Theresa Reutter, Karin Heimberg, Jasmina Jovy und Julian Augenstein (von links) bei der Vorbereitung der Aurealis-Show für die Eröffnungsgala beim Schmuckjubiläum 2017
Theresa Reutter, Karin Heimberg, Jasmina Jovy und Julian Augenstein (von links) bei der Vorbereitung der Aurealis-Show für die Eröffnungsgala beim Schmuckjubiläum 2017 | Foto: Wacker

Galashow in Pforzheim

Schmuckgeschichte auf dem Laufsteg

Gold, Edelsteine und Perlen sind glänzende Grundzutaten für große Geschichte. Dies wird sich bei der Eröffnungsgala zum Jubiläumsjahr 2017 am 12. und 13. Mai zeigen. Den Inhalt dazu hat Jasmine Jovy konzipiert, die bereits bei der Eröffnung des EMMA-Kreativzentrum mit einer Show auf sich aufmerksam machte. Jetzt arbeitet die Schmuckdesignerin daran, die große Fashion- und Designshow zur Feier von 250 Jahre Uhren und Schmuck vorzubereiten.

Neues „Wir-Gefühl“

Sie soll für ein „neues Wir-Gefühl in der Stadt und zwischen einzelnen Industriepartnern sorgen sowie das Potenzial deutlich machen, das Pforzheim hat“. Aussagekräftige Bilder dazu entstehen dieser Tage im EMMA-Kreativzentrum, wo Jovys Atelier ist. Sie hat dafür ein Team aus etwa 30 Designern sowie namhafte Firmen als Sponsoren organisiert.

Zeitgenössische Interpretation

Im Mittelpunkt steht die Aufgabe, die wesentlichen Fertigkeiten, die 250 Jahre Uhren und Schmuck in der Stadt hervorbrachten, auf zeitgenössische Art deutlich zu machen. Die zu den beiden Gala-Abenden erwarteten 3 000 Gäste werden in 19 Bildern zu sechs Epochen sowie in Film und Projektion Mode vom Feinsten zu sehen bekommen. Üppig und sinnlich wie die Barockzeit, als im Waisenhaus alles begann, und gleichzeitig in nie zuvor gesehener Ausprägung präsentieren 19 Frauen und Männer, was die Goldstadt ausmacht.

Goldglänzende Zukunft

Die Zeitrechnung beginnt im Jahr 1767 mit einem guillochierten Zifferblatt. Schließlich war zuerst die Uhr erlaubt. Später auf der linearen Zeitlinie, wenn Gold, Edelsteine und Perlen schon selbstverständlich das Stadtgeschehen beherrschen, treten die Fertigkeiten in den Vordergrund: Gießen, Emaillieren, Ketten machen, Draht- und Metallschlauchproduktion, Flechten, Recyceln, Stanzen, CAD-Entwerfen bis zur Weiterentwicklung in Richtung Medizintechnik. Dazwischen, in der „Krisenzeit von 1923 bis 1945, in der außer Trauringen wenig ging“, wird Pforzheim zum großen Uhrenwerk. Dies alles hat entsprechenden Farben – in diesem Falle Grau, Oliv und Edelstahl – und ist Laufsteg-Perfekt in Szene gesetzt bis hin zum großen Finale, das all das vereint, was idealerweise in eine weiterhin goldglänzende Zukunft führen soll.

Pforzheim produziert Design

„Pforzheim hat alles, es wird aber nie gesagt“, sagt Jovy zu ihrer Motivation, trotz eigener Firma ihre ganze Kraft in diesen Jubiläumsauftritt zu stecken. Sie meint damit, dass es heute bei Designerschmuck quasi nichts gibt von Rang, das nicht in der Goldstadt produziert wird. Wissen soll das aber tunlichst niemand, ebenso wie allenfalls ganz leise geflüstert wird, wenn es darum geht, wo Pariser und Schweizer Luxusmarken ihr Geschmeide produzieren lassen.
Wie viel Wertschätzung die Stadt bei Kennern der Materie genießt, habe sich auch bei der Ausschreibung fürs Showteam gezeigt. An Hochschulen in Düsseldorf, Dänemark und Pforzheim hat Jovy nach Mitarbeitern gesucht, die geringste Reaktion habe sie Vorort bekommen und ist darüber „schwer enttäuscht“.

Einer von drei Glanzpunkten

Dafür biete die Stadt Pforzheim auf anderen Ebenen viel Hilfe für den großen Auftritt, angeführt von einem Film zum Weg vom kreativen Chaos über Handwerkskunst und Hochtechnologie zum fertigen Schmuck- oder Uhrenwerk führt. Neben dem, was Topfirmen an Material und Know-how beisteuern, gibt es auch privates Engagement als Jubiläumsgeschenk. So sind zum Beispiel zwei ehemalige Näherin vom Stadttheater im Showteam, damit die aufwendig gestalteten und aus Ketten, Ringen, Stanzbändern, Geflecht und anderem Geschmeide kreierten Unikate perfekt sitzen.
Im Februar soll alles fertig sein. Dann geht es in die mediale Umsetzung. Das Congresscentrum ist bereits jetzt für eine 270 Grad-Präsentation der Geschichte der Schmuckindustrie vermessen. Die Show unter dem Titel „Aureal“ – eine Verbindung der Begriffe Aurum für Gold und Reality für die Jetztzeit – ist einer von drei Glanzpunkten, mit denen die Goldstadt bei der Gala punkten will.