Fallen
Kein gutes Jahr war 2016 bislang für den Borkenkäfer. Weil die Wasserversorgung der Bäume dauerhaft auf gutem Niveau lag und ein intensives Monitoring betrieben wurde, konnte sich der Schädling kaum verbreiten. | Foto: Reinhold John

Schweres Jahr für Borkenkäfer

Schädlingsjagd mit Fernglas und Fallen

2016 war für die Waldbesitzenden im Ortenaukreis bisher ein gutes Jahr. „Durch die gute Wasserversorgung der Böden über das ganze Jahr hinweg konnten die Bäume kräftig wachsen“, sagt Holger Schütz, Leiter des Amts für Waldwirtschaft beim Landratsamt Ortenaukreis. Die nächste gute Nachricht: Der Baumbefall durch Käfer, speziell durch den gefürchteten Holz-Schädling Borkenkäfer, war laut dem Landratsamts minimal. „Wir haben alles im Griff“, so Schütz. „Durch die gute Wasserversorgung der Bäume konnten die Angriffe durch die Käfer meist abgewehrt werden. Und bei trotzdem einsetzendem Befall wurden die Käferbäume durch das Borkenkäfer-Management erkannt und schnell aus dem Wald gebracht.“

Kürzere Schwärmphase

Im Ortenaukreis wurden nach Angaben des Landratsamts in diesem Jahr auf einer Waldfläche von 90 000 Hektar nur 3 100 Festmeter Käferholz infolge von Fichten-Borkenkäfer angefallen. Dies entspricht etwa einem Prozent des Gesamteinschlags. „Das Käferjahr neigt sich nun dem Ende, durch die längeren Nächte wird die Schwärmphase der Käfer deutlich reduziert“, sagt Siegfried Huber, Koordinationsrevierleiter für das Borkenkäfermanagement im Ortenaukreis. Werden weiterhin Käferbäume entdeckt, werden diese bearbeitet und aus dem Wald gebracht. „Unser Borkenkäfer-Management läuft weiter“, so Huber.

Pufferzone im Fokus

Mit der Einrichtung des Nationalparks Schwarzwald wurden im Vorfeld massive Schäden durch den Fichten-Borkenkäfer im angrenzenden Wald befürchtet. Befallen viele Borkenkäfer eine Fichte, stirbt diese ab. Deshalb entwickelte eine Arbeitsgruppe 2014 ein spezielles Borkenkäfer-Management für den Nationalpark. Damit Borkenkäfer nicht Schäden in benachbarten Wäldern anrichten, ist der Nationalpark von einer 500 Meter breiten Pufferzone umzogen. Dort werden frisch befallene Bäume entfernt, damit sich aus den in der Rinde abgelegten Eiern nicht die nächste Käfergeneration entwickeln kann. Eigens dafür ausgebildete Mitarbeiter durchstreifen regelmäßig den Pufferstreifen, um befallene Bäume frühzeitig zu entdecken.

Käferfallen im Einsatz

„Durch das Aufstellen von Käferfallen und der wöchentlichen Kontrolle der Fallen bekommen wir einen Überblick über den Beginn der Schwärmphasen und die Populationsentwicklung der Käfer“, so Huber. Wöchentlich werden die Fangergebnisse der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) in Freiburg gemeldet. Die Käferexperten dort geben Handlungsempfehlungen an die Mitarbeiter vor Ort in einem wöchentlichen Newsletter. „Ab Beginn der ersten Schwärmphase werden die gefährdeten Bestände in einem Zyklus von maximal 14 Tagen abgelaufen, die Bäume dabei aus der Nähe in Augenschein genommen und auf Befallsmerkmale kontrolliert“, informiert der Kreisforstrevierleiter.

„Käferbäume“ werden entfernt

Deutliche Merkmale für den Käferbefall sind Bohrmehl an Wurzelanläufen, an Rindenschuppen oder an der Bodenvegetation. „Auch Ferngläser sind im Einsatz, da der erste Befall an den Bäumen am Kronenansatz festzustellen ist“, so Huber. Nach dem Entdecken der Käferbäume müssen innerhalb von 14 Tagen die befallenen Stämme aufgearbeitet, aus dem Wald gebracht und verkauft werden. Dadurch wird das Ausfliegen der Jungkäfer aus den Stämmen und die weitere Ausbreitung im Wald verhindert.
Durch dieses intensive Monitoring gelang es 2016 nach Angaben von Amtsleiter Schütz, den Käferholzanfall rund um den Nationalpark Schwarzwald auf einem sehr niedrigen Niveau zu halten. So seien 2016 in der gesamten Pufferzone des Nationalparks bis heute lediglich 580 Festmeter Käferholz von 381 befallenen Bäumen auf einer Fläche von 4 300 Hektar angefallen. Schütz: „In der 430 Hektar großen Pufferzone des Ortenaukreises waren lediglich 23 Bäume befallen, was 35 Festmeter Käferholz bedeutete“.