Ein rasantes Wachstum erwartet Cyberforum-Geschäftsführer  David Hermanns für die regionale Digitalbranche, wie er im BNN-Interview erklärt.
Ein rasantes Wachstum erwartet Cyberforum-Geschäftsführer David Hermanns für die regionale Digitalbranche, wie er im BNN-Interview erklärt. | Foto: Jörg Donecker

Cyberforum: Wachstum bis 2020

„5000 neue IT-Arbeitsplätze in Karlsruhe“

Der Verein Cyber-Forum ist mit über 1 100 Mitgliedern das größte regional aktive Hightech-Unternehmer-Netzwerk in Europa. Geschäftsführer David Hermanns ist von einem starken Wachstum der IT-Branche im Großraum Karlsruhe überzeugt, wie er im Interview mit Rainer Haendle erklärt.

Wie lautet Ihre Prognose für die Digitalwirtschaft in Karlsruhe? Wie viele neue IT-Arbeitsplätze werden in den nächsten fünf Jahren entstehen?

Hermanns: Wir rechnen allein im Stadtkreis mit 5 000 neuen Arbeitsplätzen bis 2020 – davon mindestens 3000 in herkömmlichen Branchen, wie zum Beispiel im Maschinenbau, sowie weitere 2 000 in den prosperierenden IT-Firmen, wenn wir die entsprechenden Rahmenbedingungen setzen.

Worauf gründet Ihr Optimismus?

Hermanns: Mit 30 000 IT-Arbeitsplätzen in der Region und 10 000 IT-Studenten sind wir das führende IT-Cluster in Europa und üben beim Digitalen Wandel eine Sogwirkung aus. Trumpf aus Ditzingen und Sick aus Waldkirch beispielsweise haben in Karlsruhe IT-Tochterfirmen gegründet. Grenke-Leasing aus Baden-Baden hat seine IT-Abteilung teils nach Karlsruhe verlegt.

Welche Faktoren müssen zusammenkommen, damit aus kleinen Cyber-Champions von der Uni große Arbeitgeber werden?

Hermanns: Natürlich ein überzeugender und offener Gründer, der in kürzester Zeit die erforderlichen Management-Werkzeuge einsetzen kann.

 

Was ist mit der guten Idee?

Hermanns: Es gibt viele gute Ideen. Aber die Kraft und die Vision zur Umsetzung ist das Schwierige. Wie Du aus der technischen Idee ein Geschäft generierst, an Kunden kommst und diese bindest, wie Du neue Geschäftsmodelle aufbaust, das ist die Kunst.…

…also die Überzeugungskraft nach innen und außen?

Hermanns: Definitiv. Und natürlich die Bereitschaft für große Bilder. In Deutschland denkt man häufig nicht groß genug. Vielleicht liegt das an unserer zu bodenständigen Erziehung. Natürlich braucht man als Gründer auch eine Portion Glück.

Gibt es für die neuen Unternehmen genügend Fläche in Karlsruhe?

Hermanns: Definitiv ja. Allein im Technologiepark werden wir durch die neuen Bebauungsregeln noch mal rund 9 000 Arbeitsplätze unterbringen. Wir haben in Karlsruhe einen Engpass bei Gewerbeflächen, nicht aber bei Büroflächen.

Welche Rolle spielt die Nähe zur Universität, also dem KIT?

Hermanns: Die ist ganz wichtig. Aus dem Umland kommen immer mehr Städte auf uns zu, die auch Gründerzentren errichten wollen. Das funktioniert bei universitätsnahen Gründungen schwer, weil die Jungunternehmen ihren Brutkasten in KIT-Nähe haben wollen, um dort Praktikanten und Werkstudenten zu gewinnen. Diese Gründerzentren müssen vielmehr andere Gründerzielgruppen ansprechen.

Sind die IT-Unternehmen hier in der Region alles kleine Start-ups, oder zahlt die Digitalbranche bereits kräftig Gewerbesteuer?

Hermanns: Zwischen dem Jahr 2006 und heute ist die Gewerbesteuer aus dem IT-Bereich von 28 auf 106 Millionen Euro gewachsen. Prozentual ist das noch viel beeindruckender – der IT-Bereich erwirtschaftet in Karlsruhe in diesem Jahr bereits 44 Prozent der Gewerbesteuereinnahmen und kompensiert damit die Verluste aus anderen Bereichen. Ein Beispiel für die Dynamik: das Unternehmen „1und1“ hatte vor zehn Jahren etwa 1 000 Mitarbeiter, jetzt sind es 2 300 .

Wo rangiert Karlsruhe im Vergleich mit Berlin und München?

Hermanns: Nach der neuesten Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaft liegen wir bei der Anzahl der Beschäftigten in akademischen IT-Berufen deutlich vor unserer Konkurrenz. Wir haben den neuen „Rohstoff“ – Menschen, die Digitalisierung können. Allerdings kriegen wir auf den bestehenden Personalmarkt extremen Druck und müssen deshalb gemeinsam mit der Stadt Karlsruhe und der Region eine aggressive Außen-Marketingkampagne für Fachkräfte starten.

Müssen KIT und Hochschule noch mehr Informatiker ausbilden?

Hermanns: Die haben ihre Kapazitäten schon enorm ausgebaut, sind aber derzeit an der Grenze. Bei den „Juniors“ können die Firmen im Moment ihren Bedarf noch decken, das Hauptproblem sind die erfahrenen Profis, die Seniors. Die müssen wir einerseits in den Betrieben entwickeln, aber auch von außen anlocken. Da müssen wir gemeinsam mit der Stadt ein Handlungsprogramm, sowie eine Job-Plattform aufbauen.

Wie agil sind klassische Unternehmen beim digitalen Wandel. Sind die Industrie 4.0-Konzepte zur digitalen Vernetzung schon in allen Chefetagen angekommen?

Hermanns: Die größeren Unternehmen setzen sich damit intensiv auseinander. Es gibt aber noch zu viele Chefs, die zögern, weil im Moment die Auftragsbücher voll sind. Der Druck durch die Digitale Transformation wird aber immer größer.