusswort erklärte.