Wasserturm
Die Anlage wäre noch einsatzbereit: Wie es im Inneren des Rastatter Wasserturms aussieht, wurde Interessierten bei einer Führung gezeigt. | Foto: Friedrich

Rastatter Wahrzeichen

Wasserturm als Denkmal?

Von Stephan Friedrich

Er ist einer der Wahrzeichen Rastatts: Der große Wasserturm zwischen der Badner Halle und der Schlossgalerie. Seinen 100. Geburtstag feierte er bereits im Jahr 2002 und bis vor zwei Jahren versorgte er die Menschen im Rastatter Industriegebiet Lochfeld sowie in Rauental zumindest nachts mit frischem Trinkwasser. Jetzt gab es für rund 20 Interessierte bei einer öffentlichen Führung der star.Energiewerke die seltene Möglichkeit, den Wasserturm einmal von innen anzusehen und einen besonderen Blick auf Rastatt zu genießen.

Früher kam das Wasser durch Holzrohre

Etwas versteckt hinter dem Café Pagodenburg befindet sich der Eingang. Zunächst geht es durch das Dekolager des Cafés, dann einige Stufen nach oben und schon steht man im Herzen des Rastatter Wasserturms. „Rund 670 Kubikmeter Wasser kann der Turm fassen“, berichten Rainer Sauer und Horst Kühn, die die Führung leiten. Hier oben können die Besucher einen Blick auf die Anfänge der Wasserversorgung in Rastatt werfen. Denn eine Holzrohrleitung aus dem Jahr 1760 verrät, wie vor rund 250 Jahren das Wasser in die Rastatter Haushalte kam. „Alles war recht einfach gehalten, die Wasserverluste unterwegs waren groß und das Trinkwasser hatte bei weitem nicht die Qualität, die es heute hat“, berichtet Rainer Sauer.

Intze-Behälter wog gefüllt 670 Tonnen

Am 1. Januar 1902 wurde der Rastatter Wasserturm zusammen mit dem zeitgleich erbauten Wasserwerk in Rauental in Betrieb genommen. Immer wieder wurde er technisch modernisiert, indem beispielsweise Pumpen ausgebaut und durch leistungsstärkere ersetzt wurden. „Durch zwei drehzahlgeregelte Pumpen konnten wir den Wasserdruck auf bis zu 4,5 bar erhöhen“, berichtet Rainer Sauer. Erhalten ist der große, genietete Stahlblechbehälter im dritten Stock des Wasserturms. Er ist rund sechs Meter hoch und hat einen Durchmesser von 11,5 Meter. „Es ist das Original aus dem Jahr 1902“, berichtet Rainer Sauer und erzählt, dass der nach seinem Erfinder Intze benannte Behälter Seitenkräfte auf das tragende Bauwerk vermeidet. Denn war der Behälter vollgefüllt, wog er rund 670 Tonnen. Einmal pro Jahr wurde der Behälter gereinigt. Mitarbeiter der star.Energiewerke kletterten gut gesichert in den riesigen Behälter, prüften diesen auf Roststellen oder kleine Risse und sorgten dafür, dass er auch heute noch gut in Schuss ist.

Mit dem Kescher gegen Blätter und Fliegen

In rund 28 Metern Höhe erhielten die Besucher einen Blick auf den Wasserbehälter und das Holzgebälk der Wasserturmspitze. In den Behälter selbst kann man nicht hineinsehen, da dieser abgedeckt ist. Als Horst Kühn bei der Rastatter Wasserversorgung in den 80er Jahren begann, war das noch anders: „Früher haben wir hier mit einem Kescher die Blätter und Fliegen aus dem Wasser gefischt“, berichtet er. Mit den heutigen Standards für Trinkwasser wäre dies unvereinbar. Die hohen Standards haben auch dazu geführt, dass der Wasserturm und das Wasserwerk in Rauental seit gut zwei Jahren nicht mehr in Betrieb sind. Wie mehrfach berichtet, wird derzeit eine Filteranlage gebaut, um das Wasser vom dort aufgetretenen PFC zu reinigen.

Wie geht es mit dem Turm weiter?

Aktuell ist unklar, ob der Wasserturm je wieder Rastatter mit dem kostbaren Trinkgut versorgen wird oder ob er als Denkmal erhalten bleibt. Sollte es so kommen, würde er sich in guter Gesellschaft befinden: „Von den rund 370 Wassertürmern in Baden-Württemberg ist kaum noch einer in Betrieb“, berichtet Rainer Sauer.
Nach der Führung erlebten die Besucher einen ungewöhnlichen, weil aus dieser Perspektive seltenen Blick über Rastatt. „Aus diesem Blickwinkel habe ich die Schloss-Galerie und die Badner Hallo mit der Pagodenburg im Vordergrund noch nie gesehen“, freute sich nicht nur Marian Glotter.