Für die Neugestaltung der Freiflächen im Bereich der „Lammbrücke“ soll ein städtebaulicher Wettbewerb die Ideen liefern.
Für die Neugestaltung der Freiflächen im Bereich der „Lammbrücke“ soll ein städtebaulicher Wettbewerb die Ideen liefern. | Foto: Michael Moos

Zündende Ideen sind gefragt

Wettbewerb für neues „Stadttor“ von Achern

Von Michael Moos
Die Erwartungen sind groß: Von dem städtebaulichen Ideenwettbewerb zur Neugestaltung der Freiflächen an der Lammbrücke erwarten Stadtverwaltung und Gemeinderat entscheidende Impulse für die weitere Entwicklung der Innenstadt von Achern. Als Empfehlung an den Gemeinderat nahm jetzt der Bau- und Umweltausschuss den von der Kommunalentwicklung Stuttgart (KE) ausgearbeiteten Auslobungstext einstimmig zur Kenntnis. In diesem Zusammenhang sprachen sich Vertreter aller Fraktionen dafür aus, einen Erhalt des von der Stadt erworbenen Gebäudes Hauptstraße 4 (ehemalige „Höhere Bürgerschule“) zumindest zu prüfen.

Preisgericht tagt am 4. Mai 2017

Nach dem von Julia Schütz (KE) vorgelegten Zeitplan wird der „Nichtoffene städtebauliche Wettbewerb Lammbrücke/Auftakt Stadtkern“ Ende Oktober ausgeschrieben. Bereits am 4. Mai 2017 soll das Preisgericht tagen. Teilnehmen können Architekten und Stadtplaner, die allerdings zwingend mit Verkehrsplanern zusammenarbeiten müssen. Ziel ist nicht nur die Neuordnung des benachbarten Kreuzungsbereichs mit den angrenzenden Quartieren, sondern auch die Einbindung der Acher als „naturräumliches Element“ und die Erarbeitung einer Lösung als Ersatz für die wegfallenden Parkflächen.
„Wir stehen am Anfang einer hoffentlich guten Entwicklung“, verwies Karl Früh im Namen der CDU auf die Bedeutung des südwestlichen Ortseingangs für die Innenstadt. Gebhard Glaser (Freie Wähler) sprach von einem „sehr bedeutenden Entwicklungsschritt“ für unsere Stadt“. Diese habe einen Teil der heute als provisorische Autostellplätze genutzten Flächen bereits vor Jahrzehnten erworben, um sie einer neuen Nutzung zuzuführen. Als eine „große Chance“ bezeichneten Jutta Römer (ABL) und Markus Singrün (SPD) den Wettbewerb.

„Kaum noch historische Gebäude“

Alle Beteiligten setzen letztlich auf die Kreativität der Wettbewerbsteilnehmer, deren Ideen bei einer komplexen Aufgabenstellung gefragt sind. Das gilt auch in der Frage der Erhaltung des Gebäudes der ehemaligen Höheren Bürgerschule. Auch die CDU, die sich in diesem Zusammenhang zunächst gegen die Wahrnehmung des Vorkaufsrechts für das betreffende Grundstück ausgesprochen hatte, zeigte sich nunmehr offen für den von einer Bürgerinitiative um Johannes Mühlan, Siegfried Stinus und Peter Storch geforderten Erhalt des Gebäudes. Dafür spreche nach den Worten von Karl Früh nicht nur die Nähe des aus dem 19. Jahrhundert stammenden und im spätklassizistischen Weinbrenner-Stil erbauten Hauses zum Klauskirchel, sondern auch die Tatsache, dass in Achern „kaum noch historische Gebäude zu finden sind“. Dem pflichten auch die anderen Fraktionen bei. Zumindest, so hieß es, sollte die Fassade des Hauses erhalten bleiben.

Das im "Weinbrenner Stil" errichtete Gebäude der ehemaligen "Höheren Bürgerschule" soll nach dem Willen einer Initiative Acherner Bürger nicht abgerissen werden
Das im „Weinbrenner Stil“ errichtete Gebäude der ehemaligen „Höheren Bürgerschule“ soll nach dem Willen einer Initiative Acherner Bürger nicht abgerissen werden | Foto: Michael Moos

Als „Symbol für Acherns Bildungskultur“ wertet die von Johannes Mühlan, Siegfried Stinus und Peter Storch getragene Initiative das Gebäude in der Hauptstraße 4. Sie wendet sich gegen den drohenden Abriss nicht nur unter architektonischen Aspekten, sondern auch mit dem Hinweis auf die Bedeutung des zu Beginn der 1840er Jahre im Weinbrenner-Stil erbauten Gebäudes für die Acherner Schul- und Erziehungsgeschichte. Mit dem gegen den Willen konservativer Kreise ergangenen Beschluss, ab 1880 auch Mädchen in die drei Jahre zuvor hier eingerichtete „Höhere Bürgerschule“ aufzunehmen, sei damit auch eine Entscheidung für die Gleichberechtigung der Frauen getroffenen worden: Bis dahin sei Mädchen der Zugang zu einer höheren Schulbildung in Achern verwehrt worden. „Die Gründung einer Höheren Bürgerschule ist wie die Errichtung des Bürgerspitals Ausdruck des damaligen zukunftsorientierten städtischen Denkens“, heißt es in einem Schreiben der Initiative, welches die Acherner Bürger um Hilfe bei der Bewahrung „dieses für Acherns Geschichte und Identität wichtigen Gebäudes“ bittet.
Gegen den Abriss hatte sich bekanntlich auch Ulrich Maximilian Schumann als Präsident der Friedrich-Weinbrenner-Gesellschaft (Karlsruhe) ausgesproch. Für ihn ist klar, dass das Gebäude auch der von Weinbrenner-Schüler Hans Voß geplanten Acherner Illenau ähnelt.