Leonhardusritt
Der Leonhardusritt fand zum 50. Mal in Lauf statt. Mehr als 100 Reiter beteiligten sich trotz des eher unfreundlichen Herbstwetters an der Traditionsveranstaltung zu Ehren des Kirchenpatrons. | Foto: Roland Spether

Ganz Lauf feierte

Beim Leonhardusritt geht der Blick zurück bis in das Jahr 1648

Von Roland Spether
„Leonhard – der Heilige mit den zerrissenen Ketten“: Es ist schon ein besonderer Heiliger, den die Laufer vor 400 Jahren zu ihrem Schutzpatron erwählten und in ihn seither mit einem weltlichen und kirchlichen Fest in höchsten Ehren halten. „Viehpatron“, „Stallheiliger“ und „Bauernherrgott“ sind einige der Bezeichnungen aus der Volksverehrung eines Menschen, der Abt von Noblac war und um 500 am Hofe des Frankenkönigs Chlodwig wirkte. Doch statt ein ihm angetragenes Bistum zu übernehmen, zog er sich in die Einsamkeit zurück, um Kranke zu heilen und sich im Gefangene zu kümmern. Deshalb hat er bis heute als Attribut der zersprengten Ketten, weil er sich um Menschen kümmerte, die keiner wollte, die mit Gewalt und Unmenschlichkeit gefesselt wurden. Vielleicht war das auch der entscheidende Grund, weshalb die Laufer 1648 und damit nach dem verheerenden Dreißigjährigen Krieg, diesen Patron für ihre erste Dorfkirche erwählten. Jetzt fand in Lauf der 50. Leonhardusritt statt.

Leonhardusritt wurde ein Stück Heimat

Dass die Laufer seit 50 Jahren „ihren“ Leonhard mit einer Pferdeprozession und einem Ortsfest in Ehren halten, begründete Bürgermeister Oliver Rastetter. Das Geheimnis des lebendig gehaltenen Patroziniums liege in der Dorfgemeinschaft und darin, dass der Leonhardusritt ein Stück Heimat wurde. „Viele verbinden seit ihrer Kindheit angenehme Erinnerungen mit diesem Fest, für sie ist es etwas Vertrautes, ein alljährliches Ritual“. Deshalb verwundere es nicht, dass wieder mehr Familien damit anfangen, solche Traditionen zu schätzen. Brauchtum und richtig verstandene Rituale könnten Halt und Sicherheit geben, beides sei besonders für Kinder wichtig.

Festgottesdienst
Mit einer Prozession begann der festliche Gottesdienst zum 50. Jahrestag des Leonhardusritts. | Foto: Roland Spether

In diesem Sinne und mit dem Lebensbeispiel von Leonhard würden die Laufer eine Botschaft in die Region tragen, dass es jenseits des Slogans „Immer schneller, immer mehr“ noch etwas Anderes gebe. Sicherlich musste Leonhard, wie mancher heute, mit den Widersprüchen und Härten des Lebens im Spannungsverhältnis zum Glauben leben. Aber durch seinen starken Glauben an Gott zerbrach er daran nicht, vielmehr half er mit viel Mut im Herzen anderen Menschen und lebte in Barmherzigkeit. So lief er nicht dem Zeitgeist nach, er war ein freier Mensch ohne Zwänge. Deshalb könnten Heilige wie Leonhard auch modernen Menschen noch als Vorbild dienen, betonte Oliver Rastetter.

Erinnerung an die „Pioniere“ des Fests

Ein Anliegen war es dem Bürgermeister, sich bei allen Helfern und Mitwirkenden zu bedanken, ein besonderer Dank galt den „Pionieren“ des Leonhardusritts Karl Glaser, Albert Mast, Alois Lang, Josef Lang und Franz Hermann. „Ohne sie wäre das Fest nicht das das, was es heute ist: eine Erfolgsgeschichte“. Als Ehrengast in Dankbarkeit für sein Engagement wurde Alfons Nesselbosch ausgewählt, der 24 Jahre Gemeinderat war und seit 2005 Ehrenvorsitzender der Kolpingfamilie ist. „Nach der vielen Arbeit Schwere, an Leonhardi die Rösser ehre“. Getreu dieser alten Bauernregel und in der Verehrung des Heiligen als Patron der Bauern, Knechte, Fuhrleute und Pferde fand gestern der Leonhardusritt statt.

Reiter und Gespannfahrer halten Brauchtum lebendig

In Lauf wurde Leonhard zwar nicht wie in Bayern zum „Bauernherrgott“ und Helfer im bäuerlichen Lebens erkoren, wohl aber zum Patron über Menschen, Tiere und Gottes Schöpfung. So machten sich etwa 150 Pferde aller Rassen mit Reitern und Gespannfahrern aus der Region auf den Weg nach Lauf, um ein altes Brauchtum lebendig zu halten, sich für die Verantwortung an der ganzen Schöpfung bewusst zu werden und an der Pferdesegnung teilzunehmen. Auch Zweispänner mit schönem Geschirr waren dabei, und in den Kutschen saßen die Ehrengäste, angeführt von Bürgermeister Rastetter. Eindrücke vom Leonhardusritt gibt es hier auch in bewegten Bildern: