Gewandete Bretten
Ein Mops hat Bretten 1504 vor der schwäbischen Belagerung gerettet. Mit einem historischen Wimmelbild wurde er dafür gefeiert. | Foto: Roth

Huldigungsszene für Jubiläum

600 Gewandete für Bild auf Brettener Marktplatz

Von Susanne Roth

„Milo“ wird wahrscheinlich noch eine Weile seine kleine schwarze Stirn in Falten legen und grübeln, wie es kommt, dass er am Sonntagnachmittag an einem Knochen schlecken darf, der etwa drei Mal so groß ist wie er selbst. Ehre, wem Ehre gebührt, schließlich hat ein Mopskollege von „Milo“ im Jahr 1504 Bretten aus der Umklammerung der schwäbischen Belagerung befreit. Er wurde vollgefressen losgeschickt zum Zeichen, dass die Belagerer noch viel und lange zu futtern haben. Und deshalb muss „Meino“ auch für das historische und von Thomas Rebel ins Leben gerufene historische Wimmelbild mit Gewandeten auf dem Brettener Marktplatz in den Mittelpunkt.

Wimmelbild mit 600 Gewandeten und Mops Milo

Und zwar zum Knochen. Auf den Tisch. Direkt vor die Nase des Kurprinzen und seiner Mannen. Alles für das Stadtjubiläum im Jahr 2017 und mit tatkräftiger Unterstützung vom Kulturamt unter Leitung von Bernhard Feineisen. Der ist nicht im Gewand erschienen, sehr wohl aber die Jubiläums-Projektleiterin Daniela Kerres. Und die ist quasi die rechte Hand von Fotograf Thomas Rebel, der eine Huldigungsszene des Brettener Volkes an den Kronprinz nachstellen und fotografieren will.

Huldigungsszene mit Brettener Volk

Und dazu hat er an diesem regnerischen Tag zwar nicht wie geplant 1 000 Gewandete zusammentrommeln können, aber doch immerhin etwa 600 von 700 Angemeldeten sind herbei geströmt. Samt Karren und Grillstelle – auf der natürlich auch richtiges Fleisch brutzelt. „Echt toll, dass so viele gekommen sind“, findet Feineisen. Das hätte er nicht gedacht angesichts eines grauen Himmels, aus dem es unablässig nieselt. Doch davon bekommt Thomas Rebel nicht viel mit, der meist oben auf der Hebebühne steht, seine Kamera gut behütet unter einem Regenschirm, und Anweisungen gibt.
„Do isch noch e Lücke“, sagt er. „Und alle mal jubeln!“ Und schon geht ein weit zu hörender Jubel los, bunte Bänder flattern, sogar Hanna Bröll freut sich. Wer weiß, vielleicht befreit der Kronprinz Ulrich von Württemberg sie ja auch aus ihrem Gefängnis-Karren, in den sie gesteckt wurde, „weil ich unartig war“. Auch Peter Schmid, der ebenfalls zur Gruppe des „Fahrenden Volkes“ gehört, lacht; so ein Wetter sei man gewöhnt. Vielleicht sogar besser als die sommerliche Hitze, denn die Filz-Umhänge sehen warm aus und da kommt auch so schnell kein Regen durch. „Und das ist ja eine einmalige Chance, bei so etwas mitzumachen“, findet er.

 

Weder der historische Mops, noch der Kronprinz sind damals im Bild festgehalten. „Milo“ ist das vermutlich auch wurst, aber Oberbürgermeister Martin Wolff gefällt sich offenbar ganz gut in seiner neuen Rolle. Das ist er ja gewohnt, meint er mit Hinweis auf seine Amtskette. Ob er aber jemals so einen Jubel erlebt hat wie am 18. September – das mag dahingestellt sein.

Für Fotograf Thomas Rebel geht Traum in Erfüllung

Jedenfalls scheint sich die Mühe bereits gelohnt zu haben. Seit 8 Uhr morgens war man dabei, den Platz zu gestalten, zwölf Stunden später heißt es: wieder zurück auf Null. Für Thomas Rebel geht ein seit zwei Jahren herumgetragener Traum in Erfüllung. „Ich bin so glücklich wie nie’“, sagt er und hat schon wieder die Kamera im Anschlag.
„Da muss man einfach mitmachen, wenn man hier wohnt“, findet Manuela Scheu. Was sich nicht nur aufs „Wimmelbild“ bezieht, sondern allgemein auf alles, was mit „Peter und Paul“ zu tun hat. Und dann postiert sie sich zwischen den anderen Bauersleuten. Und jubelt. So lange, bis ein euphorischer Thomas Rebel „alles saumäßig gut“ findet.