Polizisten mit Maschinenpistolen stehen in München am Hauptbahnhof und sichern das Gelände.
Polizisten mit Maschinenpistolen stehen in München am Hauptbahnhof und sichern das Gelände. | Foto: dpa

Ermittler: kein IS-Bezug

München: Täter war wohl psychisch krank

Der kaltblütige Anschlag von München geht auf das Konto eines vermutlich psychisch kranken Amokläufers. Den befürchteten Bezug der Bluttat zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gebe es nach bisherigen Erkenntnissen nicht, bestätigte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) am Samstag in Berlin.

Der 18-Jährige Einzeltäter erschoss vor und in dem Olympia-Einkaufszentrum neun Menschen – darunter sechs Jugendliche – und anschließend sich selbst. In der Wohnung des jungen Mannes sei Material gefunden worden, das Verbindungen zum Amoklauf von Winnenden 2009 und zum Massenmord des Norwegers Anders Behring Breivik vor genau fünf Jahren vermuten lasse, sagte de Maizière weiter.

Kanzlerin zeigt sich geschockt

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte sich nach dem Amoklauf vom Vorabend mit insgesamt zehn Toten geschockt. Zugleich lobte sie – wie auch de Maizière – die Einsatzkräfte für ihre «hoch professionelle» Arbeit. «Sie waren und sind im besten Sinne Helfer und Beschützer der Bürgerinnen und Bürger.» Die Zusammenarbeit der Behörden Bayerns und des Bundes habe «eng und nahtlos» funktioniert. Nun gehe es darum, die Morde vollständig aufzuklären.

Deutschland trauere «mit schwerem Herzen um die, die nie mehr zu ihren Familien zurückkehren werden», sagte Merkel. Sie fügte an die Adresse der Angehörigen hinzu: «Wir denken an Sie, wir teilen Ihren Schmerz, wir leiden mit Ihnen.»

Innenminister: Täter war ein unbeschriebenes Blatt

Der Amokläufer war nach den Worten de Maizières für die Sicherheitsbehörden zuvor ein unbeschriebenes Blatt. «Gegen ihn waren bisher keine polizeilichen Ermittlungen bekannt.» Deswegen habe es auch keine staatsschutzrelevanten Informationen gegeben. «Und es gibt auch keine Erkenntnisse der Nachrichtendienste über diese Person.» Möglicherweise sei der junge Deutsch-Iraner gemobbt worden. Die Frage, wie es zu solchen «Explosionen von Gewalt» kommen könne und ob die Tat absehbar war, müsse sich möglicherweise eher an das direkte Umfeld des 18-Jährigen richten als an die Sicherheitsbehörden.

Brutale Internetvideos mitverantwortlich?

Der Bundesinnenminister lehnte rasche Debatten über gesetzgeberische Reaktionen auf die Bluttat mit insgesamt zehn Toten vom Freitagabend ab. «Heute ist nicht die Stunde für Konsequenzen, schon gar nicht, wo die Ermittlungsergebnisse noch nicht vollständig vorliegen.» De Maizière machte brutale Internetvideos und Computerspiele für Gewaltexzesse wie in München mitverantwortlich.

Münchens Polizeipräsident Hubertus Andrä sagte, der 18-Jährige habe sich nach dem Amoklauf selbst getötet. Der Täter hatte nach ersten Erkenntnissen von Ermittlern eine Erkrankung «aus dem depressiven Formenkreis». «Wir haben einige Hinweise dafür, dass eine nicht unerhebliche psychische Störung bei dem Täter vorliegen könnte», sagte auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU).

Polizisten sichern in der U-Bahnstation Karlsplatz das Gelände.
Polizisten sichern in der U-Bahnstation Karlsplatz das Gelände. | Foto: dpa

Zimmer durchsucht

Bei Durchsuchungen im Zimmer des Schülers habe man Unterlagen zum Thema Amok gefunden. «Mit dem Thema hat sich der Täter offenbar intensiv beschäftigt», sagte Andrä. Darum geht die Münchner Staatsanwaltschaft davon aus, dass es sich bei der Tat um einen klassischen Amoklauf handelt. Die Ermittler sehen zudem einen Zusammenhang mit dem Attentat des Norwegers Anders Behring Breivik. Diese Verbindung liege auf der Hand, sagte Polizeipräsident Hubertus Andrä. Am Freitag war der fünfte Jahrestag von Breiviks Amoklauf.

Polizisten in Spezialausrüstung kommen in München zu dem Einkaufszentrum, in dem Schüsse gefallen sind.
Polizisten in Spezialausrüstung kommen in München zu dem Einkaufszentrum, in dem Schüsse gefallen sind. | Foto: dpa