Faller
Hans Peter Faller (zweiter von links) hat auch schon eine französische Ausgabe der "Stadtmaus" herausgebracht. | Foto: Collet

Faller für Lesepreis nominiert

Rastatter Stadtmaus an der Spree

Seit drei Jahren begeistert „Ludwig, die Stadtmaus“ Kinder aus Rastatt für die lokale Geschichte der Barockstadt – von Markgraf Ludwig Wilhelm über den „Rastatter Frieden“ bis zur Zeit der Badischen Revolution, wahlweise auf Deutsch, Italienisch und mittlerweile auch auf Französisch. Jetzt bestehen gute Chancen, dass der Mäuserich nach Berlin reist.

Nominiert für individuelles Engagement

Aus den diesjährigen 286 Bewerbungen für den Deutschen Lesepreis stehen nämlich 36 Nominierte in den vier Kategorien „Ideen für morgen“ mit dem Schwerpunkt Migration und Integration sowie „Herausragendes individuelles Engagement in der Leseförderung“, „Herausragendes kommunales Engagement in der Leseförderung“ und „Herausragende Leseförderung an Schulen“ fest. In der Kategorie „Herausragendes individuelles Engagement“ ist für die Preisverleihung in Berlin auch der Stadtmaus-Erfinder Hans Peter Faller aus Rastatt nominiert.
Wie bereits mehrfach berichtet, wird in den zwei Bänden Stadtgeschichte für Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter erklärt. „Die Nominierung bringt mich einen großen Schritt weiter“, freut sich Faller im BNN-Gespräch über die Auszeichnung für die zwei Bände, die mittlerweile in der dritten beziehungsweise in der ersten Auflage veröffentlicht sind.

Dritter Band über regionale Geschichte wird Probe gelesen

Für den dritten Band, in dem erstmals auch die Geschichte der Region kindgerecht dargestellt werden soll, steht mittlerweile die Rohfassung. Im laufenden Schuljahr will Faller sein Skript ausgewählten Schulklassen probehalber vorlesen. Die Zeitspanne umfasst dabei das Jahr 1583, in dem der Ort Dunhausen von den Rheinmassen verschluckt wurde, bis zum Bau des Rastatter Tunnels heute. Eine wichtige Rolle wird dabei ein Maulwurf spielen, der bereits 1705 im barocken Schlossgarten wühlt und auch beim Vortrieb der Tunnelbaumaschine seine Pfoten im Spiel hat.
Ein gewichtiger Teil der auf mehrere Bände angelegten überregionalen Geschichte für Kinder ist auch die Murgschifferschaft, die es seit 600 Jahren gibt. Dafür hat Hans Peter Faller im Flößereimuseum in Steinmauern wie auch in Hörden Gespräche geführt. Täglich bis zu drei Stunden recherchiert der frühere Berufsberater bei der Rastatter Arbeitsagentur in Archiven oder bei Vereinen, um die wechselvolle Geschichte der 23 Landkreis-Kommunen kindgerecht aufzubereiten. Beim Bauernmarkt am Sonntag, 25. September, wird der Autor seine Stadtmaus das nächste Mal wieder auftreten lassen.

Lesekompetenz gefördert

Neben dem Rastatter Autoren Faller gibt es noch neun weitere nominierte Projekte oder Personen aus ganz Deutschland wie Leseförderung durch Vorlesen, den Leseklub Göttingen, einen Leseopa, die Stiftung „Kinder brauchen Bücher, arme noch viel mehr!“, einen Leselernhelfer oder Clemens den Lesedrachen. Dotiert sind die Preise in dieser Kategorie mit 2 000 Euro, 1 500 Euro und 1 000 Euro für die ersten drei Plätze. Die Preisverleihung des Deutschen Lesepreises 2016 findet am 9. November im Berliner Humboldt Carré statt. Schirmherrin des Deutschen Lesepreises ist Bundesbildungsministerin Johanna Wanka. Mit dem Deutschen Lesepreis würdigt die Stiftung Lesen seit 2013 Projekte, die sich nachhaltig für die Leseförderung in Deutschland einsetzen, wie es in einer Mitteilung heißt. Denn nur wer richtig lesen könne, besitze den Schlüssel zu Bildung und Teilhabe in der Gesellschaft. Nach Einschätzung der Stiftung Lesen zeigen Studien für die Lesekompetenz deutscher Kinder und Jugendlicher seit Jahren große Defizite: 14,5 Prozent der 15-jährigen Schüler verfügen nur über eine (sehr) schwache Lesekompetenz (Pisa 2012). 7,5 Millionen Erwachsene seien laut Leo-Studie 2011 funktionale Analphabeten.