Weil ein 47-Jähriger Autofahrer an einer roten Ampel das Auto einer Notärztin nicht vorbeilassen wollte, wurde er nun zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.
Weil ein 47-Jähriger Autofahrer an einer roten Ampel das Auto einer Notärztin nicht vorbeilassen wollte, wurde er nun zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. | Foto: Patrick Seeger

Notärztin in Achern blockiert

„Rücksichtslos und brutal“

Von Dieter Klotz

„Rücksichtslos“ und „brutal“ – so stuft der Acherner Amtsrichter Michael Tröndle das Verhalten des Autofahrers ein, der – wie berichtet – in Achern an einer roten Ampel die Einsatzfahrt einer Notärztin blockiert hatte. Obwohl der 47-jährige Angeklagte die Tat bestreitet, wurde er nun zu einer Bewährungsstrafe von sechs Monaten verurteilt.

„Gravierende charakterliche Mängel“

Eine Geldstrafe kam für den Amtsrichter in diesem Fall nicht in Betracht. Trotz „erheblicher Zweifel“ und dem Grundsatz „zu Gunsten des Angeklagten“ folgend, wurde die Strafe auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Der Führerschein des Mannes wird entzogen und darf frühestens nach zwei Jahren wieder erteilt werden. Die Verwaltungsbehörde wird nach Ansicht des Gerichts allerdings zu prüfen haben, ob der Mann auf Grund seiner „gravierenden charakterlichen Mängel“ zum Führen eines Fahrzeugs überhaupt geeignet ist. Dies sei zum Schutz der Allgemeinheit unerlässlich, so Tröndle. Neben der Freiheitsstrafe wird der Mann noch eine Geldbuße von 3 000 Euro an die Soziale Rechtspflege Lahr zahlen müssen.

Gericht hat nicht die geringsten Zweifel

Für das Gericht gab es nicht die geringsten Zweifel, dass der mit Blaulicht und Martinshorn fahrende Notarztwagen vorsätzlich behindert wurde. Nach Aussage der Rettungsassistentin, welche den Einsatzwagen steuerte, hätten schon 20 Zentimeter mehr Platz ausgereicht, um passieren zu können. Im Gegensatz zu den anderen Fahrzeugen war am Auto des 47-Jährigen keine Vorbeikommen möglich.

Notärztin geschlagen

Was dann kam, sorgte nicht nur im Gerichtssaal für Kopfschütteln. Nachdem die Ärztin ausgestiegen war und den Mann gebeten hatte, die Durchfahrt freizugeben, reagierte der Mann ziemlich aggressiv: Zweimal wurde die Frau mit der Fahrertür „geboxt“ und durch zwei Schläge abgewehrt. Damit nicht genug: Selbst nachdem Ampel auf „grün“ schaltete und beide Wagen starteten, kam es wenige Meter weiter erneut zur Behinderung des Notarztfahrzeugs, indem der Mann seine Fahrt offenbar absichtlich verlangsamte. Nur durch abruptes Bremsen und teilweisem überfahren der Querungshilfe war eine Kollision zu verhindern, so die Zeugin.

„Noch Glück gehabt“

Der Fahrer, so stellte Amtsrichter Michael Tröndle fest, habe „bei allem noch Glück gehabt“. Hätte ihm die Staatsanwaltschaft nachweisen können, dass durch ein früheres Eintreffen der Ärztin der Tod des Patienten, zu welchem sie gerufen worden war, verhindert worden wäre, hätte er ein „großes Problem“ gehabt. Für das Gericht war alles „kein Versehen“. „Völlig uneinsichtig“ und mit„kriminelle Energie“, habe der Angeklagte versucht, alle Zeugen Lügen zu strafen.

Staatsanwalt hält Zeugen für glaubhaft

Für Staatsanwalt Daniel Fehrenbach hätte für ein Verurteilung allein schon die Aussage der Notärztin ausgereicht. „Völlig glaubhaft“ hätten die anderen Zeugenaussagen mit ihr korrespondiert, meinte er. Eine Strafe von acht Monaten, eine Führerschein-Sperrfrist von 15 Monaten und eine Geldauflage von 3 000 Euro hielt er als Strafe für gerechtfertigt. Nur unter Bedenken könne er einer Bewährung zustimmen.

Verteidigung fordert Freispruch

Zu einer völlig anderen Einschätzung kam die Verteidigung mit ihrem Antrag auf einen Freispruch. Der Anwalt machte auf Widersprüche in den Zeugenaussagen geltend. Seinem Mandanten einen Vorsatz zu unterstellen, sei abwegig. Der Angeklagte selbst wies die Vorwürfe in seinem Schlusswort, „entschieden“ zurück. „Wenn ich Mist mache, dann stehe ich auch dazu“.