Altkleider
Auf wenig Gegenliebe stießen die gelben Eimer zur Altkleidersammlung bei vielen Freistetter Bürgern. Das Landratsamt rät Anwohnern dennoch, die Behältnisse stehen zu lassen. | Foto: Josef Budai

Gelbe Eimer in Freistett

Undurchsichtiges Geschäft mit Altkleidern

Von Josef Budai

Die Freistetter Zieglerstraße, es ist 12 Uhr mittags. Am Sonntag ist es ruhig, wenige Menschen sind unterwegs. Da fällt einem die junge Frau, die ziemlich flink von Hofeinfahrt zu Hofeinfahrt huscht, sofort ins Auge. Ebenso das Auto mit französischem Kennzeichen und einer männlichen Person am Steuer. Ganz offensichtlich das Begleitfahrzeug der Frau, denn der Fahrer hält immer wieder an und öffnet dabei mehrfach den Kofferraum.

Diebe leeren Eimer

Schnell wird dem Beobachter klar, warum sich das Duo zur sonntäglichen Mittagsruhe relativ auffällig auf der Straße bewegt. Denn das Objekt der Begierde der beiden ist weithin sichtbar entlang der gesamten Zieglerstraße, aber auch in weiteren Nebenstraßen, verteilt – nämlich auffallend orangefarbene Sammeleimer einer gewerblichen Altkleidersammlung. Zielstrebig hat man es auf den Inhalt der Eimer abgesehen, der, falls vorhanden, entnommen und in zahlreichen Säcken im Kofferraum verstaut wird. Die darin befindlichen Kleidungsstücke aus den Sammeleimern sind rein rechtlich eigentlich Eigentum der gewerblichen Firma und die unbefugte Entnahme ist daher rechtswidrig. Auf ihr Verhalten angesprochen, will das Duo kein Deutsch verstehen und sucht fluchtartig das Weite.

Irritierte Anwohner

Besondere Aufmerksamkeit haben die Sammeleimer, die nun schon über das zweite Wochenende hin hier abgestellt sind, aber nicht nur bei den Kleiderdieben hervorgerufen, sondern auch bei Anwohnern. Überwiegend werden die Eimer vor dem eigenen Grundstück als eher störend empfunden und auch die relativ lange Standzeit auf dem öffentlichen Gehweg findet nicht gerade Zuspruch der Grundstückseigentümer, vom als negativ wahrgenommenem Einfluss auf das gesamte Ortsbild abgesehen. Auch nicht bei der jungen Mutter, die mit ihrem Zwillingskinderwagen auf dem Gehweg unterwegs ist und erst mal den Eimer aus dem Weg befördern muss, damit ein Durchkommen möglich ist. Abgestellt wurden die Sammeleimer von einer Firma „MA“ aus dem württembergischen Remseck, wie dem angebrachten Hinweiszettel auf dem Eimerdeckel zu entnehmen ist. Dort findet sich auch eine Telefonnummer für weitere Informationen. Außer einem Anrufbeantworter meldet sich dort jedoch niemand und eine Homepage der Firma sucht man ebenfalls vergebens.

Altkleider
Für Bedürftige sammelt das Freistetter DRK Altkleider. Andere sind nicht so selbstlos. Foto: Karen Christeleit | Foto: Karen Christeleit

Profit im Mittelpunkt

Im Gegensatz zu caritativen Einrichtungen, die ihre gesammelten Altkleider an Bedürftige weitergeben, steht bei gewerblichen Unternehmen wie „MA“ der Profit an erster Stelle. Da das Geschäft mit Altkleidern nicht nur in Deutschland lukrativ und der Markt umkämpft ist, nutzen diese Unternehmen nicht selten rechtliche Grauzonen, um möglichst hohe Profite zu erzielen. So wird durch entsprechende Aufdrucke auf den Sammelbehältern, etwa ausgestreckte Hände, der Anschein einer Sammlung für Bedürftige erweckt, meist zum Nachteil wirklich gemeinnütziger Sammlungen, etwa des Roten Kreuzes. Der große Gewinner ist der gewerbliche Unternehmer, denn das Geschäft mit den Altkleidern ist höchst lukrativ.

Wer ist zuständig?

Auf Nachfrage erklärte die Stadtverwaltung Rheinau, dass die Sammlung beim Landratsamt vorschriftsmäßig angemeldet war. Wegen der langen Standzeit habe man das Unternehmen allerdings aufgefordert, die Sammeleimer nun unverzüglich zu entfernen, was so am Dienstag geschehen sei. Nach Auskunft von Martin Knosp vom Amt für Abfallrecht des Ortenaukreises muss eine gewerbliche Sammlung lediglich beim Amt angemeldet werden. Die Zuständigkeit hinsichtlich einer möglichen Begrenzung der Standzeit und der Aufstellung im öffentlichen Verkehrsraum sieht Knosp dann eher bei der Kommune. Ein Entfernen von Sammeleimern vom Grundstück und Abstellen auf dem Gehweg könne eventuell für den Grundstückseigentümer Folgen haben, wenn dadurch jemand zu Schaden komme, warnt Knosp. Er rät deshalb, im Zweifel den Eimer eher stehenzulassen.

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