Eine dritte Amtszeit strebt Bernd Siefermann als Bürgermeister von Renchen an. Gewählt wird am 6. November.
Eine dritte Amtszeit strebt Bernd Siefermann als Bürgermeister von Renchen an. Gewählt wird am 6. November. | Foto: Michael Moos

Bernd Siefermann

„Renchen ist mir sehr ans Herz gewachsen“

Seit 16 Jahren lenkt Bernd Siefermann die Geschicke von Renchen. Nun strebt er eine dritte Amtszeit an. Bei der Wahl am 6. November ist er der einzige Kandidat. Im Interview mit unserer Zeitung zieht Siefermann Bilanz, gleichzeitig blickt er voraus auf die kommenden Aufgaben.

Sie sind seit 16 Jahren Schultheiß von Renchen, sieben Jahr länger als Grimmelshausen. Sind Sie zufrieden mit Ihrer zweiten Amtszeit?

Siefermann: Ich bin nicht nur mit der zweiten Amtszeit, sondern mit den gesamten 16 Jahren sehr zufrieden. Renchen ist mir in dieser Zeit als schöne, kleine und liebenswerte Stadt sehr ans Herz gewachsen. Gemeinsam mit den Menschen habe ich hier viel erlebt und viele Hürden überwunden. Wir haben gefeiert, aber auch traurige Momente erlebt. Gemeinsam mit der Verwaltung, dem Gemeinderat und den Ortschaftsräten habe ich mich in Renchen beruflich verwirklichen können. Dafür bin ich dankbar.

Auf welche Projekte sind Sie besonders stolz?

Siefermann: Besonders stolz bin ich auf den Schulstandort Renchen. Unter anderem haben wir die Grimmelshausenschule saniert und erweitert, die Ganztagsbetreuung eingeführt und eine Mensa eingerichtet. Stolz bin ich auch auf unseren Beitrag für die Senioren und die Jugend. Für Senioren können wir in Renchen dank eines privaten Investors derzeit 94 Pflegeplätze anbieten und 80 Menschen ambulant betreuen. Und die jungen Menschen werden im Haus der Jugend und der Vereine sowie in der Schulkindbetreuung professionell betreut. Weitere Projekte waren die Schaffung von Gewerbeflächen in Renchen und Ulm sowie von Neubaugebieten in allen drei Stadtteilen sowie die Erweiterung des Simplicissimus-Hauses. Stolz bin ich auch auf unsere 900-Jahr-Feier: Hier haben sich 1 200 Ehrenamtliche aktiv eingebracht. Das Fest war es wert, in die Geschichte Renchens einzugehen!

Renchen kann, anders als andere Kommunen, auf einen erfolgreichen Dialog mit den Bürgern in den drei Agenda-Arbeitskreisen verweisen. Was sind die Gründe für diesen Erfolg?

Siefermann: Das läuft bei uns tatsächlich bereits seit 15 Jahren. Wir haben das Glück, dass in dieser Bürgerbewegung sehr fleißige Menschen mitarbeiten, die stets neue Ideen kreieren, die richtig Zug entwickeln und auf die man sich verlassen kann. Es war aber auch richtig, eine enge Verbindung zur Stadtverwaltung zu behalten. Die Agenda-Arbeitskreise arbeiten mit einer vergleichsweise geringen finanziellen Unterstützung der Stadt, haben durch ihre Tätigkeit aber durchaus Traditionen und Veranstaltungen entwickelt – Stichworte sind die Lesenacht, die Fahrradbörse, der Gallusmarkt, das Kinder- und Jugendfest, das Anlegen der Blumenwiesen, die Umwelttage und der Flüchtlings-Stammtisch.

Die gegenwärtig laufenden Kulturtage 2016 zeigen, dass auch Kleinstädte kulturelle Glanzlichter setzen können. Wird das auch in Zukunft so bleiben?

Siefermann: Seit 30 Jahren gibt es die Kulturtage in Renchen – begründet übrigens von meinem Vorgänger Klaus Brodbeck. Sie erfreuen sich großer Beliebtheit und stellen überdies ein gesellschaftliches Ereignis dar. Die Kulturtage sind zusammen mit dem Grimmelshausenpreis, den Literaturtagen sowie den Kinder- und Jugendliteraturtagen ein Aushängeschild für die Kulturstadt Renchen. Diese Arbeit wird und muss fortgesetzt werden. Das muss übrigens nicht teuer sein, weil wir stets Sponsoren finden.

Apropos Kultur: Das in seiner Konzeption einzigartige Simplicissimus-Haus ist ebenfalls ein kulturelles Glanzlicht. Nun sollen Sie, so hört man, von Klaus Brodbeck den Vorsitz der Grimmelshausenfreunde übernehmen. Welche Akzente wollen Sie hier künftig setzen?

