Starter beim Indoor Cycling Marathon in Ettlingen: Der erfolgreiche Paralympics-Teilnehmer Erich Winkler
Starter beim Indoor Cycling Marathon in Ettlingen: Der erfolgreiche Paralympics-Teilnehmer Erich Winkler | Foto: Müller

Erich Winkler in Ettlingen

Vizeweltmeister mit Paracycling-Team Germany

Von Klaus Müller

Erich Winkler aus Landshut ist  Vizeweltmeister im Straßenrennen. Er gehört dem Paracycling-Team Germany an und   nahm  jetzt  am  Indoor Cycling Marathon  im Ettlinger Sportzentrum Palermo teil. Seit einem Unfall fehlt dem Sportler der rechte Arm, das linke Bein ist ab dem Knie amputiert.

Nach vier Tagen traf er eine Entscheidung. Vier Tage zuvor lag er noch im Koma. Beim Aufwachen musste er feststellen, dass er keinen rechten Arm mehr hatte und dass ihm sein linkes Bein ab dem Knie amputiert wurde. Und jetzt? Die Gedanken von Erich Winkler kreisten um die Gegenwart, seine Hilflosigkeit, und am Ende um die Zukunft – wie es weitergehen wird; die Folgen eines schweren Motorradunfalls, der wie ein scharfe Axt in sein Leben krachte. Vier Tage lang dauerte das an, erzählt der 48-jährige Familienvater aus Landshut.

Das Leben geht weiter

Nach vier Tagen stand sein Entschluss fest: „Das Leben geht weiter. Und ich werde wieder Sport machen.“ Inzwischen sind 15 Jahre vergangen. An die Prothesen hat sich Winkler längst gewöhnt. In aller Ruhe spricht der unüberhörbare Bayer von der damaligen Zeit, von dem, was in den folgenden Jahren geschah. Unlängst war er in Ettlingen bei einem  Indoor Cycling Marathon, in Kooperation veranstaltet vom Ettlinger Sportzentrum Palermo und von der Firma „ReN Group“ aus Ettlingen, die unter anderem solche Indoor Cycling Veranstaltungen organisiert – nichts anderes als Radfahren in der Halle mit fest installierten Rädern.

Bronzemedaille bei den Paralympics

Radfahren ist auch das Stichwort für Winkler. Er gehört dem Paracycling-Team-Germany an, er wurde Vizeweltmeister im Straßenrennen, er gewann etliche nationale wie internationale Rennen, er ist Teilnehmer an vier Paralympics, er ist Bronzemedaillengewinner – und er verfügt über eine unglaublich lockere lebensbejahende Art. Nein, sein Leben sei nach dem Unfall nicht schlechter geworden. „Es ist nur anders geworden. Vielleicht sogar etwas entspannter.“ Schließlich tue er das, was er tun wolle.
Früher, vor dem Unfall, als er beruflich selbstständig war, standen viel Arbeit, der Sport und die Familie (daran hat sich nichts geändert) im Mittelpunkt. „Auch das war ein schönes Leben.“ Mit seinem Schicksal hadert Winkler nicht. Fast könnte man sagen, das Gegenteil sei der Fall. „Nach meinem Unfall habe ich unglaublich viel erleben dürfen, bin zu Orten gekommen, wo ich normalerweise nie hingekommen wäre. Ich denke da nur an die Paralympics in Rio oder Peking.“

Ein Buchgeschenk von der Stadt Ettlingen

Dass er mal „schlechte Gedanken hatte“, dass er unmittelbar nach dem Aufwachen aus dem Komma auch an den Tod dachte, stellt er gar nicht in Abrede. Vier Tage lange hielt das vor. Dann startet Erich Winkler in sein neues Leben – eine Fahrt, die bis zum heutigen Tag anhält. „Doch, das passt schon“, sagt er, getragen von einer gehörigen Portion Grundoptimismus und Ehrgeiz und dabei unterstützt von treuen Sponsoren. Beim „Radeln“, in Ettlingen kurz unterbrochen als ihm Alfredo Palermo ein Buchgeschenk der Stadt überreichte, gibt´s für ihn keine Grenzen.