Die Theke ist die Grenze beim verpackungslos Einkaufen: Geschäftsführer Hubert Zuber verpackt die Wiener und Landjäger in die mitgebrachte Plastikbox.
Die Theke ist die Grenze beim verpackungslos Einkaufen: Geschäftsführer Hubert Zuber verpackt die Wiener und Landjäger in die mitgebrachte Plastikbox. | Foto: Collet

Das kommt nicht in die Tüte

Verpackungslos einkaufen in Rastatt

Ökologisch, frisch, regional – wenn möglich bio, das sind die Produkte auf dem Wochenmarkt in Rastatt. Das Obst und Gemüse hat meistens einen kurzen Lieferweg hinter sich, ehe es beim Verbraucher in den Plastiktüten landet. In Plastiktüten? Das macht den gut gemeinten, ökologisch nachhaltigen Gedanken des Markteinkaufs eher hinfällig. Umweltfreundlich geht da anders: Warum seine Verpackungen nicht selbst von zu Hause auf den Markt mitnehmen und verpackungslos einkaufen?

Die BNN-Redaktion hat den Selbstversuch gewagt und während der Europäischen Woche der Abfallvermeidung (19. bis 27. November) versucht, an einem Tag verpackungsarm einzukaufen. Beim Gemüsestand aus Oberkirch war es kein Problem den Feldsalat in die mitgebrachte Tüte zu packen. „Das machen die Leute hier eher selten“, meint die Verkäuferin. In der Tat, die Kunden stöbern in der großen Gemüseauslage und reißen sich gleich mehrere der grünen Plastiktüten ab, um Pastinaken, Gelbe Rüben und Blumenkohl darin zu verpacken.

Sauber müssen sie sein

Der griechisch-türkische Feinkosthändler Metin Cetinbas signalisiert gleich, als er die Plastikboxen sieht, die Behältnisse auf die Theke zu stellen. „Natürlich befülle ich mitgebrachte Behältnisse. Nur sauber müssen sie sein“, klärt der Händler auf. „Der Wirtschaftskontrolldienst prüft das. Da kann es schon Strafen von 200 Euro geben“, meint Cetinbas.

Mogelpackungen haben keine Chance

Er nimmt eine Box, stellt sie auf die Waage, drückt die Tara-Taste und macht den bestellten Feta-Käse mit Knoblauch und Kräutern in die Box. Mogelpackungen haben hier keine Chance. Auch die zwei verschiedenen Sorten Oliven und die gefüllten Weinblätter füllt der Feinkosthändler in die mitgebrachten Plastikboxen. „Der Stand steht auch in Karlsruhe und Achern auf dem Markt“, sagt Cetinbas.

Er schätzt, dass hier etwa 20 Prozent ihre eigenen Behältnisse mitbringen und versuchen verpackungslos einzukaufen. „In Achern ist es aber schon knapp die Hälfte, die so bei mir einkauft. Die haben alles mit dabei“, schildert er seine Beobachtungen. Im ländlichen Gebiet scheinen die Leute laut Cetinbas schon eher darauf zu achten als in der Stadt. In der Anschaffung kosten ihn 100 Behältnisse 4,50 Euro. Das ist für den Händler ein Kostenfaktor.

Die Theke ist die Grenze

In der Metzgerei nebenan ist Geschäftsführer Hubert Zuber ebenfalls sofort bereit, die mitgebrachten Behältnisse mit Fleischwaren zu befüllen. „Die Boxen dürfen aber nur auf der Theke stehen, nach hinten darf ich sie aus hygienischen Gründen nicht nehmen“, sagt Zuber. Hier sei es eher selten der Fall, dass wer mit eigenen Gefäßen kommt und verpackungslos einkauft. „Das ist schade“, meint er. Deshalb kostet die Plastiktüte ab 1. Januar 20 Cent. „Rohes, eingelegtes Fleisch kann ich nicht in Papier einwickeln, das drückt irgendwann durch“, erläutert Zuber die Notwendigkeit von Plastiktüten und Folie, in die das Fleisch in der Metzgerei eingewickelt und verpackt wird. Dementsprechend sei eine Dose sinnvoll.

Geschnittenes Brot passt nicht in Stofftüten

Zur Wurst braucht es auch ein ordentliches Stück Brot: In der Bäckerei wird dem Wunsch, das Brot in die mitgebrachte Stofftasche zu legen, ebenfalls entgegengekommen. Aber auch hier gilt: An der Theke ist die Grenze. „Früher haben wir das Brot viel öfter in kundeneigene Stofftüten gepackt“, erinnert sich Verkäuferin Ingrid Ackermann beim Rheinau-Bäck. Heutzutage komme es nur noch vereinzelt vor. Auch sie bedauert diesen Umstand: „Es ist halt so, dass viele ihr Brot gerne geschnitten haben möchten, das kann ich nicht in eine Stofftüte packen“, meint Ackermann.

Brötchen, Brezeln und sonstige Leckereien vom Bäcker kommen in Papiertüten und wandern gesammelt in eine Plastiktüte. „Das ist schon einiges an Verpackung, was da bei einem Einkauf zusammen kommt“, meint Ackermann. Fazit: Beim verpackungsarmen Einkauf konnte die Redaktion vier Plastikbecher, drei Plastik- und eine Papiertüte einsparen.