Siefermann: Die Grimmelshausenfreunde machen hervorragende Arbeit. Wenn es sie nicht gäbe, wäre es die ureigene Aufgabe der Stadt, das Erbe Grimmelshausens zu pflegen. Wir haben das Glück, dass Klaus Brodbeck sich hier seit vielen Jahren als Vorsitzender engagiert. Sollten die Grimmelshausenfreunde nach dem Ende seiner Amtszeit das wollen, habe ich mich auf seinen Wunsch im Vorfeld bereit erklärt, diese Aufgabe zu übernehmen. Diese Arbeit ist interessant und wichtig. Eine Herausforderung wird die grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit dem Tomi-Ungerer-Museum in Straßburg sein, mit dem wir innerhalb von drei Jahren in Renchen verschiedene Ausstellungen gestalten. Dafür hat uns der Eurodistrikt Fördermittel zugesagt. Es ist für uns „eine Riesen-Ehre“ mit einem so bedeutenden Museum zusammenarbeiten zu können. Möglich wird dies nicht zuletzt auch deshalb, weil in unserem Simplicissimus-Haus alle technischen Möglichkeiten geboten sind, die Grundbedingung ist für
Ausstellungen auf diesem Niveau.

Ganz aktuell möchte sich die Stadt Renchen für Radfahrer ganz besonders attraktiv machen. Wie weit sind die Planungen fortgeschritten?

Siefermann: Die Stadt Renchen ist, was die Radwege betrifft, bereits ganz gut vernetzt. Das heißt aber nicht, dass man noch etwas verbessern könnte – wir möchten durchaus noch neue Radwege bauen: Wünschenswert wäre ein Radweg entlang der Renchtalstraße nach Oberkirch und von Erlach Richtung Zusenhofen. Und es geht uns noch darum, neue Attraktionen für die Wege zu bieten, die es schön gibt. Dafür haben die Städte Achern und Oberkirch sowie die Gemeinde Kappelrodeck bereits ihre Zustimmung signalisiert. Ziel ist es, GPS-gestützte Routen für bestimmte Zielgruppen anzubieten. Etwa für Mountainbiker oder für Radrennfahrer. Es wird verschiedene Touren geben – von der gemütlichen Feierabend-Runde bis zur ambitionierten Strecke. Wer will kann sich die Strecken in Renchen per QR-Code aufs Smartphone laden und losradeln – ohne neue Beschilderung und ganz auf digitaler Basis. Uns geht es dabei auch darum, die Radfahrer auf der Grundlage der vom Schwarzwaldverein und vom Schwarzwald-Tourismus festgelegten Richtlinien auf die richtigen Wege zu lenken.

Apropos Verkehr: Warum gibt es eigentlich noch keinen Kreisel an der Einmündung der Kreisstraße 5312 in die Bundesstraße 3 zwischen Renchen und Önsbach? Dieser würde die Renchener Innenstadtumgehung ein Stück attraktiver machen …

Siefermann: Hier müsste dringend etwas getan werden. Wir haben in Renchen das Problem, dass es etwa bei Sperrungen der Autobahn zum Chaos kommt. Außerdem haben wir beobachtet, dass der Schwerlastverkehr in bestimmten Situationen auf der Fahrt Richtung Norden lieber unerlaubterweise durch unsere Innenstadt fährt als über die Stadtumgehung, weil man zwischen Renchen und Önsbach als Linksabbieger keine Lücke findet. Wir haben bislang vergeblich versucht, das Regierungspräsidium von der Notwendigkeit eines Kreisverkehrs an dieser Stelle zu überzeugen. In Freiburg ist man der Auffassung, dass die Verkehrsfrequenz an dieser Stelle zu gering ist, um einen Kreisverkehr auf der Bundesstraße zu rechtfertigen. Aber ich habe noch nicht aufgegeben.

Die Geschäftsentwicklung in den Innenstädten ist in vielen Kommunen ein großes Thema. Was können Sie tun, damit ein weiterer Leerstand in den Geschäften verhindert und die Versorgung der Bevölkerung vor Ort gesichert wird?

Siefermann: Die Belebung der Innenstadt ist ein Dauerthema. Es ist offensichtlich, dass immer wieder Handlungsbedarf entsteht. Weil viele Gebäude aufgrund ihres Zustands für den Einzelhandel nicht attraktiv genug sind, versuchen wir dagegenzusteuern, indem wir Eigentümern mit Zuschüssen aus dem Landessanierungsprogramm bei der Sanierung ihrer Gebäude helfen. Außerdem geben wir Fördermittel, wenn jemand bereit ist, Übernachtungsplätze zu schaffen. Pro Zimmer können 5 000 Euro abgerufen werden – egal ob es sich um ein gastronomisches Projekt oder um einen privaten Zimmervermieter handelt. Auf diese Weise hoffen wir auch, ein altes Gasthaus in der Hauptstraße wieder zu einem Beherbergungsbetrieb zu machen.

