Gemeinsam auf der Bühne stehen Schüler der Heimschule Lender und Flüchtlinge. Das Musical „Geflasht“ bekommt dadurch eine besondere Eindringlichkeit.
Gemeinsam auf der Bühne stehen Schüler der Heimschule Lender und Flüchtlinge. Das Musical „Geflasht“ bekommt dadurch eine besondere Eindringlichkeit. | Foto: Michaela Gabriel

Sasbach: Fluchtgeschichte

Wenn Kinder ihre Familien verlieren

Von Michaela Gabriel

Bilder von zerstörten Städten in Syrien wechseln sich mit Bildern aus dem zerstörten Deutschland der 40er Jahre ab. Salam Ilyas aus dem Nordirak singt dazu ein trauriges Lied in arabischer Sprache. Das ist der eindringliche Einstieg in das neue Musical „Geflasht“ der Heimschule Lender. Zum ersten Mal spielen darin die Fremden, um die es geht, selbst mit. Auch Salam (26) und seine Geschwister Fawziya (23) und Aran (12) sind darunter, die seit zwei Jahren von ihren Eltern getrennt sind.
Wenn der Unterstufen-Chor Panik und Horror nachspielt, dann ist das für die Kinder ein Spaß. Fotos von Menschen, die mit Taschen und Tüten durchs Nichts laufen, lassen daraus Ernst werden. „Geflasht“ handelt von „Ash“, einem Mädchen aus einem Kriegsland, das eigentlich Aishe heißt und seine Familie auf der Flucht verloren hat. „Das ist realistisch. Es ist in Wirklichkeit oft passiert“, wissen die Geschwister aus dem Irak.
Asche wie Aschenputtel nennt die deutsche Pflegefamilie das verloren gegangene Kind. Es muss viel im Haushalt arbeiten und wird schikaniert. Dima Husni aus Syrien mimt ihre Mutter, von der das Mädchen träumt. Weil sie von der Erstaufnahme in Sasbachwalden inzwischen nach Stuttgart verlegt wurde, kann sie nicht bei jeder Probe dabei sein. „Früher habe ich auch in der Schule Theater gespielt“, erinnert sich die 39-Jährige.
Ein selbst geschriebenes Märchen mit Musik, Schauspiel und Tanz wollten die Lender-Schüler des Musikprofils 10 aufführen. Durch die Kontakte ihrer Regisseurin, der Schauspielerin Ursula Bengel aus Sasbachwalden, zu zahlreichen Geflüchteten bekam ihre Story dann höchst aktuelle Bezüge. „So bekommt das Stück viel Tiefe und eine viel größere Tragweite“, sagt die engagierte Flüchtlingshelferin den Schülern. Man wolle es allen widmen, die noch immer auf der Flucht sind.
Menschen behandeln einander schlecht, ist eine der Botschaften in „Geflasht“ – und zwar in den Kriegsgebieten der Erde und auch in Deutschland. Die selbst geschriebenen Musikstücke sprühen vor Lebendigkeit oder sind ergreifend dramatisch. Mit Michele Mahn (16) in der Hauptrolle als Ash dürfen die Zuschauer leiden, aber auch lachen, sich verlieben und auf ein glückliches Ende hoffen. „Dass wir Flüchtlinge kennengelernt haben, war wie eine neue Facette der Welt für uns“, sagt sie. Ihre böse Stiefschwester im Stück wird von Maren Henke aus Achern gespielt. Sie findet es bewegend, wie nett die Geflüchteten zu den Schülern sind. Wie im Märchen kommt am Ende Ashs Familie endlich auch in Deutschland an. Die eigenen Kinder wieder in die Arme schließen, das ist, wovon Dima Husni aus Syrien träumt. Und nach den eigenen Eltern sehnen sich die drei Geschwister aus dem Irak. Die Karten für die Aufführungen am Freitag, 1. Juli, Samstag, 2. Juli, und Sonntag, 3. Juli, gibt es in der Buchhandlung am Rathaus in Achern. Rund 300 Zuschauer können das Musical jeweils ab 19 Uhr live in der Aula der Heimschule Lender erleben.