Taufe am See:
Ein ausgewogenes Verhältnis bei Täuflingen mit nur einem und zweiten Namen sieht Pfarrer André Kendel (Dritter von links) auch am Beispiel unlängst am Leopoldshafener See getaufter Kinder. Dennoch scheinen Zweitnamen wieder im Aufwind zu sein.
Taufe am See: Ein ausgewogenes Verhältnis bei Täuflingen mit nur einem und zweiten Namen sieht Pfarrer André Kendel (Dritter von links) auch am Beispiel unlängst am Leopoldshafener See getaufter Kinder. Dennoch scheinen Zweitnamen wieder im Aufwind zu sein. | Foto: Werner

Familiäre Bezüge sind wichtig

Zweitnamen sind im ländlichen Raum beliebt

Von Alexander Werner

Wozu braucht man eigentlich einen Zweitnamen? Diese Frage stellen sich offensichtlich viele Menschen und verzichten bei ihren Kindern gleich ganz darauf. Nicht erst seit gestern. 1974 erreichte die Quote mit nur knapp 32 Prozent einen Tiefpunkt. Mittlerweile liegt sie nach einer Umfrage von Ancestry.de in Zusammenarbeit mit TNS Infratest bei 35 Prozent. Die „Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS)“ kam 2014 auf einen Anteil von 37 Prozent bei Kindern mit zwei und von 3,5 Prozent mit drei Namen. Was auffällt bei den Erhebungen, Zweitnamen mit familiären Bezügen sind seit geraumer Zeit wieder im Aufwind.

Trend zu alten deutschen Namen

Das korrespondiert mit einem jüngeren Trend hin zu alten deutschen Namen ob nun beim Erst- oder Zweitnamen. Ein Punkt, der auch Leopoldshafens evangelischem Pfarrer André Kendel bei Namen wie etwa Max oder Emma auffällt. Tatsächlich steht Maximilian bei den beliebtesten Vornamen in Bund und Land an erster Stelle, bei Zweitnamen neben Alexander und Paul ganz weit oben. Emma mehr beim Erstnamen, dafür beiderseits alle Varianten von Sophie auf dem Toprang sowie Maria und Marie als traditionelle Rückbesinnung in beiden Listen direkt dahinter.

Zweitnamen finden im ländlichen Bereich eher Zuspruch

Wenn Kendel die Namen der Täuflinge betrachtet, kommt er auf ein ausgewogenes Verhältnis von solchen mit nur einem oder mit zweitem Namen. „Das hält sich in etwa die Waage“, resümiert Kendel. Das könnte auch ein Hinweis darauf sein, dass Zweitnamen im ländlichen Gebiet regeren Zuspruch finden. Wie er, weist auch sein katholischer Kollege Uwe Lüttinger von der katholischen Kirchengemeinde Hardt darauf hin, dass Kinder nicht wie oft angenommen auf ihren Namen getauft werden, sondern im Namen Gottes mit Aufnahme in die Gemeinschaft der Kirche und mit Gott. Natürlich sei der Name wichtig, denn er drücke das Einzigartige des Menschen aus, so Lüttinger. Sein Eindruck ist bei „wirklich vielen Kindern“ mit Zweitnamen, dass diese zugenommen haben.

Kultureller Aspekt kommt zum Tragen

Offizielle Statistiken gibt es nicht. Standesämter im BNN-Hardtgebiet erhalten die Daten zentral aus Karlsruhe übermittelt. Sabine Haffner im Dettenheimer Amt kommt speziell durch die Erfahrungen mit dort üblichen Glückwünschen und Willkommensgeschenken für Neugeborene zum dem Schluss, dass das Verhältnis von nur einem und zwei Namen bei ungefähr 50 zu 50 liegt. Sabine Tottewitz von der Leopoldshafener Kita „Schatzkiste“ fallen doch relativ viele Zweitnamen auf. Auch der Aspekt der kulturellen Herkunft komme dabei zum Tragen. Wie Ahmet Sener, Vorsitzender des Türkischen Elternvereins Stutensee, weiß, seien Zweitnamen im türkischen Kulturkreis zwar weiter in der Minderzahl, aber offensichtlich stärker im Kommen.

Rückbesinnung auf familiäre Bezüge

Anfang des 20. Jahrhunderts war es hierzulande normal, mindestens zwei Vornamen zu führen und noch später gängige Praxis. So, dass auch Rußheims Ortsvorsteher Manfred Werner, der dieser Tage seinen 70. Geburtstag feierte, früher den Eindruck hatte, dass fast jeder einen solchen hatte, das später aber etwas nachgelassen habe. Sein Zweitname Emil kommt im heutigen Trend wieder häufiger zu Ehren. Als Standesbeamter sieht er ebenso einen ausgewogenen Anteil von Zweitnamen. Während junge Deutsche bei solchen wieder verstärkt auf familiäre Bezüge achten, sehen andere Zweitnamen bei ihren Kindern als überflüssig an oder bedauern nicht, wenn sie selbst keinen haben.

Alle Vornamen gleichberechtigt

Weithin nicht wirklich geläufig ist, dass es in Deutschland seit 1960 keine Rufnamen mehr gibt. Demnach sind seither alle Vornamen gleichberechtigt und können nach Belieben der Bürgerinnen und Bürger im privaten Rechts- und Geschäftsverkehr genutzt werden. Es bleibt jedem selbst überlassen, welchen Namen er für sich oder seine Kinder zum Rufnamen wählt.

Ohne offiziellen Charakter aber verlieren solche privat auserkorenen Rufnamen im behördlichen Umgang an Bedeutung. So erhält bei Orts- und Standesämtern der erste Namen im Prinzip den Status des Rufnamens. Denn bei gleichberechtigten Vornamen werden diese seit 2010 von links nach rechts aus der Geburtsurkunde in Pässe und Personalausweise übernommen.Üblich sind auch Doppelnamen mit Bindestrich oder nach amerikanischem Vorbild auf ein Initial mit Punkt reduzierter Zweitname.

Komplikationen sind möglich

Zwangsläufig kann es Komplikationen mit sich bringen, wenn bei Amts- oder Geschäftsverkehr nicht der so eingetragene erste Name, sondern ein anderer, als Rufname gebräuchlicher verwendet wird. Das ebenso, wenn anstelle des kompletten Erstnamens eine im alltäglichen Leben bevorzugte variierte Form wie beispielsweise Anja statt Anna sozusagen in die Amtsmühle rutscht.

Geschehen ist solches einer Frau im BNN-Hardtgebiet, die sich arbeitslos meldete und im Formular- und Schriftverkehr versehentlich auch die zweite Variante ihres Namens benutzte und so plötzlich als zwei Personen geführt wurde, wie sich ergab. Denn die eine erhielt einen positiven Bescheid, die andere angesichts nicht erfolgter Rückmeldung und Fristüberschreitung einen negativen.