Wie sehen Sie die Entwicklung der Stadtteile Ulm und Erlach?

Siefermann: Sehr positiv. In Ulm haben wir die 2 000-Einwohner-Marke geknackt, auch in Erlach hat sich das Neubaugebiet gut entwickelt. Auf einem guten Weg sind wir auch im Straßenbau und bei der Sanierung der Hallen.

Wie kann die Stadt Renchen die künftige städtebauliche Entwicklung steuern? Gibt es Pläne für Neubaugebiete und eine weitere gewerbliche Ausdehnung?

Siefermann: In meiner Amtszeit haben wir fünf Neubaugebiete entwickelt und Gewerbeflächen ausgewiesen. Innerhalb der vergangenen zehn Jahre hat Renchen mehr als 1 000 Arbeitsplätze hinzugewonnen. Diese Entwicklung wollen wir fortsetzen Der Gemeinderat wird in einer Klausur festlegen, wo weitere Neubaugebiete und wo zusätzliche Gewerbeflächen erschlossen werden können. In der Kernstadt haben wir im Bereich „Obere Eck“ bereits die ersten Weichen für ein weiteres Neubaugebiet gestellt.

Der Rechtsstreit um die Vergabe der Konzession für das Stromnetz verunsichert die Bürger und kostet die Stadt Renchen viel Geld. Und jetzt wird auch deutlich, dass das Energiewerk Ortenau (EWO) Verluste einfährt. Wenn Sie nochmal zu entscheiden hätten – würden Sie diesen Weg wieder so gehen?

Siefermann: Ja. Man muss sehen, woher wir kommen. Themen sind die Rekommunalisierung, saubere Energieerzeugung und ein Mitspracherecht der Kommunen. So haben wir uns mit den besten Absichten auf den Weg gemacht. Dass sich die rechtliche Grundlage ändern würde und dass ein marktbeherrschendes Unternehmen von seinen Pfründen nichts abgeben möchte, ist ein anderes Thema. Das war auch nicht vorhersehbar. Was mich allerdings freut, ist, dass die Stadtwerke Oberkirch auf weitere Rechtsschritte verzichten. Damit ist auch die Zusammenarbeit in unserer Verwaltungsgemeinschaft wieder ungetrübt. Was die Süwag betrifft: Wie weit wir diesen Weg noch gehen müssen, ist noch völlig offen.

Welche Ziele haben Sie sich für die dritte Amtszeit gesetzt?

Siefermann: Die Aufgaben werden uns nicht ausgehen. Da ist zum Beispiel die Optimierung der Wasserversorgung – das wird ein Millionenprojekt. Mittelfristig werden wir uns auch mit der Festhalle und der Grimmelshausensporthalle beschäftigen müssen. Hinzu kommen Straßenbauprojekte, die barrierefreie Gestaltung der Friedhöfe und – wie erwähnt – die Erschließung neuer Baugebiete und weiterer Gewerbeflächen. Kurz: Es geht darum, unsere Stadt mit Offenheit, Kreativität und Kooperationsbereitschaft weiter zu entwickeln.

Geboren am 26. Oktober 1961 in Achern, absolvierte Bernd Siefermann 1981 das Abitur in der Heimschule Lender in Sasbach. Er studierte Jura in Freiburg und Heidelberg, das Studium beendete er 1992 mit dem zweiten Staatsexamen. Seine ersten beruflichen Stationen führten ihn im Dienst der Telekom nach Freiburg, Offenburg und Stuttgart, bevor er als Mitglied der Geschäftsführung nach Offenburg zurückkehrte. Am 17. Dezember 2000 wurde Bernd Siefermann im zweiten Wahlgang zum Nachfolger des Renchener Bürgermeisters Klaus Brodbeck gewählt, der zuvor das Amt des Landrats in Offenburg übernahm. Siefermann setzte sich unter ursprünglich vier Kandidaten durch und ging mit knapp 56 Prozent als Sieger aus dem Rennen. Bei seiner Wiederwahl am 9. November 2008 wurde Siefermann als einziger Kandidat mit 94,2 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt. CDU-Mitglied Bernd Siefermann ist verheiratet und hat zwei Kinder 23 und 21 Jahre alt. Als seine Hobbys nennt er joggen, schwimmen und lesen.