Taubenkot auf den Bahnsteigen im Pforzheimer Hauptbahnhof
Taubenkot auf den Bahnsteigen im Pforzheimer Hauptbahnhof | Foto: Fix

Tauben scheißen auf Pforzheims Fassade

Ein Spur der Tauben führt zu Pforzheims nunmehr dreifach preisgekröntem Busbahnhof. Sie beginnt auf nigelnagelneuen Betonfließen in anthrazitgrau. In teilweise hoher Farbbrillanz hinterlassen die Tiere dort einen prima ersten Eindruck von der Stadt. Mancherorts ist der Schiss schon gut eingetrocknet, so dass Reisende den Blick auf all die Verschönerungsanstrengungen lenken können, die seit Wochen für Zugumleitungen auf andere Gleise als die üblichen und machen Umweg für die Passanten sorgen. Bei guter Trockenlage kann Slalom-Akrobatik wegfallen, wenn es vom Zug zum Bus oder in die Stadt gehen soll.

Stadt finanziert Bahnhofsumbau mit

Kot an den Schuhen lässt sich ohnehin nicht vermeiden auf den fast fertigen, generalsanierten Bahnsteigen in Pforzheim, deren Umbau und einiges mehr die Stadt mit nunmehr 1,72 Millionen Euro mitfinanziert. Sie machte das Geld locker, um die Ertüchtigung der DB-Immobilie voranzutreiben, wenn nicht gar überhaupt zu ermöglichen. Generelles Ziel ist, das Image der Stadt aufzupolieren.  Der erste Eindruck ist dabei oft von bleibendem Wert. Dominanter Faktor dabei ist seit der Eröffnung beispielsweise von Gleis 2/3 zunehmend breitflächige verteilter Taubenschiss.

Spatzen und Tauben freuen sich gleichermaßen, wenn sie angefüttert werden.
Spatzen und Tauben freuen sich gleichermaßen, wenn sie angefüttert werden. | Foto: Silas Stein/dpa

„Es ist passiert“, lässt ein Pressesprecher der Deutschen Bahn jede argumentative Gegenwehr fahren bei dem tierischen Thema. Die Planung habe die Taubennetze nicht vorgesehen. Natürlich hätte der Posten, der jetzt mit 58 000 Euro in der Nachtragsfinanzierung steht, an der die Stadt mit 15 Prozent beteiligt sei, gleich mitgemacht werden müssen. Da will der Sprecher „nichts schön reden“.

Taubenabwehr beim Umbau vergessen

Es mangelt dem Mann auch sonst nicht an Klagen über widerliche Taubenauftritte an den vielen Bahnhöfen in Süddeutschland, insbesondere in Großstädten. Pforzheim bringt allerdings wenigstens eine neue Variante von Beschwerde mit sich. Dass die Konzentration auf Baufragen für Ärger sorgt, weil die Bahnsteige sich schon wieder dem Zustand vor dem Umbau nähern, ist nicht üblich. Am Aufwand, der Sache Herr zu werden, ändert dies indes nichts.

Mit einem umgebauten Bauwagen versuchte sich die Stadt Offenbach gegen die Vögel zu wehren.
Mit einem umgebauten Bauwagen versuchte sich die Stadt Offenbach gegen die Vögel zu wehren. | Foto: Frank Rumpenhorst dpa/lhe

Reinigungsspezialist Michael Staab, der durch seine Aktion „Pforzheim wird sauber und schöner“ auf sich aufmerksam machte, würde sofort agieren. Solange alles ganz frisch ist, reicht ein Eimer Wasser, so seine Einschätzung. Wenn der Trocknungsprozess dann voran geschritten ist, seien Abstrahlgeräte oder Einscheibenmaschinen mit Stahlpads die Mittel der Wahl. Das größte Problem sei der Ekelfaktor, meint Staab. Er selbst betreue ein Projekt, wo er alle zwei Tage ran müsse.

Krankheitserreger möglich

„Es gibt eine Verkehrssicherungspflicht“, lenkt der Leiter der Technischen Dienste der Stadt Pforzheim, Olaf Backhaus den Blick auf möglicherweise gesundheitsrelevante Aspekte. Neben einer Rutschgefahr drohten bei Taubenkot auch Krankheitserreger zuzuschlagen. Im Falle des Bahnhofs könne die Stadt aber bestenfalls ans Bahnhofsmanagement schreiben und um Abhilfe bitten. Mehr ist nicht drin.
Einen Hinweis auf diese Beschwerdestelle finden Reisende in der Bahnhofshalle, betont der Bahnsprecher. Die für den neuerlichen Taubendreck verantwortlichen Bautechniker will er nicht im Sturm der Verärgerung stehen lassen. „Haben Sie schon einmal einen Geldbeutel vergessen“, macht er deutlich, Fehler sind menschlich. „Sie werden auf jeden Falle behoben“, verspricht er. Ob dafür die Bahnsteige noch einmal gesperrt werden oder ob es kleine Nachtbaustellen gibt, die kaum jemanden behindern, sei noch nicht bekannt. Sobald technisch gesehen der Idealzustand erreicht ist in Sachen Tauben, werde alles noch einmal ganz gründlich gereinigt.
„Wenn findige Tauben keinen neuen Weg finden“, ihr Geschäft auf Kosten des Stadteindrucks zu verrichten, wie der Bahnsprecher befürchtet, sollte es dann klappen mit der neuen Ausstrahlung der Goldstadt, die im kommenden Jahr ganz groß rauskommen will. Sie hofft deshalb nicht nur auf weitere Preise für den neuen Busbahnhof, sondern vor allem auf ganz ganz viele Besucher, denen es so gut gefällt, dass sie den Ruf von Pforzheim als gute Stadt zum Leben und Arbeiten mehren.