Tulla-Gymnasium in Rastatt
Das Tulla-Gymnasium hat eine neue Schulleiterin. | Foto: Collet

Neue Schulleiterin in Rastatt

„Wir hätten gerne zwei G8- und G9-Züge parallel“

Die ersten Tage als Schulleiterin liegen hinter ihr, nun steht das neue Schuljahr an: Seit dem 1. September ist Andrea Rösch die neue Schulleiterin des Tulla-Gymnasiums und hat als solche bereits einiges um die Ohren: Baustellenorganisation, letzte Ferienkurse abwickeln, Jubiläumsvorbereitung… „Es ist schon angenehm, wenn man an der Spitze zu zweit ist“, gibt sie im Gespräch mit den Badischen Neuesten Nachrichten unumwunden zu.

Kollegium und Verwaltung stehen hinter Rösch

Da Rösch bereits vorher stellevertretende Schulleiterin unter Peter Blessing war, ist nun ihr ehemaliger Posten frei, und das voraussichtlich ein Jahr. Doch die Freude darüber, sich im Wettbewerb um die

Andrea Rösch
Engagiert für das Tulla ist die neue Schulleiterin Andrea Rösch. | Foto: Collet

Schulleitung am Ende doch durchgesetzt zu haben, überwiegt. „Den Gemeinderat konnte ich nicht von mir überzeugen. Das ist ein Wermutstropfen“, blickt die dunkelhaarige Frau mit dem Bob auf die Bewerbungsphase zurück. „Aber ich habe das Kollegium und die Stadtverwaltung hinter mir und das Gefühl, willkommen zu sein.“

Von Baden-Baden nach Rastatt

Andrea Rösch ist vor sechs Jahren vom Markgraf-Ludwig-Gymnasium Baden-Baden nach Rastatt gewechselt und hatte so ausreichend Gelegenheit, das Tulla-Gymnasium kennenzulernen und unter ihrem Schulleiter Peter Blessing erste eigene Akzente zu setzen. „Wir haben uns gut ergänzt und auch persönlich gut verstanden.“

Wir haben uns gut verstanden

Gleich in Röschs Anfangszeit fiel der Beschluss, das Tulla in eine Ganztagsschule umzuwandeln. „Daran habe in intensiv mitgearbeitet und das Konzept läuft jetzt auch ganz gut“, freut sie sich. Zur selben Zeit gab es auch den doppelten Abiturjahrgang, der durch die Umstellung vom neunjährigen auf das achtjährige Gymnasium (G9 auf G8) entstanden war. „Plötzlich hatten wir 180 Abiturienten, das war eine ganz neue Erfahrung“, erinnert sich Rösch.

Potenzial für G9 gibt es

Inzwischen ist die Kursstufe, wie die Oberstufe inzwischen genannt wird, wieder kleiner: Das Tulla startet mit rund 700 Schülern ins neue Schuljahr. An die glorreichen Zeiten mit mehr als 1 000 Schülern reicht das Gymnasium zwar nicht mehr heran, doch insgesamt ist Rösch zufrieden. „Nach dem Doppeljahrgang hat jede Schule etwa 100 Schüler verloren“, erklärt sie. Hinzu komme, dass das Tulla-Gymnasium keine G9-Klassen anbieten darf. „Das ist politisch so gewollt, aber wir hätten gerne zwei G8- und G9-Züge parallel.“

Befürworterin von G8

Dabei ist Rösch keine Gegnerin des achtjährigen Gymnasiums. Es gebe zahlreiche Schüler, die G8 bewältigen könnten, und auch noch Freizeit hätten. Aber es gebe eben auch solche Schüler, denen G9 gerechter würde. 95 Anmeldungen für G8 hat es in diesem Schuljahr gegeben – „die 100 würde ich gerne bald knacken“, sagt die neue Schulleiterin lachend.

AbiBac ist arbeitsaufwendig

G8 macht es auch für den AbiBac-Zug schwieriger, da diese Schüler durch den zweisprachigen Unterricht sowieso schon mehr Stunden hätten. „Durchschnittlich ist das ein Nachmittag mehr“, erklärt Rösch. Umso mehr freut sie sich, dass nach einer kleinen Flaute ohne bilingualen Zug wieder 20 Anmeldungen für das aktuelle Schuljahr vorliegen.

Förderung aller Leistungsstufen

Besonders am Herzen liegen der neuen Tulla-Leiterin auch das Förderkonzept, das vor zwei Jahren etabliert wurde. Dabei geht es nicht nur darum, schwächere Schüler zu unterstützen, sondern auch Angebote für leistungsstarke Schüler zu machen. Hinzu kommen einwöchige Ferienkurse, in denen die Schüler vor Beginn der Kursstufe noch einmal den Mittelstufenstoff auffrischen können. „In diesem Jahr gab es mehr als 40 Anmeldungen. Das Angebot wird sehr gut angenommen“, freut sich Rösch, die das Konzept noch aus Baden-Baden kannte.

Naturwissenschaften sollen gestärkt werden

Als Lehrerin für Mathe und Physik liegen Rösch die Naturwissenschaften besonders nahe. Die Stärkung der Informatik, wie vom Land geplant, begrüßt die neue Schulleiterin daher sehr. „Wenn die Schüler bei ihrem Abschluss nicht sagen: ,Oh Gott, Physik und Co sind so schrecklich‘, sondern ,Naturwissenschaften sind toll‘, das würde ich mir wünschen.“

Umbau ist in vollem Gange

Vorher jedoch erwarten Andrea Rösch noch Herausforderungen ganz anderer Natur: Derzeit werden die Sanitäranlagen der Schule erneuert, im Herbst soll es damit weitergehen. Die Fachklassenräume haben neue Lüftungen erhalten und das Sportgelände eine neue Laufbahn. Im Oktober wird der Gemeinderat dann über die Sanierung der Außenfassade entscheiden. „Ich freue mich zwar nicht auf den Lärm, aber darauf, dass wir dann auch von außen wieder ein schönes Bild abgeben werden.“ Außerdem könnte mit der Fassadensanierung auch der Grundstein für eine multimediale Schule mit Tablets und WLAN gelegt werden, hofft Rösch.

Von innen liebt die neue Schulleiterin ihre Schule, wie sie ist: „Die bunten Flure sind toll. Ich freue mich jeden morgen, wenn ich vom Parkplatz reinlaufe.“ Und das auch, wenn sich die Arbeit bereits auf dem Schreibtisch stapelt.