Kreißsaal der Klinik in Bühl
Kreißsaal der Klinik in Bühl | Foto: Klinikum Mittelbaden

Bühler Hebammen verärgert

„200 Geburten mehr für die Klinik in Achern“

Die Nachricht von der Schließung der Geburtshilfe in der Bühler Klinik zum Jahresende  hat die acht dort tätigen Hebammen völlig unvorbereitet getroffen. Die Geschäftsführung des Klinikums Mittelbaden informierte das Personal unmittelbar im Anschluss an die Pressekonferenz am Montag über ihre Pläne.
Die Hebammen wandten sich an die BNN und kamen zu einem Gespräch in die Redaktion. Sie wollen aber, um disziplinarische Maßnahmen durch ihren Arbeitgeber zu vermeiden, anonym bleiben. Obwohl ihre Arbeitsplätze nicht gefährdet sind und das Klinikum Mittelbaden Alternativen (beispielsweise in Baden-Baden) anbieten will, sind Enttäuschung und Wut groß.

Patientensicherheit nimmt nicht zu

„Die Patientensicherheit wird nach der Schließung der Geburtshilfe in Bühl ganz sicher nicht zunehmen“, klagen die Hebammen. „Viele Frauen schauen zurzeit in der Geburtshilfe-Abteilung nur kurz vorbei, weil sie unsicher sind, ob die Geburt schon begonnen hat. Wir schicken sie dann oft wieder nach Hause. Wegen der kurzen Wege ist das kein Problem.“
Die Hebammen gehen davon aus, dass die werdenden Mütter in Zukunft sehr viel häufiger den Rettungswagen in Anspruch nehmen müssen, um rechtzeitig in die Baden-Badener Klinik zu kommen, als dies bisher üblich ist. „Schon jetzt gibt es Frauen, die trotz der kurzen Wege unterwegs ihr Kind bekommen haben“, berichten sie.

Vorteile für Ortenau Klinikum

Die Hebammen gehen davon aus, dass 80 Prozent der rund 400 Frauen, die bisher in Bühl entbunden haben, in Zukunft nach Achern abwandern. Das dortige Krankenhaus gehört zum Ortenau Klinikum und arbeitet mit Belegärzten, die die Patientinnen betreuen. Um die Jahreswende musste die Bühler Geburtshilfe bereits einmal für vier Wochen geschlossen werden. Grund war damals ein Personalengpass bei den Hebammen (wir berichteten). Nur drei der insgesamt 21 Geburten, die für diesen Zeitraum in Bühl geplant waren, hätten in Baden-Baden stattgefunden. „Wir wissen nicht, wohin sich die anderen Patientinnen gewandt haben“, sagen die Hebammen. Für sie liegt aber die Vermutung nahe, dass diese nach Achern, Oberkirch oder Offenburg abgewandert sind. „Das Krankenhaus Achern wird in Zukunft rund 200 Geburten jährlich mehr haben“, sagen die Hebammen. „Deren langer Atem hat sich ausgezahlt. In Achern stehen Belegärzte hinter der Geburtshilfe, die sich voll mit der Stadt und der Klinik identifizieren.“

Babyfreundliches Krankenhaus

Die Bühler Hebammen weisen stolz darauf hin, dass ihre Geburtshilfe seit 2005 als „Babyfreundliches Krankenhaus“ zertifiziert ist. Das sei in der Region ein Alleinstellungsmerkmal. „Wir sind eine familienfreundliche Abteilung, bei uns gibt es keine Entbindungen am Fließband wie in großen Häusern“, sagen sie. „Ab Oktober wäre eine weitere Hebamme zu uns gekommen. Dann hätte es auch keine Personalprobleme mehr gegeben.“ Allerdings bemängeln die Hebammen, dass sich keiner der beiden leitenden Frauenärzte in Bühl mit der Geburtshilfe identifiziert. „Die haben andere fachliche Schwerpunkte“, berichten sie. „Der fehlende leitende Arzt speziell für die Bühler Geburtshilfe ist ein Manko. Seit Rolf Rapp, der frühere Chefarzt der gynäkologischen Abteilungen in Rastatt und Bühl, nur noch für Rastatt zuständig sei, habe sich in Bühl die Situation verschlechtert. Die Hebammen bedauern dies: „Unser Herz hängt an Bühl!“