Ein Mann des Ausgleichs:  Werner Hirth steht kurz vor dem Ende seiner achtjährigen Amtszeit als Erster Bürgermeister in Baden-Baden. Der 66-Jährige hängt mit Leib und Seele an der Arbeit in der Kommunalverwaltung.
Ein Mann des Ausgleichs: Werner Hirth steht kurz vor dem Ende seiner achtjährigen Amtszeit als Erster Bürgermeister in Baden-Baden. Der 66-Jährige hängt mit Leib und Seele an der Arbeit in der Kommunalverwaltung. | Foto: Collet

Baden-Badens Bürgermeister

Werner Hirth ist zum Abschied mit sich im Reinen

Werner Hirth muss nicht lange überlegen: „Ich bin mit mir im Reinen“, sagt Baden-Badens Erster Bürgermeister kurz vor dem Ende seiner Amtszeit. Die offizielle Verabschiedung ist am 29. September im Kongresshaus vorgesehen. „Die vier Jahrzehnte waren eine erfüllte Zeit“, betont der 66-Jährige und fügt voller Überzeugung hinzu: „Ich würde es wieder so machen.“ Vor allem die Jahre als Bürgermeister seien seiner Persönlichkeit geradezu auf den Leib geschnitten gewesen.
Natürlich kommt bei Hirth, dessen Herz mit Leib und Seele für die Arbeit Kommunalverwaltung schlägt, angesichts des bevorstehenden Abschieds Wehmut auf. Doch die Entscheidung, nach acht Jahren aufzuhören, habe er schon bei seinem Amtsantritt getroffen. „Ich hätte bis 73 weitermachen können“, erläutert der Dezernent. Er habe sehr wohl darüber nachgedacht, doch der Entschluss aufzuhören, sei schnell klar gewesen. Der Hauptgrund: Er möchte einfach noch Zeit haben, etwas Anderes zu tun.
Was das sein könnte, liegt für ihn auf der Hand: „Ich möchte zu den Menschen zurückkehren, bei denen ich daheim bin“, bekräftigt er. Dazu zählen seine Familie, Freunde und viele andere Menschen. Überhaupt die Menschen. Für Hirth waren sie ein wesentlicher Grund, als junger Mann seine berufliche Zukunft in der Kommunalverwaltung zu suchen. Dabei stand am Anfang eine völlig andere Orientierung: die Theologie. „Aufgrund meiner humanistischen und christlichen Prägung war das nur konsequent.“ Er gehe mit seinem geschulten analytischen Denken den Dingen gerne auf den Grund.

Theologie steht am Anfang

Doch den Berufsweg des Priesters wollte er dann doch nicht einschlagen. Stattdessen der Schwenk zur Rechtswissenschaft. „Jura erschließt alle Lebensbereiche“, begründet Hirth diesen Schritt, „auch die Kommunalverwaltung, für die ich mich dann entschieden habe“. Das humanistische Menschenbild und das christliche Fundament prägen seine Arbeit zutiefst – auch in der Auseinandersetzung mit dem politischen Gegner. „Mein oberster Grundsatz lautet: offen und ehrlich zu diskutieren, dabei aber immer Achtung und Respekt vor dem Anderen zu haben.“
Hirth macht keinen Hehl daraus, dass das Bürgermeisteramt für ihn die Krönung seiner Karriere bedeutet. „Dabei hatte ich in keine politische Funktion gedrängt“, sagt er und gesteht dann im Rückblick: „Für mich war das eine menschliche Erfüllung.“

„Das Amt war eine menschliche Erfüllung“

Fünf Oberbürgermeister hat er in seiner Laufbahn erlebt. „Alle waren ganz unterschiedliche Charaktere, aber jeder hatte seine Stärken. Ich habe von jedem viel gelernt“, versichert Hirth. Im Umgang mit dem Gemeinderat habe er immer versucht, offen, ehrlich und vertrauensvoll zusammenzuarbeiten. „Das war mir wichtig“, betont der Mann der eher leisen Töne. Er räumt allerdings ein, dass die schrilleren Töne in jüngster Zeit zunähmen. „Der Gemeinderat ist eben ein Spiegel der gesellschaftlichen Entwicklung.“
Seine Erfolge als Dezernent? Da gibt Hirth sich eher bescheiden: „In acht Jahren war nicht alles zu erreichen.“ Doch dann listet er einiges auf, woran sein Herzblut hing: Stadt- und Wohnbauentwicklung, die gelungene Konversion der Cité („das ist inzwischen der Jungbrunnen der Stadt“) sowie Investitionen in den Neubau und die Sanierung von Schulen, Hallen, Kitas und Straßen. Ihm sei es vor allem darum gegangen, die Stadt zukunftsfähig zu machen.  Die Bilanz vor dem Abschied fällt eindeutig aus: „Das Amt hat mir mehr Freude gemacht als mich belastet.“

Zur Person

Werner Hirth ist verheiratet und hat zwei Kinder. Nach dem Abitur am Ludwig-Wilhelm-Gymnasium in Rastatt studierte er von 1969 bis 1971 zunächst Theologie in Freiburg, wechselte dann zu Jura und legte 1975 sein 1. juristisches Staatsexamen ab.
Er arbeitete als Referendar in der Justiz, öffentlichen Verwaltung und bei einem Rechtsanwalt. Nach dem 2. juristischen Staatsexamen wurde er 1978 stellvertretender Leiter des Rechts und Bauordnungsamts Baden-Baden. 1980 ging er als Richter ans Verwaltungsgericht Stuttgart, übernahm 1981 die Leitung des Rechts- und Bauordnungsamts Baden-Baden und wurde 1991 Stellvertreter des Baudezernenten sowie 1997 Baureferatsleiter.
Hirth war dreifacher Geschäftsführer: ab 2000 bei der Gesellschaft für Stadterneuerung und Stadtentwicklung, ab 2001 bei der Entwicklungsgesellschaft Cité und ab 2007 bei der Gewerbeentwicklung. Seit Oktober 2008 ist er Erster Bürgermeister der Bäderstadt.