Abschied und Neubeginn: Der neue Präsident des Landgerichts Offenburg, Christoph Reichert, Minister Guido Wolf, und Roland Stumpp (von links).
Abschied und Neubeginn: Der neue Präsident des Landgerichts Offenburg, Christoph Reichert, Minister Guido Wolf, und Roland Stumpp (von links). | Foto: Christine Storck

Roland Stumpp verabschiedet

„In Offenburg fehlt ein modernes Justizzentrum“

Von Christine Storck
Rund 40 Jahre im Dienst der Justiz und davon mehr als die Hälfte in Offenburg: Der ehemalige Präsident des Landgerichts, Roland Stumpp, wurde offiziell in den Ruhestand verabschiedet. Gleichzeitig diente die Feierstunde im Landratsamt auch der Amtseinführung seines Nachfolgers Christoph Reichert.

Desolater Zustand

Stumpp nutzte die Gunst der Stunde, um vor der versammelten Riege hochrangiger Vertreter aus Politik, Verwaltung und Justiz noch einmal Impulse zu setzen. „In Offenburg fehlt ein modernes Justizzentrum“, sagte er. Es gebe in der Stadt an verschiedenen Standorten Gerichte, die zum Teil in sehr alten Gebäuden untergebracht seien. Für die Sanierung und Modernisierung seien mehrere Millionen Euro nötig. Ein Brandschutzgutachten habe bereits den desolaten Zustand festgestellt, aber bisher sei nichts geschehen. „Von einer Kompaktlösung würde auch die Stadt Offenburg profitieren“, so Stumpp. Das käme auch den Kooperationen mit Behörden zu Gute und würde die Gefährdungssituation verbessern.

Kritik an Besoldung

Des Weiteren kritisierte der ehemalige Präsident die herabgestufte Eingangsbesoldung der Assessoren um acht Prozent. „Das war ein Ärgernis. Sie müssen gleich mit Volldampf arbeiten. Ihnen aus finanzpolitischen Gründen das Gehalt zu kappen, ist nicht geeignet“, sagte er. Erfreulich sei, dass die aktuelle Regierung die Absenkung zurückfahren wolle. „Der Ankündigung sollten aber Taten folgen“, mahnte Stumpp an.

Hohe Arbeitsbelastung

Ein Dauerthema sei zudem die hohe Arbeitsbelastung an den Gerichten. Stumpp lobte die von Justizminister Guido Wolf angekündigte Aufstockung um 74 Richter im Land. „Davon muss aber auch der Bezirk Offenburg profitieren“, forderte er. Die Dauer erstinstanzlicher Zivilverfahren sei einfach zu lang, hinzu kämen häufige Personalwechsel. Die Ortenau sei zwar malerisch, aber in Punkto Kriminalität keine Region, in der nur Milch und Honig fließe. Es sei oft nötig Haftentscheidungen zu treffen, andere Fälle blieben dadurch liegen.

Arbeit stets mit Herzblut erledigt

Er gehe aber mit einem positiven Gefühl in den Ruhestand – seine Arbeit habe er stets mit Herzblut erledigt. Stumpps Karriere begann an den Amtsgerichten Offenburg und Lahr. 1979 wechselte er in die Strafabteilung des Stuttgarter Justizministeriums, 1983 an das Landgericht Freiburg. 1989/90 führte ihn sein Weg an das OLG Karlsruhe. 1991 wurde er in Offenburg Vorsitzender Richter. 1992 übernahm er in Meißen die Direktion des Amtsgerichts. Von 1994 bis 1997 war er Vorsitzender Richter am Landgericht Freiburg. Anschließend arbeitete er bis 2002 als Vorsitzender der Kammer für Handelssachen und Vizepräsident am Landgericht Offenburg, wurde danach Leitender Oberstaatsanwalt. 2008 übernahm er das Amt des Landgerichtspräsidenten. Begleitet hat er unter anderem die Notariatsreform.

Kooperation mit französischen Behörden

Roland Stumpp habe wesentlich zum Erhalt des Standortes Haslach beigetragen, lobte Landrat Frank Scherer. Als eine große Justizpersönlichkeit würdige Guido Wolf, Landesminister der Justiz und für Europa, das Wirken Stumpps. Er habe unter anderem entscheidende Weichen für eine enge Kooperation mit den französischen Behörden gestellt.

Nachfolger stammt aus Bayern

Sein Nachfolger, der aus Bayern stammende Richter Christoph Reichert, sei „mit allen Wassern gewaschen“, meinte Wolf. Mit seiner hohen IT-Affinität sei er sicher der Richtige für das Amt des Landgerichtpräsidenten. Zuletzt war der 48-jährige promovierte Jurist als Senatsvorsitzender und Präsidialrichter am Oberlandesgericht in Karlsruhe tätig. Er habe sich besonders für die Einführung der elektronischen Akte stark gemacht.
Reichert betonte in seiner Ansprache, wie wichtig Vertrauen in die Justiz sei. „Ich möchte die Justiz wieder näher an die Menschen bringen“, sagte er. Ein wichtiger Anker sei dabei die Beteiligung von Laien. Das müsse man hegen und pflegen.