Pille Verhütungsmittel
Die Pille vom Sozialamt: Bewährt hat sich laut Kreisverwaltung ein Programm, bei dem die Empfänger von Sozialleistungen ihre Verhütungsmittel bezahlt bekommen. | Foto: Carsten Rehder

Verfahren hat sich bewährt

Verhütungsmittel vom Sozialamt im Ortenaukreis

Von Christine Storck
Seit zwei Jahren finanziert der Ortenaukreis bedürftigen Frauen die Verhütungsmittel. Er will dies auch weiterhin tun. Das Projekt habe sich bewährt, zog die Kreisverwaltung jetzt vor dem Sozialausschuss Bilanz. Nach dem Willen des Gremiums sollen sich Paare künftig auch die Sterilisation des Mannes bezahlen lassen können. Neu ist außerdem eine Härtefall-Regelung.

50 000 Euro für Verhütungsmittel

„Es war richtig, dass wir da 2014 eingestiegen sind“, stellte Eberhard Roth (Freie Wähler) fest. Wichtig sei jedoch, die Bedingungen weiterhin genau zu justieren, so dass man den richtigen Personenkreis treffe. Mit den beschlossenen 50 000 Euro Unterstützung, davon 3 000 Euro für Härtefälle, könnten die nächsten zwei Jahre bewerkstelligt werden, ergänzte Landrat Frank Scherer.

154 Frauen nahmen das Angebot 2015 an

Der Kreistag hatte im November 2014 beschlossen, von Januar 2015 an Frauen, die Hartz IV oder Sozialhilfe bekommen, verschreibungspflichtige Verhütungsmittel zu finanzieren. Eingebunden in das Verfahren sind alle Schwangerschaftsberatungsstellen des Ortenaukreises. Dort müssen die Frauen ein Rezept oder den Kostenvoranschlag für das Mittel vorzeigen sowie ihre Bedürftigkeit belegen. Bei niedrigem Einkommen ohne Sozialleistungen können sie sich an lokale Stiftungen wenden. Das Angebot werde genutzt, 2015 nahmen 154 Frauen zwischen 20 und 35 Jahren die Kostenübernahme in Anspruch, im ersten Halbjahr 2016 bereits 112. 94 Prozent haben bereits Kinder, fast die Hälfte drei oder mehr. Mehr als die Hälfte der Frauen waren alleinerziehend.

Härtefallregelung wird eingeführt

Das Ziel einer selbstbestimmten Verhütungs- und Familienplanung unabhängig von psychosozialen oder materiellen Belastungen wurde erreicht, so das Fazit der Kreisverwaltung. Trotzdem soll nun eine Härtefallregelung in den Leistungskatalog aufgenommen werden. Grund dafür ist, das außer in Offenburg, Lahr und Kehl keine Stiftungen sitzen, die Frauen unterstützen können, die nur knapp über den Leistungsgrenzen von Hartz IV oder Sozialhilfe liegen. In den 50 000 Euro Projektbudget sollen deshalb 3 000 Euro für diese Fälle reserviert werden.

Sterilisation des Mannes

Auch die Sterilisation des Mannes soll künftig bezahlt werden. Da diese Verhütungsmethode bisher nur einige Male angefragt wurde, sollten keine höheren Kosten entstehen, ist sich die Verwaltung sicher.